Wie Stefanie Schmid sich zur WM „kickerte“

Der Kneipe entwachsen

Oldenburg - Von Daniel NiebuhrOLDENBURG · Irgendwann im Jahr 2008 ist Stefanie Schmid ihrem Schicksal begegnet. Es traf sie in einer Kneipe in der Münchner Ludwigsvorstadt – in Form eines angetrunkenen älteren Herrn. „Wir standen im ,Flex‘ am Kickertisch“, erinnert sie sich, „und haben vor uns hin gespielt, als er zu uns stieß.“ Von da an krachte es nur noch – in Schmids Tor. Und es war um sie geschehen.

„Ich habe nur gefragt ,wie machst du das?‘“, erzählt die Wahl-Oldenburgerin. Der ältere Herr erbarmte sich und zeigte es ihr – der klassische Beginn einer Tischfußball-Karriere. „Das ist ein Mythos, der stimmt“, meint Stefanie Schmid. Meistens gehe es in verrauchten Kneipen los mit dem Kickern, und meistens „ist Alkohol beteiligt“.

Inzwischen ist Stefanie Schmid den Kneipen entwachsen. Die großen Turniere sind jetzt ihr sportliches Zuhause. Das größte steht ihr in einer Woche bevor: Die 21-Jährige reist am 4. Januar ins französische Nantes zur Tischfußball-Weltmeisterschaft und misst sich bis darauf folgenden Sonntag mit den besten Damen einer Randsportart, in deren Reihe sie nicht wirklich passt. „Ich habe von Männern gelernt“, sagt sie über sich selbst, „und so spiele ich auch; etwas anders als die anderen.“ Vielleicht ist auch das das Geheimnis ihres Aufstiegs, den seit jenem Abend in der Ludwigsvorstadt niemand aufhalten konnte. „Außer ich selbst vielleicht“, schmunzelt sie und meint ihren Umzug aus dem Bayrischen ins Oldenburger Land 2009. Bis dahin hatte sie in Bayern alles gewonnen, was sich innerhalb eines Jahres gewinnen ließ, Turniere bis hoch zur Landesmeisterschaft: „Das ging alles ziemlich schnell.“

Der Ortswechsel und ihr Job im Jaderberger Zoo verpassten ihrer Karriere den ersten und einzigen Bruch. Und der dauerte auch nicht lang. „Dieses Jahr bin ich dann beim KC Olympic Oldenburg eingestiegen“; und alles war, als wäre sie nie weggewesen. Mit dem Verein musste sie sich in der Premierensaison der Bundesliga zwar mit Platz zwei „begnügen“. Ein sensationeller Erfolg für die Angreiferin, der ihr bei der Deutschen Meisterschaft in Medebach vor drei Wochen dann allerdings nicht mehr reichte: Im Doppel räumte sie an der Seite ihrer Partnerin, Viviane Widjaja aus Braunschweig, den Titel ab, setzte sich dann auch im Einzel die nationale Krone auf; und überraschte sogar sich selbst. „Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte“, gesteht sie: „Das war wohl Zufall.“

Das mit dem Titel verbundene WM-Ticket hat sie dafür gern genommen und macht aus ihrem Stolz keinen Hehl. „Das ist eine Riesen-Ehre für mich. Wahrscheinlich kann ich in Nantes mehr lernen als auf zehn Turnieren in Deutschland.“ Und das von beiden Geschlechtern. „Die Männer sind uns in vielen Belangen voraus“, urteilt sie, „was nicht heißt, dass ich nicht schon viele starke Spieler geschlagen habe.“ Ob ihr das jemals gegen den älteren Herren aus dem „Flex“ gelang, ist nicht überliefert. Sollte sie ihn noch einmal in der Kneipe treffen, wird er seine Lektion von damals wahrscheinlich bereuen.

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