Knapp 4 000 Beratungen im Jahr bei Schuldnerhilfe / Nicht überhastet reagieren

Raus aus den Schulden

Rainer Borgstedt berät seit 25 Jahren Schuldner. ·
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Rainer Borgstedt berät seit 25 Jahren Schuldner. ·

Wildeshausen - Gerade vor Weihnachten waren die Wünsche groß und wer wollte, konnte sich mit einem günstigen Kredit die Ware ins Haus holen, die er ersehnte. Das dicke Ende kommt oft erst später, denn immer mehr Menschen landen in der Schuldenfalle. Unkalkulierbare Umstände wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unfall und Scheidung lassen die Lebensplanung und den Haushaltsplan scheitern.

Rainer Borgstedt kennt diese Fälle. Er ist Geschäftsführer der Schuldnerhilfe in Niedersachen, arbeitet unter anderem in der Beratungsstelle in Wildeshausen und kümmert sich seit 25 Jahren um knifflige Fälle. Eins muss er jedes Jahr zum Jahresende feststellen: „Die Zahl der Beratungsgespräche ist steigend.“ Im Landkreis Oldenburg gab es im Jahr 2010 insgesamt 3 928 Beratungen bei Terminen oder am Telefon. Entweder sind die Menschen direkt auf ihn und seine Kollegen zugekommen oder aber sie wurden aus anderen Sozialeinrichtungen an ihn verwiesen. Denn die Schuldenlast ist in der Regel nicht das einzige Problem. Oft ist sie gepaart mit Süchten, Scheidungen oder Arbeitslosigkeit.

Wer zu Borgstedt kommt, hat zumindest den ersten Schritt zur Lösung richtig gemacht. Auf dem Markt tummeln sich oft „schwarze Schafe“, bei denen zwar die Erstberatung gratis ist, alles weitere aber teuer wird.

„Wir sind im Landkreis Oldenburg die Einzigen, die die komplette Beratung kostenlos anbieten“, sagt Borgstedt. Es gibt zudem eine weitere Unterscheidung: Bevor der Schuldner eine Privatinsolvenz anmeldet, versucht die Schuldnerhilfe erst außergerichtliche Einigungsversuche anzustreben.

„Wir müssen genau überprüfen, ob eine Überschuldung oder lediglich eine Verschuldung vorliegt“, sagt Borgstedt. Ziel sei es in jedem Fall, die Kreditwürdigkeit zu erhalten. „Im Falle einer Privatinsolvenz sinkt der Score-Wert“, erklärt der Schuldnerberater. Das führe dazu, dass man höhere Zinsen zahlen müsse. Ohnehin seien die Auswirkungen noch zehn Jahre später festzustellen, weil Auskunfteien die Insolvenz registriert haben. „Das hat Auswirkungen unter anderem bei der Arbeits- und der Wohnungssuche.“

Auch bei den neuen Pfändungsschutzkonten rät Borgstedt zu genauer Prüfung. Schuldner laufen ab dem Jahreswechsel Gefahr, ihr Geld auf dem Konto zu verlieren, wenn sie kein P-Konto eingerichtet haben. Damit ist ein Grundfreibetrag von 1030 Euro vor Pfändung geschützt.

„Aber auch bei diesen Konten sollte man genau checken, ob sie gebraucht werden. Es ist nur sinnvoll bei Menschen, die wissen, dass sie im Januar eine Pfändung haben“, so Borgstedt. Ein P-Konto würde nämlich bei der Schufa gemeldet, was bei späteren Geldgeschäften Schwierigkeiten bringen könnte.

„Wir versuchen, Regelungen zu finden, um Kontopfändungen zu vermeiden“, sagt Borgstedt. Entscheidend sei es, mit den Gläubigern zu sprechen und zu verhandeln. Das führe oft zu guten Ergebnissen.

So etwas lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. Durch die Arbeit der Schuldnerhilfe im Landkreis Oldenburg wurden allein im vergangenen Jahr 6,59 Millionen Euro Schulden eingespart. In 39 Fällen gab es Einsparungen von über 50 000 Euro pro Jahr und Person. · dr

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