Gelbe Schleifen für deutsche Soldaten

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Kleine Schleife, große Wirkung: Der kleine Anstecker symbolisiert die Solidarität mit den Soldaten.

Oldenburg - Im US-Bürgerkrieg hängten die Frauen gelbe Bänder für die Soldaten in die Bäume. In Deutschland trägt man Schleife. Der kleine Anstecker symbolisiert die Solidarität mit den Soldaten. Denn davon gibt es nach Ansicht der Organisatorin Monica Melloh bei uns viel zu wenig.

Seit dem blutigen Karfreitag fährt Monica Melloh mehrmals täglich zur Post. Dort gibt sie Pakete auf, die an Adressaten in ganz Deutschland gehen. Der Inhalt ist immer der Gleiche: eine gelbe Schleife. Sie soll die Solidarität mit den deutschen Soldaten symbolisieren.

Seitdem Anfang April drei Fallschirmjäger und nicht einmal zwei Wochen später vier weitere Bundeswehrangehörige in Afghanistan starben, kann sich Melloh vor Anfragen nicht mehr retten. „Bis vor kurzem habe ich mich um den Versand ausschließlich selbst gekümmert“, erzählt die 58-Jährige, die die gelbe Schleife 2007 ins Leben gerufen hatte. Tagsüber führt die gelernte Krankenschwester ein Geschäft für Bundeswehrbedarf in Oldenburg, abends tütet sie die Schleifen ein.

Doch mittlerweile ist so viel zu tun, dass Familie und Freunde ihr dabei helfen müssen. „Die Bestellungen gehen in die Tausende.“ Und sie kommen nicht mehr nur aus Deutschland. Auch aus ganz Europa, den USA und Kanada sind welche dabei. „Die weiteste kam aus Peking“, sagt Melloh stolz. Denn der Erfolg beweist ihrer Ansicht nach vor allem eins:Dass die Unterstützung für die deutschen Soldaten in der Gesellschaft zunimmt. „Vor einigen Monaten war das noch nicht denkbar.“

Fast ihr ganzes Leben lang hatte sich Melloh darüber gewundert, dass Soldaten in Deutschland so wenig Achtung erfahren. Als sie zehn Jahre alt war, kam ihr Vater mit schweren Kriegsverletzungen aus Russland zurück. „Damals hat da niemand Notiz von genommen. Sein Leid war den Leuten gleichgültig.“ Viele Jahre später verpflichtete sich ihr Sohn bei der Bundeswehr. Bei der Vereidigung sprach der Kommandant von dem Rückhalt in der Gesellschaft. „Da bin ich nach Hause gefahren und habe gedacht, wo ist er denn der Rückhalt?“, erinnert sich Melloh.

Allmählich entstand eine Idee in ihrem Kopf. Eines Tages hörte sie dann das Lied „Tie a yellow ribbon round the ole oak tree“, in dem Tony Orlando von gelben Bändern singt, die Frauen während des US-Bürgerkriegs für die Soldaten um Bäume binden. Was auch heute noch Tradition dort hat. Kurz darauf meldete Melloh ihre gelbe Schleife beim Patentamt an - denn in Deutschland gab es so etwas bislang nicht.

Knapp drei Euro kostet der fünf Zentimeter große Anstecker, auf dem in schwarzer Schrift das Wort „Solidarität“ prangt. Auch Autoaufkleber, T-Shirts in verschiedenen Farben, Schlüsselanhänger und Armbänder gehören zum Sortiment. 20 Prozent des Erlöses überweist Melloh an das von deutschen Soldaten und Polizisten gegründete Projekt „Lachen helfen“, das sich um Kinder in Krisengebieten kümmert. Der Rest des Geldes geht an das Finanzamt und an die Hersteller.

Hauptsächlich Angehörige von Soldaten bestellen die gelben Solidaritäts-Bekundungen. Unter den Kunden sind aber auch zunehmend Außenstehende, wie Melloh erläutert. „Viele sagen mir, dass sie zwar nicht für den Afghanistan-Einsatz sind, aber die Soldaten unterstützen wollen.“

Seit einiger Zeit ist die gelbe Schleife auch im sozialen Netzwerk Facebook vertreten. Viele, die auf der Internetseite von ihren Erfahrungen schreiben, sorgen sich um Freunde oder Verwandte, die zurzeit am Hindukusch im Einsatz sind. „Demokratie verlangt Opfer“, meint einer. „Das mindeste was man tun kann, ist moralisch unterstützen.“ Mit einer gelben Schleife.

Von Irena Güttel, dpa

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