Gesellenbrief und Hochschulzugang sollen gleichzeitig erworben werden können

Handwerker wollen „Berufsabitur“ anbieten

Die Handwerkskammer Oldenburg mit Hauptgeschäftsführer Heiko Henke (links) und Präsident Manfred Kurmann (rechts) hatte den Präsidenten der Oldenburgischen Landschaft, Thomas Kossendey, zu Gast. - Foto: Handwerkskammer

Oldenburg - Die Handwerkskammer Oldenburg wird die bundesweiten Pläne für ein mögliches „Berufsabitur“ regional unterstützen. „Damit könnten wir zusätzliche leistungsstarke Jugendliche ins Handwerk holen. Die Idee hat das Potenzial, eine bundesweite Bildungsmarke zu werden. Es sendet ein Signal an Schüler, Lehrer und Eltern, dass da etwas sehr Interessantes angeboten wird“, sagte Kammerpräsident Manfred Kurmann während der Vollversammlung am Mittwoch in Oldenburg. Ziel sei es, gleichzeitig den Gesellenbrief und den Hochschulzugang in der Tasche zu haben, heißt es in einer Mitteilung der Kammer.

Kurmann erläuterte den Stand der Dinge: „Der Zentralverband des deutschen Handwerks hat das Modell der Kultusministerkonferenz vorgestellt. Die Idee soll anhand von Pilotprojekten konkretere Gestalt annehmen. Das niedersächsische Kultusministerium realisiert eines von bundesweit sechs Pilotprojekten.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Berufsschule aus dem Kammerbezirk dabei ist, sei hoch, ergänzte der Präsident.

Fachkräftenachwuchs ist ein großes Thema für das Handwerk. „Die Auftragsbücher der Betriebe sind gut gefüllt. Sie würden die Aufträge gerne mit mehr Mitarbeitern zeitnah erledigen“, sagte Kurmann. „Die Konjunkturumfrage hat im Herbst ergeben, dass der Geschäftsklimaindex zum zweiten Mal in Folge gestiegen ist und mit 65 Punkten ein hohes Niveau erreicht hat.“ Der Präsident stellte vor allem das Bau- und Ausbaugewerbe heraus. „Diese Branchen hatten einen ‚goldenen Herbst‘. Der Index kletterte in diesem Bereich auf 71 Punkte.“

Die aktuellen Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung sprach Kurmann ebenfalls an. So werden beispielsweise Betriebe geschult, um die Qualität in der Ausbildung zu erhöhen und somit als attraktiver Arbeitgeber in Erscheinung zu treten. An der Integration von Flüchtlingen beteiligten sich erfreulich viele Betriebe. Zusammen mit der Universität Oldenburg und weiteren Partnern wurde eine Kooperation auf den Weg gebracht, damit Studienabbrecher von den Möglichkeiten erfahren, wie sie einen guten Umstieg ins Handwerk schaffen können.

Die Imagekampagne des Handwerks soll sich künftig noch stärker an Jugendliche richten. Mit neuer Ansprache und einem veränderten Design sollen Schüler eingeladen werden, Praktika zu machen. „Jede Erfahrung zahlt sich aus. Und aus jeder Erfahrung kann gelernt werden“, sagte Kurmann. An die Betriebe richtete er die Bitte, noch mehr Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen – auch für Gymnasiasten. Denn dass die Berufsorientierung an Gymnasien intensiviert wird, das müsse von den Betrieben aktiv unterstützt werden.

In seinem Gastreferat hob Thomas Kossendey, Präsident der Oldenburgischen Landschaft, die Gemeinsamkeiten mit der Handwerkskammer hervor. „Das Bild des Oldenburger Landes wurde in der Vergangenheit nicht unwesentlich von Handwerkern geprägt.“ Auch für die Zukunft sieht er gemeinsame Herausforderungen. Er sprach den demografischen Wandel und die Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen, an. Letzteres könne nicht hoch genug eingestuft werden: „Vor allem das Prüfungswesen könnte ohne das Ehrenamt nicht erfolgreich gestaltet werden“, sagte der Landschaftspräsident während der Versammlung.

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