Nur wenige Wildeshauser gedachten der Opfer des Nationalsozialismus

„Es gab ein Recht auf Widerstand und Leben“

+
Wolfgang Däubler (l.) und Bodo Gideon Riethmüller gedachten der Opfer des Nationalsozialismus ·

Wildeshausen - In kleinem Kreis gedachten gestern bei Regen und Eisglätte zehn Personen auf dem jüdischen Friedhof in Wildeshausen der Oper des Holocaust.

Als Vertreter der Stadt sprach der stellvertretende Bürgermeister Wolfgang Däubler in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Kian Shahidi mahnende Worte.

Däubler gedachte der sechs Millionen Opfer jüdischen Glaubens sowie der Sinti und Roma, die im Nationalsozialismus „bestialisch umgebracht“ wurden. Er erinnerte an die bewachten Todeszüge, die in die Vernichtungslager fuhren und ging darauf ein, dass die Transporte von einer ständig wachsenden Zahl von verzweifelten Menschen für die Flucht genutzt wurden.

So seien acht Menschen in den Niederslanden aus einem rollenden Zug in die Freiheit gesprungen und hätten überlebt. Sie hatten zuvor ein Loch in die Holzwand gesägt und mussten sich dabei mit den anderen panisch reagierenden Insassen auseinander setzten, die Vergeltung durch die Nationalsozialisten befürchteten.

„Wer mitgehen wollte, konnte mitgehen“, so Däubler. „Es gab ein Recht auf Widerstand und ein Recht auf Leben.“ Dieses Zeichen des Widerstandes sei auch ein Zeichen der Hoffnung gewesen. „Die Nationalsozialisten konnten den Menschen nicht ihre Würde nehmen.“ Das habe auch heute Gültigkeit, wenn Neonazis ihre dumpfen Parolen schwingen würden, so Däubler.

Bodo Gideon Riethmüller erinnerte an den Grund des Gedenktages am 27. Januar. Es war dieser Tag im Jahr 1945, an dem das Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde.

„Zwölf Namen auf der Stele dieses Friedhofes stehen für die sechs Millionen ermordeten Menschen“, so der Beauftragte für die jüdischen Friedhöfe in Niedersachsen. Die zwölf Menschen hätten in Wildeshausen gelebt und gearbeitet, bis sie in die Vernichtungslager gebracht worden seien.

„Die Opfer haben durch diese Stele ihre Würde zurückerlangt“, erklärte Riethmüller. Immer wieder werde er von Menschen gefragt, ob das Gedenken an die längst vergangenen Taten überhaupt noch sinnvoll sei. Er könne das nur bejahen.

„Hinter diesen zwölf Namen steht das Wort ‚Warum‘“, verdeutlichte er. Es stelle sich die Frage, warum Christen, die so viel Wert auf Nächstenliebe legten, damals das alles zugelassen hätten, warum sie aktiv am Mord der Juden mitgewirkt hätten.

„Es gibt keine eindeutige Antwort auf die Fragen nach dem ‚Warum‘“, so Riethmüller weiter. Die damaligen Verbrechen seien zu komplex. Es sei unvorstellbar, dass Menschen ihre ganze Kraft in den Dienst dieser Mordmaschine gegeben hätten.

„Man darf die Vergangenheit nicht auf sich beruhen lassen“, mahnte Riethmüller. Deshalb verwies er auf die Ausstellung der Realschule Wildeshausen, die dort heute und morgen im Foyer aufgebaut ist. Heute wird in der Zeit von 14 bis 17 Uhr der Rabbiner Jona Simon aus Oldenburg gemeinsam mit Riethmüller für Fragen zur Verfügung stehen. Alle interessierten Bürger sind zum Besuch der Veranstaltung eingeladen. · dr

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Der Schuhtrend für Frauen: Mit Stiefeln durch den Sommer

Der Schuhtrend für Frauen: Mit Stiefeln durch den Sommer

Der Range Rover wird 50 Jahre alt

Der Range Rover wird 50 Jahre alt

Wie barrierefrei ist die Kreuzfahrt?

Wie barrierefrei ist die Kreuzfahrt?

Städtereise New York: Queens ist die Königin der Kulturen

Städtereise New York: Queens ist die Königin der Kulturen

Meistgelesene Artikel

Windböe drückt Lastzug in Planke

Windböe drückt Lastzug in Planke

Erste Bäume vor der Klinik entfernt

Erste Bäume vor der Klinik entfernt

SPD fordert Pflege- und Wohnstrategie

SPD fordert Pflege- und Wohnstrategie

586 Stunden im Stau - zwischen Wildeshausen und Groß Ippener

586 Stunden im Stau - zwischen Wildeshausen und Groß Ippener

Kommentare