Rechenschieber schlägt Sport: Die Leistungsschwimmer müssen aus dem Olantis weichen

Die gefallene Hochburg

Sperrgebiet für Leistungssportler? Das Olantis-Huntebad bleibt am 12. Februar den Gästen vorbehalten.

Oldenburg - Von Daniel NiebuhrOLDENBURG · Als erstes fallen Tjark Schroeder die Worte von Winston Churchill ein. „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, spottet der Vorsitzende des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) über die Stadt Oldenburg: „Für mich ist das, was die Politik hier macht, eine Farce.“

Ganz neutral betrachtet ist die Absage des Zweitliga-Schwimmwettkampfs im Oldenburger Olantis-Huntebad, die Schroeders Gemüt erhitzt, freilich nichts anderes als der Sieg des Rechenschiebers über den Sport. Die Veranstaltung, die der Polizeisportverein (PSV) Oldenburg seit zwölf Jahren ausrichtet und die eigentlich für den 12. Februar geplant war, wurde von der Bäderbetriebsgesellschaft und der Stadt kurzerhand abgeblasen – mit einer geradezu über-rationalen Begründung. Rein statistisch gesehen, um wieder zu Churchill zu kommen, sollten an diesem Tag nämlich „so viele Besucher ins Bad kommen wie an kaum einem anderen Termin“, sagt Stadt-Pressesprecher Andreas van Hoven. Ergo: Die Leistungsschwimmer müssen zugunsten der Tageseinnahmen weichen. Zu viel Logik für Tjark Schroeder. „So kann man den Sport auch torpedieren“, meint das PSV-Mitglied und stellt der Stadt ein düsteres Urteil aus: „Oldenburg war mal eine Hochburg für Sport allgemein und speziell für Schwimmen; das ist endgültig vorbei.“

Das befürchtet auch Rita Schilling, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat. „Es mutet befremdlich an, dass es Oldenburg nicht möglich ist, diesen Schwimmwettkampf durchzuführen“, schimpft die Ratsfrau und nennt die Verhinderung der Veranstaltung „ein Armutszeugnis für eine Stadt, die sich selbst als Sportstadt bezeichnet.“ Und so kommen statt der Athleten nur die politischen Entscheidungsträger mit ihrer Rechtfertigung ins Schwimmen: Es sei wirklich bedauerlich, das der Wettkampf ins Wasser fällt, meint der Sportausschussvorsitzende Rolf F. Müller von der CDU, aber andererseits müsse man verstehen, dass das Olantis auf die Einnahmen nicht verzichten könne. Schließlich sei das Bad ja auch von Anfang an nicht als Wettkampfstätte geplant worden. Schroeders Konsequenz daraus: „Wenn man den Leistungssport also nicht haben will, hat er hier auch keine Zukunft.“

Das größte Problem hat nun übrigens nicht der PSV, sondern der Norddeutsche Schwimmverband, der für die 2. Bundesliga Nord, in der auch Weltmeister Paul Biedermann schwimmt, verantwortlich ist. Auch er hat sich auf Oldenburg als Ausrichter verlassen und muss sich nun eiligst einen neuen suchen – für Insider Schroe-der eine fast unmögliche Aufgabe. „So schnell wird sich garantiert niemand finden, der noch einspringt“, meint der DSV-Vorsitzende. Für den Ligabetrieb werde sich aber eine Lösung finden lassen. „Irgendwo werden sie schon schwimmen“, meint Schroeder. Nur nicht (mehr) in Oldenburg.

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