Petra Klein neue Leiterin des Weißen Rings in Oldenburg

„Opfer bleiben lebenslang Opfer“

Petra Klein

Oldenburg - OLDENBURG (cs) · Petra Klein ist seit heute offiziell die neue Leiterin der Außendienststelle Oldenburg des Weißen Rings, die auch für den Landkreis zuständig ist. Nachdem die pensionierte Kriminalbeamtin das Amt schon seit August kommissarisch inne hatte, ist eine Einarbeitungszeit nicht mehr nötig. „Für mich ändert sich nicht viel“, sagt die 54-Jährige. Ihr Ehrenamt bedeutet ihr viel. Im Beruf habe sie sich meist nur um die Täter gekümmert. „Jetzt kann ich mein Wissen an die Opfer bringen.“ Klein wünscht sich allerdings auch etwas: Mehr Unterstützung von Staat und Bevölkerung.

„Ich habe früher schon lange mit dem Weißen Ring zusammengearbeitet“, erzählt die 54-Jährige. Damals habe sie stets bedauert, dass der Kontakt zu den Opfern schnell abbrach, weil sie sich um die Täter bei Kriminalfällen kümmerte. Nun habe sie die Gelegenheit ergriffen, „dort anzuknüpfen, wo ich damals aufhören musste“. Ihren Beruf konnte sie wegen gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch einen Dienstunfall nicht weiter ausüben.

„Opfer bleiben lebenslang Opfer“, weiß Klein. „Pro Woche habe ich drei, wenn nicht sogar vier neue Fälle.“ Wenn Menschen an den Weißen Ring herantreten, dann hilft die Organisation auf vielfältige Weise. „Wichtig ist, dass man ihnen erst einmal zuhört.“ Auch materielle Hilfe gebe der Weiße Ring. „Wir schätzen ab, was passiert ist, ob jemand rechtliche oder psychotherapeutische Unterstützung braucht“, erläutert Klein. Dafür habe der Weiße Ring ein Netzwerk. Aber auch bei ganz profanen Dingen ist die Organisation zur Stelle. „Wenn beispielsweise vom Opfer einer Straftat die Kleidungsstücke als Beweismittel einbehalten werden, helfen wir. Manchmal wollen Menschen aber auch aus ihrer Wohnung raus, weil dort die Tat passiert ist.“

Ganz unterschiedliche Menschen betreut Petra Klein, zurzeit mit zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern. „Oft sind es auch Frauen, die Opfer von sexueller oder häuslicher Gewalt geworden sind“, weiß die Außenstellenleiterin. Die Betreuungszeit sei dabei sehr unterschiedlich. Manchen sei schon mit einem Anruf geholfen, andere Menschen würden bis zum Gerichtsverfahren begleitet – oder noch darüber hinaus.

Damit all diesen Opfern geholfen werden kann, sind Petra Klein und der Weiße Ring auf Unterstützung angewiesen. „Ich wünsche mir, dass wir ganz viele Menschen erreichen, die bereit sind, ehrenamtlich mitzuarbeiten oder zu spenden“, so die pensionierte Kriminalbeamtin. Fünf neue Helfer habe sie im vergangenen halben Jahr bereits gewonnen – doch die müssen erst einmal eingearbeitet werden, Kurse belegen. Und Klein fehlen Ehrenamtliche im Umkreis von Oldenburg. „Wir sind auch für den Landkreis zuständig  – dort haben wir überhaupt keine Mitarbeiter, nur eine Anwärterin“, bedauert die 54-Jährige.

Um helfen zu können, ist sie aber auch auf den Mut der Opfer angewiesen. „Sie müssen sich trauen, mit uns zusammenzuarbeiten.“ Daher sei es auch wichtig, dass verschiedene Stellen, bei denen die Opfer bekannt werden, auf den Weißen Ring zugehen. Menschen, die bereit seien, für den Weißen Ring Öffentlichkeitsarbeit zu machen oder Spenden zur akquirieren, würden ebenfalls gesucht.

Einen großen Wunsch hat Klein außerdem an den Staat: „Bei schweren Straftaten bekommen Opfer zwar schon einen Anwalt. Das ist aber ganz selten. Genauso wie jeder Täter sollte auch jedes Opfer einen Pflichtanwalt zur Seite gestellt bekommen.“ Auch bei der Opferentschädigung hofft die pensionierte Kriminalbeamtin auf unbürokratischere Hilfe. „Es ist ein schwieriger Weg, durch den Frauen, Männer und Kinder gehen müssen“, weiß Klein. Einem nicht spezifisch ausgebildeten Sachbearbeiter müssen sie „die ganzen traumatischen Erlebnisse schildern und sich rechtfertigen – viele trauen sich das nicht.“

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