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Serienmörder Niels Högel schildert Schreckens-Tat: „Ich erinnere mich“

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Von: Fabian Raddatz

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Der wegen Mordes angeklagte Niels Högel sitzt im Gerichtssaal.
Högel wurde 2019 wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Am Dienstag sagte er gegen seine Ex-Chefs aus. (Archivbild) © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Ein Serien-Mörder als Zeuge: Niels Högel sagt vor Gericht über seine ehemaligen Vorgesetzten aus. Es geht um die Frage, wie viel sie von seinen Schreckenstaten wussten.

Dienstag, 8. März 2022, 21:00 Uhr: Der verurteilte Patientenmörder Niels Högel hat sich als Zeuge im Prozess gegen frühere Klinik-Vorgesetzte zu konkreten Taten geäußert. Dabei ging er auch auf seinen letzten Mordfall im Juni 2005 ein. Damals vergiftete er eine Frau und spritzte ihr auf der Intensivstation des Klinikums Delmenhorst das Herzmittel Sotalex.

„Der Zustand verschlechterte sich schnell“, sagte der 45-jährige Deutsche am Dienstag vor dem Landgericht Oldenburg. «Ich erinnere mich, dass relativ zeitnah und zügig der Tod festgestellt wurde.» Die Patientin war kurz zuvor mit schwerer Atemnot auf die Station gebracht worden. Es sei eine Notfallsituation gewesen, die er «perfiderweise» ausgenutzt habe.

Es war der dritte Verhandlungstag in Folge, bei dem Högel als einziger Zeuge geladen war, weitere dürften folgen. Bereits bei den vorherigen Malen wurde er von Richtern, Staatsanwaltschaft und Verteidigern stundenlang intensiv befragt.

Update Mittwoch, 2. März 2022, 13:30 Uhr: Oldenburg – Todespfleger Niels Högel hat sich am zweiten Tag seiner Anhörung zum Arbeitsklima in der Klinik Oldenburg geäußert. Auch dort hatte er zahlreiche Menschen getötet. „Ablehnung habe ich nie erlebt“, sagte Högel laut NDR vor Gericht. Die Arbeitsbeziehungen seien gut und freundlich gewesen.

Anfangs hätte er noch alles dafür getan, um nicht entdeckt zu werden, so Högel. Später jedoch nicht mehr. Högel hat mindestens 85 wehrlose Patienten umgebracht, indem er ihnen nicht verordnete Medikamente spritzte.

Serienmörder Niels Högel: Keine Ahnung, wie viele ich getötet habe

Update 12:00 Uhr: Der verurteilte Serienmörder und Ex-Krankenpfleger Niels Högel hat am Dienstag als Zeuge in einem Prozess gegen frühere Klinik-Vorgesetzte ausgesagt. Der 45-Jährige betrat unter Begleitung von Justizbeamten, aber ohne Handschellen einen für den Prozess abgetrennten Saal der Weser-Ems-Halle in Oldenburg. Der Vorsitzende Richter erinnerte ihn daran, dass er die Wahrheit sagen müsse.

Zunächst schilderte Högel seinen persönlichen und beruflichen Werdegang. Auch auf die Frage des Richters, wie viele Menschen er getötet habe, antwortete er. Er wisse, weshalb er verurteilt worden sei, so Högel. „Ich könnte aber niemals sagen, ob das die endgültige Zahl ist. Das kann ich wirklich nicht sagen.“ Högel wurde 2019 wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Patientenmörder Niels Högel soll gegen seine Ex-Chefs aussagen

Erstmeldung vom Dienstag, 1. März 2022. 8:40 Uhr: So etwas gab es noch nie: Sieben Angeklagten – darunter ein damaliger Klinik-Geschäftsführer, ein Arzt, eine Pflegedirektorin und einem Pflegedienstleiter – wird vorgeworfen, in unterschiedlichem Umfang Beihilfe zum Totschlag beziehungsweise versuchten Totschlag jeweils durch Unterlassen geleistet zu haben.

Es geht um die Frage, ob sie Niels Högel hätten stoppen können, der in mindestens 85 Fällen seine Patienten in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst totgespritzt hatte. Was wussten seine Vorgesetzten? Tragen sie eine Mitschuld, weil sie Hinweise auf die Verbrechen zwar wahrnahmen, aber nicht adäquat weitergaben? Das will ein Gericht in Oldenburg klären – und lädt dazu auch am heutigen Dienstag, 1. März 2022, Högel selbst in den Zeugenstand.

Niels Högels Ex-Chefs vor Gericht: Mit an „Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ verhindern können

Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Seine Ex-Chefs hätten sie Mordtaten Högels mit an „Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ verhindern können. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass sich auch Vorgesetzte von Patientenmördern für deren Taten verantworten müssen.

Zunächst sollten acht Vorgesetzte angeklagt werden, doch gegen eine weitere Person wurde das Verfahren aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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