„Besonders Junghunde waren beliebt“

Lisa Jansen vom Tierheim Oldenburg berichtet über Pandemie- und Vermittlungssorgen

Ein Hund auf einer Wiese.
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Etwa 15 Hunde warten zurzeit im Oldenburger Tierheim auf ein neues Zuhause.

Möchten wir einen Hund oder vielleicht doch lieber eine Katze? Viele Familien haben sich während der Pandemie diese Frage gestellt und sich ein Tier angeschafft. Aber nicht alle konnten es versorgen. Dementsprechend hatten die 15 festen Mitarbeiter und die vielen Ehrenamtlichen des Tierheims Oldenburg in den vergangenen Monaten alle Hände voll zu tun. Die Pandemiesituation hatte die Vermittlung der Tiere jedoch teilweise gestoppt und ausgebremst. Ein Szenario, was sich vielleicht wiederholen könnte.

Oldenburg/Landkreis – „15 Hunde, 90 Katzen und 70 Kleintiere beherbergen wir zurzeit ungefähr hier. Es ist sehr voll“, berichtet Lisa Jansen, stellvertretende Geschäftsführerin des Tierheims Oldenburg. Sie steht der aktuellen Coronaentwicklung skeptisch gegenüber, denn der erste Lockdown habe das Tierheim hart getroffen. Viele öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen seien ausgefallen. Es seien immer weniger Menschen gekommen, womit die Geld- und Futterspenden ausblieben. Zudem sei die Gesetzeslage sehr unübersichtlich gewesen und viele Mitarbeiter hätten in Kurzarbeit gemusst. So hätten sie einige Wochen gar keine Tiere vermitteln können. „Trotzdem kommen ja immer neue Tiere nach. Und wir können sie ja nicht einfach stapeln. Es war eine angespannte Situation“, so Jansen. Dann stieg die Nachfrage nach Tieren wieder. „Die Menschen hatten mehr Zeit. Besonders Junghunde waren beliebt.“

Haben alle Hände voll zu tun: Dominic Köppen, Geschäftsführer und Tierheimleiter, sowie Lisa Jansen, stellvertretende Geschäftsführerin.

Die meisten Hunde, die im Heim sind, seien aber private Abgaben, die unterschiedlich alt und unterschiedlich lange dort sind. „Manche Tiere bleiben nur ein paar Tage oder ein paar Wochen. Ein Paar sind aber auch schon mehr als ein Jahr hier“, erzählt Jansen. Dementsprechend könnten nur wenig Junghunde vermittelt werden: „Das klassische ,Coronahund’-Problem hatten wir nicht.“

Spezielles Vermittlungsverfahren

„Es ist auch nicht so einfach, wie sich das viele vorstellen, ein Tier mitzunehmen“, führt Jansen aus. Die Tierfreunde nutzen ein spezielles Auswahlverfahren. „Wir schauen uns die Menschen, die hier ins Heim kommen, ganz genau an.“ Es gebe immer ein intensives Vorgespräch, bei dem die Neutierhalter den Mitarbeitern erklären, weshalb sie den Hund oder die Katze wollen und wie ihre aktuelle Lebenssituation ist. Zudem wird das Tier erst einmal probeweise mit nach Hause genommen, um zu erkennen, ob sich beide Parteien mit der neuen Situation wohlfühlen, denn es werde insgesamt viel freie Zeit benötigt, um die neue Katze oder den neuen Hund an die unbekannte Umgebung zu gewöhnen.

90 Katzen beherbergt das Tierheim zurzeit.

Das Verfahren sei auch der Grund dafür, dass das Tierheim ebenfalls über Weihnachten vermittelt. „Wenn hier Leute reinkommen, die sagen, sie wollen nur Katzenkinder unter dem Weihnachtsbaum haben, dann gehen die mit leeren Händen nach Hause. Aber das passiert auch so gut wie nie. Wir haben in der Vergangenheit gute Erfahrungen über Weihnachten gesammelt.“ Gerade über die Feiertage werde viel Urlaub genommen und wenn die Menschen glaubhaft versichern könnten, warum und wie lange sie sich schon ein Tier wünschen und die Lebenssituation stimmt, sehe Jansen keinen Grund, nicht zu vermitteln.

Auch deshalb gibt es im Tierheim eine große Fluktuation. Trotzdem werden mehr und mehr Plätze im Heim angefragt. „Sie kommen aus den umliegenden Landkreisen, aber auch aus ganz Deutschland, aber wir haben nun mal wenig Platz.“ Deshalb gibt es auf der Internetseite die Möglichkeit für private Inserate. „Wir bieten unsere Homepage sozusagen als Plattform an. Da können die Menschen dann untereinander in Kontakt treten.“

22 Chihuahuas durch Beschlagnahmung erhalten

Trotz des Platzmangels, komplett „ausgebucht“ ist das Tierheim nicht. „Wir müssen immer etwas Platz freihalten, auch wenn uns das sehr schwerfällt, da wir am liebsten alle Tiere hier aufnehmen würden.“ Der Grund dafür sind Beschlagnahmungen der Polizei, die theoretisch eintreten können. „Dazu sind wir verpflichtet. Vor etwa zehn Jahren sind so 22 Chihuahuas zu uns gekommen.“

Um die vielen Tiere versorgen zu können, nehmen die Mitarbeiter Spenden an. „Während des Lockdowns kam uns die Idee eines Online-Shops, in dem man Kleidung, Tassen und Kalender kaufen kann. Das hat uns bisher durch die Pandemie geholfen“, erzählt Jansen.

Informationen

Weitere Informationen zum Tierheim und wie gespendet werden kann, finden Interessierte im Internet unter www.tierheim-ol.de.

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