Weiter Diskussion über NSDAP-Vergangeheit

„Petermann-Wahl mit SPD-Stimmen“

Wildeshausen - Die Diskussion über die Bennenung von zwei Straßen in Wildeshausen nach den ehemaligen Bürgermeistern Petermann und Müller-Bargloy hat Fahrt aufgenommen. Wie bereits berichtet, möchte die Partei „Die Linke“ im Stadtrat die Umbenennung der beiden Straßen beantragen, da die ehemaligen Wildeshauser Würdenträger in der Zeit des Nationalsozialismus‘ eine unrühmliche Rolle gespielt hätten.

Nach Einschätzung des Leiters des LWL-Institutes für westfälische Regionalgeschichte, Klaus Schultze, ist die Forschung im Fall Petermann in der Tat eindeutig. Er habe in der Zeit von 1933 bis 1945 häufig autoritär geherrscht und Gegner denunziert. „Unter seiner Verantwortung wurden die jüdischen Bürger verfolgt, entrechtet, verdrängt, die im Krieg noch verbliebenen schließlich deportiert und in den Vernichtungslagern ermordet“, so Schultze. 1964 sei Petermann als FDP-Abgeordneter zum Landrat und 1968 „pikanterweise“ mit entscheidender Unterstützung eines NPD-Ratsherrn zum Bürgermeister von Wildeshausen gewählt worden.

Der Fall des langjährigen CDU-Landtagsabgeordneten Heinrich Müller-Bargloy sei mangels ausreichender Forschung zurzeit nicht abschließend zu bewerten.

Der ehemalige Ratsvorsitzende Hans-Uwe Leinemann (CDU) wundert sich hingegen, ob Wildeshausen angesichts des maroden Hallenbades, fehlenden Hortes und fehlender Sozialpädagogen nicht wichtigere Probleme zu diskutieren habe. Er fordert zudem auf, in der Diskussion alle Fakten zu berücksichtigen. Es sei angesichts der bekannten Nähe der NPD zur NSDAP wohl kaum pikant, dass dieser Ratsherr die Wahl Petermanns unterstützt habe. „Pikant ist allerdings, dass Herr Petermann mit den Stimmen von SPD und NPD gewählt wurde.“

Insbesondere die CDU, namentlich Rudi Pelz, habe heftige Kritik an der Wahl geübt. „Rudi Pelz bekam daraufhin kräftigen Gegenwind. So wurde behauptet, Petermann sei der bisher fähigste Bürgermeister Wildeshausens. Die Angriffe gegen die CDU gipfelten in der Forderung, Pelz solle wegen seiner Äußerungen zu Petermanns NSDAP-Vergangenheit seine politische Tätigkeit aufgeben“, so Leinemann in einem Brief. „Pelz‘ Kritik versuchte Petermann als Landrat sogar mit Beschwerde bei dessen Dienstherren, dem Kommodore des Alhorner LTG 62, Oberst Guth, zu unterbinden“. · dr

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