Verein in Oldenburg stellt in Beziehungskrisen Wohnraum zur Verfügung

Männer als Opfer häuslicher Gewalt

Die Vorstandsmitglieder der Männer-Wohn-Hilfe Volker Barth, Jörn Struck, Wolfgang Rosenthal, Michael Djuren und Stefan Lüsse (v.l.).
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Der Verein Männer-Wohn-Hilfe mit den Vorstandsmitgliedern Volker Barth, Jörn Struck, Wolfgang Rosenthal, Michael Djuren und Stefan Lüsse bietet Männern in Beziehungskrisen Wohnraum auf Zeit (v.l.).

Oldenburg/Landkreis – „Wenn Männer zu uns kommen, haben sie ein massives Problem. Einige sind wütend, andere traurig oder zerknirscht, manche wiederum hoffnungsvoll“, sagt Wolfgang Rosenthal von der Männer-Wohn-Hilfe. Der Verein betreibt seit 2002 eine Wohnung in Oldenburg, in der Männer für bis zu drei Monate leben können, wenn ein Streit in der Beziehung eskaliert.

„Ein Mann hat uns geschildert, dass er in seiner Wohnung alle Messer eingesammelt hat“, sagt Rosenthal. Aus Angst davor, seine Partnerin könne ihn damit verletzen. „Ein anderer Mann sagte, dass seine Partnerin gedroht habe, ihn zu überfahren.“ Rosenthal ist 63, hat Sozialpädagogik in Bremen und Düsseldorf studiert und arbeitet in einem Jugendamt. In einem anderen Fall habe der Liebhaber der Frau den Mann verprügelt. Extrembeispiele. Dabei müssen Männer, die sich an die Männer-Wohn-Hilfe wenden, nicht unbedingt Gewalt erfahren haben. „Grundsätzlich kann jeder unsere Hilfe in Anspruch nehmen, der sagt: ‚Ich halte es in meiner Partnerschaft nicht mehr aus!‘“. Weitere Aufnahmekriterien sind ein Wohnsitz in Oldenburg oder Umgebung, also auch im Landkreis Oldenburg, und ein Mindestalter von 25 Jahren.

Komplett eingerichtete Wohnung

„Bisher haben wir mehr als 100 Männer in unserer Wohnung aufgenommen“, sagt Rosenthal. Sie liegt im Stadtteil Alexandersfeld, im Oldenburger Stadtnorden. Normalerweise leben zwei Männer gleichzeitig in der Wohnung – oder ein Vater mit Kindern. Es gibt ein Wohnzimmer, zwei Schlafräume, eine Küche, ein Bad, Das Apartment ist möbliert und voll ausgestattet: mit Internet, Telefon und einer Waschmaschine. Der Rückzugsort für Männer ist fast immer belegt: „Einen nennenswerten Leerstand gab es bis auf das Ausnahmejahr 2020 mit Corona jedenfalls nicht“, sagt der 63-Jährige.

Wenn ein Partnerschaftsstreit eskaliert, dann sind es meist die Männer, die gehen müssen: „Es ist sinnvoll, den Mann wegzuweisen“, sagt Rosenthal – insbesondere bei Patchworkfamilien, wenn Kinder der Frau aus einer vorigen Beziehung im gemeinsamen Haushalt lebten. „Meist hat der Mann auch Freunde oder Bekannte, bei denen er kurzfristig wohnen kann.“ Das sei aber auf Dauer keine Lösung: Wenn ein Streit in der Partnerschaft eskaliert, dann „bringt es nichts, für zwei Wochen zu einem Freund zu ziehen. Das löst nichts“, sagt Rosenthal. „Ein Mann kann sich auf Dauer auch kein Hotelbett leisten, weil er gleichzeitig für seine Familie sorgen muss. Das ist sein eigener Anspruch“, ergänzt der 63-Jährige. In der Wohnung des Vereins könnten sich Männer in Beziehungskrisen zurückziehen, „um Abstand zu gewinnen und ihr Leben zu reorganisieren“. Wenn es in der Partnerschaft „knallt“, dann prallten meist die Karriere des Mannes und die der Frau aufeinander; oft haben beide einen Hochschulabschluss. „Die Kleinfamilie in der Mittelschicht ist oft überfordert. Streit entsteht zum Beispiel bei der Organisation der Kinderfreizeit mit Fußball, Musikschule und Nachhilfe“, so der Sozialpädagoge.

Männer definieren Gewalt gegen sich anders

Rosenthal wehrt sich gegen das Klischee, dass Männer sich nur dann an die Wohn-Hilfe wenden, wenn ihre Partnerin ihnen gegenüber gewalttätig geworden ist. Überhaupt sei es eine Frage, wie Männer Gewalt definierten. „Wenn eine Frau ihren Partner schubst, ihn ohrfeigt oder einen Teller gegen die Wand schmeißt“, dann nähmen viele das meist einfach hin. „So etwas definieren viele Männer nicht als Gewalt.“ Auch die Gesellschaft erwarte, dass Männer ein gewisses Maß an Gewalt aushalten müssen. Ob die Frau übergriffig geworden ist – danach frage die Wohn-Hilfe nicht. Manchmal renkt sich später alles wieder ein. „Am Ende kehren 20 bis 30 Prozent der Männer zu ihrer Partnerin zurück.“ Der Verein ist unter der Telefonnummer 0162/ 8783013 oder per E-Mail an kontakt@maennerwohnhilfe.de zu erreichen. 

von Klaus Eilers

Hilfe im Landkreis Oldenburg

Im Kreisgebiet selbst gibt es zwar kein eigenes Wohnprojekt. Doch bietet der Landkreis Oldenburg – auch in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen – ebenfalls Beratungen für Männer an, die selbst häusliche Gewalt erleben:

Das Oldenburger Interventionsprojekt „Olip“, Tel. 0441/27293, www.konfliktschlichtung.de

Die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt („Biss“), Tel. 04431/7380810, E-Mail: biss@oldenburg-kreis.de.

Die Paar- und Trennungsberatung des „Aufwind“-Frauen- und Mädchentelefons, Telefon 04431/7380820.

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