„bau_werk“-Saison 2010 eröffnet / Sommer setzt Akzente

Pantel stellt die Gretchenfrage

Frank-Egon Pantel begrüßte zur Saisoneröffnung Wolfgang Sonne (r.).

Oldenburg - OLDENBURG (cs) · Bei Streifzügen durch historische Städte bleiben unsere Blicke häufig an kunstvoll gestalteten Fassaden hängen. Filigrane Figuren, Türme, die in den Himmel zu ragen scheinen und außergewöhnliche Fenster fesseln die Aufmerksamkeit. Ist das nun Architektur? Oder Kunst? Oder ist Architektur Kunst? Auch heute? Mit dieser Frage beschäftigt sich die aktuelle „bau_werk“-Saison, die am Mittwochabend in Oldenburg eröffnet wurde.

13 Vortragsveranstaltungen und vier Ausstellungen hat der Verein „bau_werk“ in seiner siebten Saison bis Ende September in Oldenburg geplant – in diesem Jahr unter dem Motto „Architektur und Kunst“. „Denn die Gretchenfrage ist: Ist Architektur selber Kunst oder eine Dienstleistung wie andere auch?“, erläuterte Stadtbaurat und Vereinsvorsitzender Dr. Frank-Egon Pantel. „Wir wollen ein Diskussionsthema schaffen.“ Die aktuelle Saison verstehe er als „Türöffner“ dazu.

Das Thema gehe jeden an, findet Pantel. „Architektur und Bau sind immer öffentlich – die auch andere betreffen.“ Es sei eben etwas Anderes, ob man ein Haus baue, oder sich für einen neuen Teppichboden in den vier Wänden entscheide. Auch heute noch gebe es städtebauliche Sünden. „Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, die geprägt ist von Effektivität und Funktionalismus“, bedauert der Vereinsvorsitzende. „Häuser werden oft nur als Immobilie aufgefasst, die eine Zeit lang genutzt und dann abgeschrieben werden.“ Mit der „bau_werk“-Saison solle der Gedanke transportiert werden, „dass wir darauf achten müssen, wie unsere Umgebung aussieht“. Dann wird vielleicht auch Pantels Hoffnung Wirklichkeit, dass sich Menschen in 200 Jahren von heute gebauten Gebäuden fesseln lassen. „Ich bin überzeugt, dass auch unsere Zeit Kulturleistungen hervor bringt, die Jahre andauern“, so der Stadtbaurat.

Stoßen die Programmpunkte der Saison auf ähnlich viel Interesse wie der Eröffnungsvortrag von Professor Dr. Wolfgang Sonne, dann wird der Verein sein Ziel erreichen: Das Thema Baukunst und Architektur in den Fokus zu setzen. Der Leiter des Instituts für Stadtbaukunst an der Technischen Universität Dortmund setzte Akzente. Größtenteils vor Fachpublikum erläuterte er, dass das größte Problem beim Bau von Gebäuden die Konsensfindung sei. „Früher war klar, was ‚schön‘ ist, heute sind die Meinungen sehr unterschiedlich.“ Heute gebe es zum einen Städtebau ohne Kunst – bei der Stadtplanung würden ästhetische Gesichtspunkte vollkommen ausgeklammert –, andererseits aber auch Kunst ohne Städtebau. Hingeworfen sähen Gebäude aus, die gar auf der Grundlage von „Spleens“ entstanden seien. Und diese fügten sich nicht ins Städtebild ein. Die Kunst der Architektur dürfe man nicht als bildende Kunst im Sinne individueller Formfindung eines „Künstlergenies“ begreifen, betonte Sommer. Ebensowenig sei die „Architektur nur eine Wissenschaft, bei der man darauf hofft, dass sich aus den externen Bedingungen die Form wie automatisch ergibt.“ Ergo: „Die einzelnen Aspekte müssen wir zusammen bringen im Hinblick auf ihr Gesamtergebnis“, forderte Sommer. Wie? Das erklären einfach und einleuchtend zehn Grundsätze, auf die sich Fachleute vor kurzem geeinigt haben. So sollten beispielsweise Stadtquartiere und keine Siedlungen geschaffen werden, Stadtstraßen als multifunktionale Räume statt Autoschneisen angelegt werden. Statt für Ketten und Gewerbegebiete plädieren die Fachleute außerdem für Einzelhandel und Kleingewerbe in Wohngebieten. Ein wichtiger Faktor sei auch, statt auf Eventarchitektur auf gebaute Ensembles zu setzen. „Wenn jeder den Willen hat, es ähnlich zu machen wie der Nachbar“, sei dem Stadtbild schon geholfen, meint Sommer. Große Zustimmung fanden seine Thesen bei dem Fachpublikum – und dieses forderte Stadtbaurat Pantel auf, sich die Grundsätze auch für die Stadt Oldenburg zu Herzen zu nehmen.

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