Gegen Abriss: Oldenburger kämpfen für Erhalt ihrer mehr als 100 Jahre alten Bahnhofshalle

Oldenburger kämpfen für Erhalt der Bahnhofshalle

Niedersachens einzige Gleishalle gilt als Baudenkmal. Foto: I. Wagner/Archiv

Oldenburg - Die Bahn will die historische Gleishalle des Oldenburger Hauptbahnhofes abreißen und durch Bahnsteigdächer ersetzen. Denkmalschützer fordern den Erhalt des mehr als 100 Jahre alten Baus. Auch die Stadt hat sich eingeschaltet.

Denkmalschützer in Oldenburg kämpfen für den Erhalt der historischen Gleishalle des Oldenburger Hauptbahnhofes. Die Deutsche Bahn möchte die mehr als 100 Jahre alte im Jugend- und Heimatstil errichtete Halle aus Kostengründen abreißen und durch einzelne Bahnsteigdächer ersetzen. Dagegen protestiert der Landschaftsförderverband Oldenburgische Landschaft und fordert eine denkmalgerechte Sanierung.

Auch die Stadt Oldenburg möchte weitere Gespräche im Hinblick auf eine Restaurierung unterstützten. Die historische Form sei „sehr erhaltenswert“, betonte ein Stadtsprecher. Stadt, Bahn und Förderverband haben bereits über Alternativen diskutiert. Nun sollen die Kosten für eine Restaurierung von der Bahn noch einmal detailliert ermittelt werden. Aktuell beziffert sie diese auf rund 50 Millionen Euro, knapp fünfmal soviel wie für den Ersatz durch Bahnsteigdächer nötig würden. Das Unternehmen hatte bereits vor drei Jahren die marode Verglasung der Gleishalle entfernt, seitdem bietet sie keinen Wetterschutz mehr.

Neben dem Neubau von Bahnsteigdächern oder der Sanierung wird als dritte Variante ein Abriss mit anschließender Rekonstruktion der Halle geprüft. „Eine solche Replik würde etwa 18 bis 20 Millionen Euro kosten“, sagte ein Bahnsprecher. Fraglich sei, in welchem Zustand Ständer und Fundamente seien. Die endgültige Entscheidung über das Verfahren fällt das Eisenbahnbundesamt.

Eine weitere Initiative in Oldenburg hatte die Installation einer Photovoltaikanlage vorgeschlagen, um den Erhalt zu finanzieren. Das lehnte die Bahn mit Verweis auf die mangelnde Tragkraft des Baus aber ab, ebenso die Eindeckung mit durchsichtigen Kunststoffbahnen.

Laut Oldenburgischer Landschaft ist das historische Bauwerk einmalig in Niedersachsen. In Norddeutschland hätten nur Bremen, Hamburg Hauptbahnhof und Hamburg Dammtor noch ähnliche Bauwerke. „Wie jeder private Eigentümer denkmalgeschützter Bauten müsste auch die Bahn nachweisen, dass ein Erhalt finanziell unzumutbar wäre“, forderte Thomas Kossendey, Präsident der Oldenburgischen Landschaft. Als gelungenes Beispiel für eine denkmalgerechte Sanierung nannte er Lübeck, wo die Gleishalle mit alten Bauteilen wiederhergestellt worden sei. Den Ersatz durch „gesichtlose Bahnsteigdächer“ wolle man keinesfalls hinnehmen.

J dpa

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