ARD-Sportredakteurin Yvonne Olberding sechs Wochen in Südafrika / Mission zwei Jahre lang mit vorbereitet

Rechterfelderin schuftet für Fußballfans

Yvonne Olberding vor imposanter Kulisse des WM-Viertelfinalspiels zwischen Spanien und Paraguay: Die Redakteurin des Südwestrundfunks arbeitete zwei Jahre lang, damit die ARD-Zuschauer daheim die Weltmeisterschaft genießen konnten.

Oldenburg - RECHTERFELD (ck) · Zwei Jahre akribische Vorbereitung aufs „Abenteuer Südafrika“, Anspannung pur seit der Ankunft am 2. Juni und ein kräftezehrendes Turnier: Die Fußball-Weltmeisterschaft forderte nicht nur den Nationalkickern alles ab, sondern auch denen, die darüber berichten: Eine der 550 mitgereisten Kollegen von ARD und ZDF heißt Yvonne Olberding, arbeitet als Redakteurin für den Südwestrundfunk (SWR) – und stammt aus Rechterfeld. Das heutige Spiel der Deutschen gegen Uruguay um Platz drei bedeutet für die Sportjournalistin das „Finale“. Denn morgen übernimmt das ZDF – und sie bereitet sich auf ihren Heimflug am Montag vor. Froh darüber, dass die sechs Wochen hinter ihr liegen, aber auch mit Wehmut: „Ich habe hier abartig viel gelernt. Es war ein unglaublich schönes Erlebnis.“

Zeit für Exkursionen zu Land und Leuten blieb der 30-Jährigen jedoch kaum: „Einmal habe ich eine Safari mitgemacht, ansonsten kenne ich nur den Weg vom Hotel zum IBC.“ Das „International Broadcast Centre“ in Johannesburg gilt als WM-Zentrale der Rundfunk- und Fernsehsender aus aller Herren Länder. In diesem „fensterlosen Bunker“ bereitete sie die Bilder für Millionen deutscher Fans auf.

„Vom ersten Gruppenspiel bis zum Viertelfinale arbeiteten wir jeden Tag von 9 Uhr bis Mitternacht, danach startete ich gegen elf Uhr.“ Yvonne Olberding sorgt für sendereife Beiträge der Fan-Video-Aktion „Du für Deutschland“, wirkt an den immer neu produzierten Abspännen jeder Übertragung mit und wacht über die Internet-Koordination. Zudem „füttert“ die Redakteurin die Expertenduos Günter Netzer und Gerhard Delling sowie Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl mit Schnittbildern für die Analysen. „Witzig sind die vielen E-Mails von Zuschauern, die sich über den unmöglichen Umgang zwischen Netzer und Delling beklagen“, verrät die Frau hinter den Kulissen. „Aber sie machen sich nicht fertig – sie necken sich vielleicht ein bisschen…“ Nach der Sendung pflegten beide Männer übrigens ein

▪ Dicht dran an

▪ Netzer und Delling

harmonisches Verhältnis. Aber heute endet die TV-Hassliebe, denn bekanntlich steigt Netzer aus. „Schade“, findet Redakteurin Olberding mit Blick auf seinen Abschied von der Scharmützel-Bühne. „Die Arbeit hat unheimlich Spaß bereitet.“ Doch auch Mehmet Scholl „macht das für seine erste WM im Studio echt klasse“.

Yvonne Olberding hat nun ebenfalls ihr Weltmeisterschafts-Debüt hinter sich. Seit 2005 arbeitet sie für den SWR, zu dem es die Ex-Volleyballerin vom SV Arminia Rechterfeld und des Regionalligisten VfL Oythe schon während ihres Studiums in Tübingen hingezogen hatte.

Die WM begann für sie bereits vor zwei Jahren – seit der Einberufung ins zehnköpfige Vorbereitungsteam. Somit stand fest, dass Yvonne Olberding mit ans Kap fliegt und bis zum Ende bleibt. „Ich habe mich riesig gefreut. Solche Höhepunkte sind ja der Grund, warum man den Beruf ergreift.“

Doch nun musste sie die Ärmel noch höher krempeln. Die Planungen umfassten das Auflisten und Beschaffen sämtlicher Ausrüstung bis zum letzten Kabel, das Buchen aller Flüge, die Suche nach Quartieren und, und, und. Bis zuletzt blieben bange Fragen: „Was kommt auf uns zu? Haben wir an alles gedacht? Funktioniert alles?“

Es funktionierte. „Der emotionalste Moment für mich war, als wir mit der Eröffnungsfeier auf Sendung gingen und die Übertragung klappte. Da stand ich in der Regie und musste ein bisschen mit den Tränen kämpfen“, gesteht die 30-Jährige. Später kämpfte sie wie viele Kollegen mit Schnupfen – ein Tribut an klimatische Wechselbäder zwischen dem 1 800 Meter hoch gelegenen Johannesburg und den Spielorten Durban oder Port Elizabeth am Ozean. Südafrikas Winter mit Dunkelheit ab 18 Uhr und sechs Grad nachts tat sein Übriges. „Insgesamt war es aber milder als befürchtet“, nennt die Redakteurin eine von vielen positiven Überraschungen. Ihre einzige Enttäuschung: die spanische Mannschaft. „Ihre Spiele haben bisher nicht überzeugt.“ Trotzdem will sie den Titelgewinn der „Selección“-Stars nicht ausschließen: „Sie haben sich stets verbessert. Vielleicht machen sie es im Finale gegen Holland ja wieder gut.“

Und was bringt Deutschland heute im Kampf um Platz drei zustande? „Normalerweise müssten wir's schaffen – wenn Joachim Löw die Mannschaft nicht zu sehr durcheinander mixt.“ Doch schon jetzt urteilt sie: „Die Deutschen haben ein geiles Turnier gespielt.“

Nach der Rückkehr am Dienstag in Stuttgart will Yvonne Olberding „endlich mal warmen Sommer genießen“. Aber nur zehn Tage. Denn die SWR-Stadionredakteurin von 1899 Hoffenheim muss sich auf die Bundesliga und ihre Arbeit für „Sport am Samstag“ vorbereiten…

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