Experten streiten über die Gestalt des Sterns von Bethlehem

Ein Stern, der keiner war?

Oldenburg - OLDENBURG (dn) · Ohne die festliche Stimmung zerstören zu wollen: Wenn man es genau nimmt, ist es gar nicht so sicher, dass wir heute zurecht Weihnachten feiern. Die Geschichtsschreibung war vor 2010 Jahren naturgemäß etwas schwammiger als heute; rein wissenschaftlich betrachtet ist eine genaue Zuordnung des Datums der Geburt Jesu kaum möglich – und selbst der offenkundigste und spektakulärste Hinweis scheint nicht mehr verlässlich zu sein, wenn man Wolfgang Weiß glauben kann.

Der Stern von Bethlehem, einer der wichtigsten Fixpunkte bei der Einordnung des Festes, sei als Anhaltspunkt nämlich längst nicht so präzise wie man vermuten mag. „Bei der Geburt Jesu hat leider niemand alles akribisch aufgezeichnet“, sagt der Oldenburger Theologieprofessor und meint, dass Datum und Form der Erscheinung bis heute unklar sind. In der Bibel berichtet nur der Evangelist Matthäus von dem sagenumwobenen Stern, der den drei weisen Männern aus dem Osten den Weg zum neu geborenen Jesuskind in der Krippe gezeigt haben soll. Dass es den Stern von Bethlehem als astronomisches Phänomen tatsächlich gegeben hat, daran lässt Weiß keinen Zweifel. „Die Menschen kannten den Sternenhimmel sehr gut“, betont Weiß: „Sie glaubten, dass Sterne ihr Leben beeinflussen können.“ Deshalb habe Matthäus den Stern von Bethelehem auch explizit genannt. „Er hat seine Leser an diese Himmelserscheinung, die im kollektiven Gedächtnis der Menschen seines Kulturkreises überliefert wurde, erinnert, damit sie die Geburt zeitlich einordnen können.“

Über die Gestalt des Sterns haben Wissenschaftler und Künstler allerdings immer wieder gerätselt. Auf vielen Gemälden und auf Krippen wird er als Komet dargestellt, das jedoch halten Astronomen und Physiker heute eher für ein Märchen. Denn: Der Komet galt von Alters her als Symbol des Unheils, was auch in der Bibel mehrfach vorkommt. Eine andere Möglichkeit wäre ein explodierter Stern, eine Supernova. Solch ein Explosionsblitz hätte den Nachthimmel taghell erleuchten müssen. Da allerdings winkt die Bremer Physikerin Sandra Vogel direkt ab. „Die Astronomen haben den Himmel vergeblich nach Spuren einer rund 2 000 Jahre alten Supernova abgesucht.“ Wahrscheinlicher ist die Version des Amerikaners Michael Molnar, der ein hell strahlendes Zusammenspiel von Jupiter und Saturn im Sternbild Widder vermutet. Beim Datum wird‘s aber kurios: Die Berechnung ergab als Tag des Phänomens den 17. April des Jahres 6 vor Christi Geburt. Wurde Jesus im Frühling geboren? Laut Weiß ist das genauso wahrscheinlich wie jedes andere Datum. „Erst 50 bis 60 Jahre nach dem Tod Jesu kamen einige Gelehrte auf die Idee, seine Geschichte aufzuschreiben“, erzählt er. Aussagen über Erscheinungsdatum und Aussehen des Sterns sind nach einer solchen Zeitspanne wohl eher vage. Und so dürfen Experten und Laien weiter diskutieren – die Wahrheit kennt wohl nur Matthäus selbst.

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