„Nutella-Junkie“ erfindet Ersatzstoff

Goldenstedter kreiert mit „Löffelnuss“ Aufstriche für laktoseintolerante Naschkatzen

Jens Eschke steht vor einer Mahlmaschine, in der weiße Haselnusscreme produziert wird.
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Jens Eschke und seine neueste Kreation: Die weiße Haselnusscreme schmeckt nach weißer Schokolade.

Jens Eschke produziert Nuss-Nougat-Creme für laktoseintolerante Menschen. Seine neue Kreation ist ein voller Erfolg.

  • Das Sortiment von „Löffelnuss“ wird erweitert.
  • Neue Creme schmeckt nach weißer Schokolade.
  • Produkte werden jetzt auch Online vertrieben.

Goldenstedt – Aus einer persönlichen „Notlage“ heraus kam einem Goldenstedter eine Idee, die inzwischen bei vielen Menschen morgens auf dem Frühstückstisch steht. Jens Eschke ist laktoseintolerant und der Erfinder von „Löffelnuss“, einer laktose- und palmölfreien Nuss-Nougat-Creme, die er in seiner eigenen, kleinen Produktionshalle in Goldenstedt herstellt.

Fast täglich bedient er seine vier teuren Mahlmaschinen, die Haselnüsse, Kakao und einige andere Zutaten zu einer cremigen Masse werden lassen. Seit Kurzem produziert er eine neue, dritte Geschmacksrichtung: eine weiße Creme auf der Basis von Kakaobutter. Der Erfolg überrascht den 44-Jährigen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so eine Nachfrage nach einer weißen Creme gibt.“

Nutella-Fan mit Laktoseproblem

Seit seiner Jugend habe Eschke zuckrige Nougat-Creme geliebt. „Ich war regelrecht ein Junkie. Ich habe tonnenweise Nutella gegessen, auch wenn ich nicht so aussehe. Das gehörte für mich einfach zum Tag dazu.” Doch vor 16 Jahren entwickelte sich bei ihm die Laktoseunverträglichkeit. Schon bei einer geringen Menge reagierte der Goldenstedter extrem darauf. Schokolade als eine „Laktose-Bombe“ sei so nicht mehr drin gewesen, erklärt er.

Dann hat der 44-Jährige angefangen, sich nach Alternativen umzusehen. Schnell bemerkte er jedoch, dass es keine laktosefreien Nuss-Nougat-Cremes auf dem Markt gab. So fing er an, selbst zu experimentieren. 2017 habe er dann ein Rezept im Internet für einen Thermomix gefunden. „Das habe ich auch ausprobiert, aber schnell gemerkt, dass dies absolut gar nichts mit dem eigentlichen Originalgeschmack zu tun hatte. Das hat mir einfach keine Ruhe gelassen. Dann habe ich angefangen, mich schlau zu lesen.“ Und wenn er sich einmal in ein Thema verbissen habe, könne er nicht mehr davon lassen.

Das gesamte Sortiment in 130- und 260-Gramm-Gläsern.

Der lange Weg zur richtigen Verarbeitung

Als Außendienstmitarbeiter in einem Telekommunikationsunternehmen hatte er jedoch keinerlei Vorerfahrung in der Lebensmittelverarbeitung. „Die Mengen für die Rezeptur herauszufinden, war da noch das Leichteste. Die Methodik, wie die Creme eigentlich entsteht, das war das Hauptproblem.“ Nach einigen Versuchen fand er heraus, dass es auf den richtigen Mahlgrad der Zutaten ankomme. Die Cremes müssten derart fein zermahlen werden, dass die menschliche Zunge das Erzeugnis nicht mehr als sandig empfindet. „Die Großhersteller machen das mit tonnenschweren Mahlwerken. Deshalb kann man das nicht einfach so zu Hause nachmachen.“ Jedoch entdeckte Eschke eine kleine Maschine aus Indien, die normalerweise dafür benutzt werde, Gewürzpasten herzustellen. Mit dieser habe er dann die richtige Methodik entwickelt und die Zutaten für den besten Geschmack herausgefunden.

Zuerst wären die Cremes nur für den Eigenbedarf gedacht gewesen, so Eschke. Als er sie dann allerdings als Geschenke für Freunde auf Partys mitgebracht hatte, rieten sie ihm, „daraus doch etwas zu machen“ und sie zum Verkauf anzubieten. In dieser Zeit sei ihm auch schon die Idee für den Namen gekommen. „Die ersten Testgläser haben den Weg nicht auf das Brot gefunden. Meine Bekannten haben die Creme einfach aus dem Glas gelöffelt. So bin ich auf den Namen Löffelnuss gekommen.“ Am Anfang habe er die Cremes in einzelnen kleinen Hofläden vertrieben. Das allein sei eine Herausforderung gewesen. „Da hatte ich schon immer Angst, wenn das Telefon klingelt, dass jemand nachbestellen möchte. Ich konnte nicht so viel produzieren.“ Etwas Größeres musste her, die Nachfrage stieg mit der Zeit. Er verkaufe zwar ein „Nieschenprodukt“, aber „etwa 20 Prozent der Deutschen haben Probleme mit Laktose“, verrät der Goldenstedter.

Vom Erfolg selbst überrascht

Neuerdings vertreibt Eschke die Cremes auch in einem Rewe-Markt, einem Famila und über eine eigene Internetseite auch online. Dafür stehen ihm vier Maschinen mit einem Wert von 100  000 Euro in seiner neu gebauten, etwa 60 Quadratmeter großen Produktionsstätte neben seinem Wohnhaus zur Verfügung. So könne er nun 250 Kilogramm Creme pro Woche produzieren. „Dass das einmal so groß wird, hätte ich auch nicht gedacht. Nun stößt meine Freizeit auch schon fast an ihre Grenzen“, erklärt er. Seit Kurzem hat er eine 450-Euro-Kraft eingestellt, die ihm bei Stoßzeiten helfe. Seine Frau Susan kümmert sich um den Online-Vertrieb und teilweise auch um den Instagram-Account.

Die Mahlmaschinen kosten etwa 25 000 Euro pro Stück.

Wie es in der Zukunft weitergehe, wisse Eschke noch nicht. „Ich bin mir nicht sicher, ob der Großhandel der richtige Weg für Löffelnuss ist. Es gibt so viele Cremes im Supermarktregal. Will ich da zwischen stehen? Geht man da nicht unter?“ An Ideen mangelt es ihm jedoch nicht. „Ich habe auf jeden Fall noch ein paar Rezepte, die ich ausprobieren möchte.“

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