Greenpeace-Schiff klärt in Oldenburg über Gefahren des Materials im Meer auf

Plastik landet auch im menschlichen Magen

Lukas Flinspach zeigt Plastik, das Greenpeace aus deutschen Flüssen gefischt hat. - Foto: Eilers

Oldenburg - Ein Rotbarsch hängt im Laderaums des Greenpeace-Schiffs „Beluga II“ von der Decke. Eine Garnele, ein Mantarochen und ein Schwertfisch leisten ihm Gesellschaft. Natürlich handelt es sich nicht um echte Meeresbewohner, sondern um etwa einen halben Meter große Nachbauten, die die Künstlerin Antje Truelsen aus Plastik erschaffen hat.

Die Werke sind Bestandteil der Kampagne „Welle machen für den Schutz der Meere“, in deren Rahmen die „Beluga II“ gestern und am Sonntag in Oldenburg Halt machte.

Die Meeresbewohner-Skulpturen bestehen aus Waschmittelflaschen, Eimern, Schwimmwesten sowie Plastiktüten und -kanistern. Mit der Ausstellung will die Umweltschutzorganisation über die Gefahren aufklären, die von Plastik in den Weltmeeren und in anderen Gewässern ausgehen.

„Was glaubt ihr: Wie lange dauert es, bis sich diese Flasche im Meer zersetzt hat“, fragte Stefan Lauterwasser von Greenpeace die rund 15-köpfige Besuchergruppe, die er zuvor durch das Schiff geführt hatte. Er hielt eine kleine PET-Flasche in der Hand. „Einhundert Jahre“, schätzte einer der Besucher. „Nein, es sind 350 Jahre“, stellte Lauterwasser klar. Sogar 450 Jahre dauere die Zersetzung anderer Kunststoffbehälter. Als Beispiel dafür zeigte Lauterwasser eine weiße, dickwandige Shampoo-Flasche. Wenn sich das Material zersetzt hat, sei es nicht etwa verschwunden oder biologisch abgebaut, sondern habe sich in Mikroplastik verwandelt. Dieses könne über die Nahrungskette in Form von Speisefischen, Muscheln und Garnelen auch in den menschlichen Körper gelangen, so Lukas Flinspach.

Bis zu 13 Millionen Tonnen Kunststoff finden nach Greenpeace-Angaben jährlich über Flüsse, durch Wind, Abwässer, Sturmfluten oder Hochwasser den Weg ins Meer. Schätzungen zufolge haben sich dort bereits mindestens 150 Millionen Tonnen angesammelt.

Anhand von in Reagenzgläsern abgefülltem Plastik machten sich die Besucher am Anlieger am Oldenburger Stadthafen ein eigenes Bild davon, wie hoch das Aufkommen des Materials in deutschen Flüssen ist. In den Wochen zuvor hatten Besatzungsmitglieder auf ihrer Tour Wasserproben entnommen – unter anderem hatte das Schiff den Rhein, den Main und die Donau befahren – und diese von allen organischen Stoffen befreit. Übrig blieben nur Plastik und etwas Wasser. Seit Mitte März hat die „Beluga II“ insgesamt 15 deutsche Städte angefahren. Oldenburg war die letzte Station.

„Das Schiff ist das erste, das speziell für Greenpeace entworfen und gebaut wurde“, sagte Lauterwasser. Alle anderen Schiffe der Umweltschutz-Organisation seien gebraucht gekauft und umgebaut worden. Die „Beluga II“ im Rohzustand habe 1,4 Millionen Euro gekostet. - kei

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