Ratsherr Broel verlässt die CDU: War ein Münzwurf Auslöser für politische Verschiebungen?

Kopf oder Zahl?

Im Alten Rathaus in Oldenburg rumort es hinter den Türen.

Oldenburg - OLDENBURG (dn) · War es am Ende eine Münze, die für Alexander Broel den Ausschlag gab? War es das Pech im Spiel, das den Oldenburger Ratsherrn zum Bruch mit seiner politischen „Liebe“ CDU bewegte? Broel selbst verliert dazu kein Wort, doch es scheint zumindest möglich, dass die falsche Antwort auf die Frage „Kopf oder Zahl?“ dazu geführt hat, dass der 43-Jährige dem Lager der Christdemokraten den Rücken kehrt und damit für signifikante Verschiebungen in der Oldenburger Politik sorgt.

Broel jedenfalls, der erst vor 15 Monaten als Nachrücker in den Stadtrat eingezogen ist, hat die Seiten gewechselt und verstärkt nun die Fraktion der Grünen, was diese nicht nur nach Sitzen (nun zwölf) mit der CDU gleichziehen lässt, sondern auch in den Ausschüssen Folgen hat. In den Elfer-Gremien bekommen die Grünen einen dritten Sitz – kurioserweise von der SPD, dem Hare-Niemeyer-Verfahren sei Dank. „Das freut uns natürlich“, sagt Fraktionsvorsitzender Kurt Bernhardt, während die Stimmung bei der CDU verständlicherweise etwas gedrückter ist. „Das Ganze ist schon etwas komisch“, meinte Pressesprecher Philipp Herrnberger, „aber jetzt haben wir eben eine Stimme weniger.“ Über Broels Gründe, bekannte auch Herrnberger, könne man trefflich spekulieren. Vor knapp drei Wochen verlor Broel beim Kreisparteitag eine Kampfabstimmung um den wichtigen Listenplatz zwei für die Kommunalwahl 2011 im Bereich Eversten gegen Petra Averbeck. Das heißt, die Abstimmung verlor er nicht: Nach zwei Wahlgängen waren beide immer noch gleichauf. „Daraufhin haben wir eine Münze geworfen“, erinnert sich Herrnberger, „und Petra hat nun einmal gewonnen.“

Allerdings gab Broel andere Gründe für seinen Austritt an. „Die CDU hat vor einigen Jahren eine falsche Richtung eingeschlagen, die leider unbeirrt fortgesetzt wird“, so der 43-Jährige. Er sei in dem Versuch, die Arbeit der Partei voranzubringen immer wieder auf Widerstand gestoßen.

Das gilt offenbar nicht nur für ihn: Auch Helge Heiner und Sascha Fankhänel aus den jeweiligen Stadtbezirksvorständen sowie vier weitere Mitglieder gaben ihr Parteibuch ab. Neben der fehlenden Vision der Partei und der Vernachlässigung der Wählerklientel kommt auch immer wieder die Kritik an der Personalpolitik hoch. Ein personeller Umbruch sei ausgeblieben, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung: „Das Vertrauensverhältnis ist durch ,Vetternwirtschaft‘ und Vorenthalten wichtiger Informationen nachhaltig untergraben.“ Außerdem gebe es keinen ehrliche Umgang miteinander, und die Kompetenzen der Mitglieder würden nicht erkannt. Die Theorie, dass sich Broel und einige andere, auch bei der Listenaufstellung, nicht angemessen gewürdigt und damit in ihrer Eitelkeit gekränkt wähnen, scheint da nicht allzu weit hergeholt.

Ob er sich im Rat behaupten kann, ist derzeit völlig offen. Grünen-Fraktionschef Bernhardt bestätigte, dass Broel „noch nicht eingetreten ist, was ich auch erst einmal richtig finde“, sagte aber auch: „Er kann für die Kommunalwahl natürlich ein Kandidat sein. Aber dazu müssen wir erst sehen, wie wir zusammen arbeiten.“

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