Oldenburger Landesmuseum widmet sich ausführlich dem Mythos „Lawrence von Arabien“

Held oder Kriegstreiber?

Geschichte einmal anders präsentiert die Sonderausstellung im Oldenburger Landesmuseum.

Oldenburg - OLDENBURG (dn) · Für Professor Dr. Mamoun Fansa ist es die Abschiedsvorstellung. Der leitende Direktor des Landesmuseums Natur und Mensch in Oldenburg scheidet im August aus dem Amt; doch für seine letzte Ausstellung hat sich der gebürtige Syrer ein ganz besonderes Projekt ausgesucht, und eines, zu dem er sehr persönlichen Bezug hat: die Sonderausstellung „Lawrence von Arabien, Genese eines Mythos‘“, die seit Ende November läuft und im neuen Jahr richtig Fahrt aufnimmt.

Mit über 550 Exponaten aus aller Welt analysiert das Landesmuseum das Wirken und die Person einer der umstrittensten Figuren des 20. Jahrhunderts, deren Einfluss die Politik bis heute mitbestimmt. „Die künstliche Teilung von außen, an der Lawrence maßgeblichen Anteil hatte, brachte viele Probleme mit sich, die immer noch deutlich spürbar sind“, sagt Fansa, der selbst 1967 aus Syrien nach Deutschland floh, um nicht am Krieg gegen Israel teilnehmen zu müssen. „Viele Konflikte“, sagt er, „gehen auf die Politik zurück, die zu Lawrences Zeit betrieben wurde.“

Bei der hatte der unter dem Namen Thomas Edward Lawrence 1888 im walisischen Tramadoc geborene Archäologe, Geheimagent und Schriftsteller an vielen Stellen seine Finger im Spiel. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs stand Lawrence als ausgewiesener Arabien-Kenner in Diensten des britischen Geheimdienstes in Kairo und wurde später ins Osmanische Reich geschickt, zu dem unter anderem die heutigen Gebiete Israels und Palästinas gehörten und das mit dem Deutschen Reich paktierte. Lawrence war durch clevere Politik mit verantwortlich für den Aufstand der Araber gegen die Osmanen. Schon zu Lebzeiten machte ihn die britische Geschichtsschreibung zur Legende, 1926 veröffentlichte er seine autobiographische Erzählung „Die sieben Säulen der Weisheit“. Lawrence von Arabien gehört zu den medial am geschicktesten verarbeiteten Persönlichkeiten des Ersten Weltkriegs. Dennoch stellen moderne Historiker immer öfter kritische Fragen nach seiner Verantwortung als Kriegstreiber im Orient.

Um dem Menschen hinter dem Mythos auf die Spur zu kommen, präsentiert das Landesmuseum auch Vorträge und Lesungen zum Thema: Am 11. Januar referiert Stefan Hauser von der Universität Koblenz, der den Auftakt einer Vortragsserie bildet. Die Ausstellung ist noch bis zum 27. März in Oldenburg zu sehen.

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