Oldenburg will Ganztagsgrundschulen

„Schulen als Lebens- und Lernorte“

Oldenburg - OLDENBURG (cs) · Oldenburg will familienfreundlicher werden – und das in Zeiten knapper Kasse auch ohne finanzielle Hilfe vom Land. Ein Konzept zum offenen Zugang zur Ganztagsgrundschule soll während der zweiten Oldenburger Bildungskonferenz am 12. August diskutiert werden.

Der Ruf nach einer Betreuung der Kinder auch nach Unterrichtsende wird immer lauter – deutschlandweit, und ebenso in Oldenburg. 960 Kinder besuchten derzeit Horte, die Nachfrage für zukünftige Plätze sei jedoch bereits auf 1 310 gestiegen, weiß Jugendamtsleiter Dr. Frank Lammerding. Und weil eine moderne Stadt davon ausgeht, dass sie ohne etwas für Eltern und ihre Kinder zu tun ausbluten würde, hat Oldenburg Initiative ergriffen. Seit Januar 2009 arbeitet sie mit dem Kompetenzzentrum Soziale Dienste der Universität Bielefeld am „Aufbau einer lokalen Bildungslandschaft“. Zum Projekt gehört auch Ganztagsbildung in Grundschulen.

Das erarbeitete Konzept ist im Grunde genommen einfach: Wie es vom Land für offene Ganztagsgrundschulen vorgeschrieben ist, können Eltern ihre Kinder an drei Tagen in der Woche zweieinhalb Stunden – von 13 bis 15.30 Uhr – kostenlos betreuen lassen. Das ist schon jetzt möglich und wird vom Land auch mitfinanziert. „Etwa 16 000 Euro bekommt eine Schule dafür pro Jahr“, so Lammerding. „Damit kann sie keine vernünftige Ganztagsbetreuung leisten.“

Deshalb will die Stadt weiter gehen und die Einrichtungen zusätzlich unterstützen, erklärt er: Stellt die Schule einen Antrag auf das Ganztagsangebot, gibt es Unterstützung, damit die Schulen an fünf Tagen in der Woche und auch länger als bis 15.30 Uhr die Betreuung anbieten können. Dafür wird dann ein Elternbeitrag – wie auch in einem Hort – fällig. Zudem soll es – außer einer vierwöchigen Sommerpause – auch in den Ferien einen Platz für die Kinder geben. Koordinatoren und Erzieher können von den Schulträgern dafür eingestellt werden, zudem soll es Mittel für AG‘s, Sport und Hausaufgabenbetreuung geben. „Wir haben einen immensen Bedarf“, sagt Lammerding. Schon jetzt besuchten 17 Prozent der Schüler einen Hort, der Bedarf liege bei mehr als 23 Prozent. 50 Prozent der jüngsten Oldenburger seien in einem Ganztagskindergarten. „Es ist davon auszugehen, dass sie auch in der Grundschule ganztags betreut werden sollen“, so der Jugendamtsleiter.

Finanzieren will Oldenburg das System einerseits mit den Mitteln vom Land, andererseits aus der eigenen Tasche. „Wir sind bereit, die Mittel des Landes aufzustocken – denn wir wollen unsere Schulen weiterentwickeln zu Lebens- und Lernorten“, so Lammerding. Die schon schwierige Haushaltslage soll dadurch aber nicht extrem zugespitzt werden. Geld, das jetzt beispielsweise noch in Horte fließt, könnte dann an die Grundschulen gehen. „Gibt es die offene Ganztagsgrundschule, läuft der Hort automatisch leer“ – und dann muss die Stadt den auch nicht mehr finanzieren. „Stellt die Schule keinen Antrag, bleibt dagegen der Hort bestehen.“

Das glaubt Lammerding aber nicht: Schließlich hat der Vorschlag „Ganztagsgrundschulen ausbauen“ im Bürgerhaushalt der Stadt, bei dem jeder Oldenburger aufgerufen war, zu sagen, wofür Geld ausgegeben werden sollte, die zweitmeisten Stimmen bekommen. Ausschüsse und Rat müssen noch grünes Licht geben. Bleibt abzuwarten, ob sie der Bürgermeinung folgen.

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