Vier Abiturienten aus dem Kreis Vechta gewinnen die Weltmeisterschaft im Hässlichtanzen

Das Quartett des Grauens

Erst beim Jubel grazil: Die schlechtesten Tänzer der Welt um Timo Middendorf (links), Levin Bosche (mit Pokal), Victor Vu (rechts) und Michael Beth (2. von rechts).

Oldenburg - VECHTA (dn/dpa) · Viele hatten es schon immer geahnt, und seit diesem Wochenende ist es tatsächlich offiziell: Die Weltmeister des schlechten Geschmacks kommen aus dem Kreis Vechta. Vier Jungs vom Gymnasium Lohne haben am Sonnabend in Hamburg Maßstäbe des Grauens gesetzt und unangefochten den zweiten „Ugly Dance World Cup“ (UDWC) gewonnen – die Weltmeisterschaft im Hässlichtanzen.

Teamsprecher Timo Middendorf und Victor Vu aus Steinfeld, der Dinklager Michael Beth und Levin Bosche aus Lohne alias „die Dezentiner“ ließen in einem alten Hamburger Bunker in Sachen kontrollierte Unbeweglichkeit alle hinter sich und holten sich den Titel – mit ihrem besonderem Stil „Elektropop-Techno-Hard-core-Tanz und reduziertem Wahnsinn mit 90-er-Jahre-Einfluss“. Staksiger Storchengang, ungewollt akrobatische Verbiegungen und schüchterne Ausgelassenheit sind ihr Markenzeichen. „Welt, wir kommen“, jubelte Middendorf nach dem Triumph seines Teams, das die nationale und internationale Konkurrenz aus der Schweiz und Luxemburg um Längen übertrumpfte.

Gemäß den Regeln des UDWC ernteten die „Dezentiner“ für ihre Performance im Finale gegen das Team „Inferno Ragazzi“ aus dem Publikum ohrenbetäubende Unmutsbekundungen, denn wer am lautesten ausgebuht wurde, holte am Ende den Titel. Ein Erfolg war die Veranstaltung aber vor allem für die Organisatoren. „Der Menschenandrang war enorm“, erinnert sich Christian Müller, der den Wettkampf mit drei Freunden ganz spontan erfunden hat. Die vier spielten auf der Tanzfläche eines Clubs Flaschendrehen: Wen es traf, musste seine beklopptesten „Dance-Moves“ zeigen. Kurze Zeit später bestand der Kreis plötzlich aus 80 Leuten. „Da wussten wir“, sagt Müller grinsend, „die Zeit ist reif für eine Weltmeisterschaft.“

Und in diesem Jahr war die Zeit für des Vechtaer Quartett reif, Geschichte zu schreiben. „Wir sind mit unserer Begabung ja immer sehr diskret umgegangen“, meinte Middendorf, doch an eine so steile Karriere hatten die vier wohl selbst nicht geglaubt. Erst in diesem Sommer haben sie ihr Abitur gemacht, jetzt sind sie Weltmeister.

In ihrem Bewerbungsvideo hatten sie noch ihren eher öden Alltag gezeigt: Ihre Freizeit verbrachten sie vor allem auf einem Vechtaer Supermarktparkplatz. „Das wird sich nun ändern“, verspricht Midendorf, „wir werden auf Parties weiter unseren Stil verbessern.“ Das beste Vorbild bietet da nach eigener Aussage der Blick in den Spiegel: „Wir brauchen keine Vorbilder, wir sind selbst welche. In unserem Team beeinflussen wir uns gegenseitig.“ Dann steht der Titelverteidigung ja eigentlich nichts im Wege, auch wenn Organisator Christian Müller verspricht, dass die dritte UDWC-Ausgabe pompöser und geschmackloser denn je werden soll. „Wir planen einen Vorentscheid in den größten europäischen Metropolen, und nur die besten sollen nach Hamburg kommen.“

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