Oldenburger Mediziner: Antikörper-Therapie vielversprechende Behandlungsmöglichkeit

Covid-Genesene sollen Plasma spenden

Wartet auf genesene Covid-Patienten: das DRK-Institut in Oldenburg für Transfusionsmedizin.
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Wartet auf genesene Covid-Patienten: das DRK-Institut in Oldenburg für Transfusionsmedizin.

Oldenburg/Dessau – Der DRK-Blutspendedienst Niedersachsen-Sachsen-Anhalt-Thüringen-Oldenburg-Bremen (NSTOB) sucht Menschen, die eine Covid-19-Infektion mit deutlichen Symptomen durchgemacht haben und jetzt durch eine Plasmaspende anderen Erkrankten helfen möchten, die Krankheit zu überwinden.

„Das ist prinzipiell ein Ansatz den man als Heilversuch für die betroffenen Patienten hat. Derzeit gibt es kein knackig zugelassenes Medikament, das bei Corona-Patienten wirkt“, erzählt Dr. Hagen Baume, Abteilungsleiter für die Zytapherese-Abteilung (Transfusionsmedizin) beim Institut Oldenburg des Deutschen Roten Kreuzes.

Deshalb versuchten die Ärzte, die Patienten in der Immunabwehr zu unterstützen. Das funktioniere durch die Abgabe von Antikörpern von ehemaligen Covid-Patienten, so Dr. Baume: „Wir vom Institut machen das für unser Einzugsgebiet in Oldenburg.“ In Dessau (Sachsen-Anhalt) passiere das auch.

„In Oldenburg betreiben wir das Programm seit dem 22. Juni. Es haben sich zum Glück viele Spendenwillige gemeldet“, sagt der Arzt. „Geeignet sind grundsätzlich alle Menschen, die auch für eine Blutspende geeignet sind.“ Jedoch sei das Problem, erst einmal taugliche Spender mit genug Antikörpern zu finden. Da wiederum komme nicht jeder in Frage. Bei vielen Spendewilligen sei die Konzentration der Antikörper gegen das Coronavirus im Blut nämlich nicht so hoch, dass man daraus ein Therapiemittel herstellen könne, erklärt er weiter. Laut Dr. Baume scheitere es oft daran, Spender zu finden, die auch tatsächlich genug Antikörper haben. Wir machen das so, dass wir in den Antikörper-Gehalt quantitativ bestimmen. Da haben wir eine Grenze gesetzet, wo wir Spender zulassen und die Präparate im Anschluss verwenden können.

„Zurzeit haben wir vier regelmäßige Spender“, so der Fachmann. In dieser Woche seien sechs Spendenwillige in das Institut für Transfusionsmedizin gekommen. Insgesamt gab es bisher 16 Plasmaspender, die zusammen 38 Spenden abgegeben haben. „Wir streben einen Spendenabstand von einer Woche bis 14 Tage an. Nach den für uns gültigen Vorgaben sind 60 Spenden innerhalb von zwölf Monaten zulässig“, erklärt Dr. Baume. Es werde eine Aufwandsentschädigung gezahlt. Aus einer Spende würden zwei Präparate gewonnen, sodass zwei Behandlungen an unterschiedlichen Patienten möglich seien.

Organisatorisch funktioniere das Verfahren so, dass sich alle interessierten Spender beim DRK-Institut in Oldenburg per Telefon unter 0441/9440118 oder per E-Mail an plasma@bsd-nstob.de melden können. Dann würden alle Fragen rund um das Thema beantwortet sowie das weitere Vorgehen erklärt. Danach erfolge die Vergabe eines Termins für eine Voruntersuchung an dem eine Testung auf ausreichend Antikörper beim Spendewilligen gemacht werde. Frühestens am folgenden Tag stehe das Ergebnis aus dem institutseigenen Labor in Springe (Hannover) fest. „Wenn das dann alles passt, machen wir einen Termin“, schildert der Transfusions-Mediziner. Die Plasma-Spende erfolge dann im Institut für Transfusionsmedizin in Oldenburg.

Als Richtwert ließe sich grob sagen, dass, „wer stärkere Symptome hatte, hat später wahrscheinlich mehr Antikörper im Blut“.

Dr. Baume weiter: „Wir sind immer darauf angewiesen, neue Spendewillige zu finden.“ Nach einer überstandenen Corona-Infektion fiele mit der Zeit die Konzentration von Antikörpern im Blut ab, sodass Genesene dann keinen anderen helfen könnten. „Bei den Meisten ist die Antikörper-Konzentration spätestens nach sechs Monaten unterhalb der Grenze, wo eine Plasmaspende für die Antikörper-Gewinnung sinnvoll ist.“

Die Blutplasmaspende mit den Antikörpern stelle keine Gefahr dar, betont Dr. Baume abschließend. Für den Körper sei das, was nicht mehr akut gefährlich ist, uninteressant und werde daher nicht mehr bekämpft. „Wir haben jedoch Gedächtniszellen, die bei erneutem Kontakt mit dem Coronavirus sofort wieder hochfahren“, so der Arzt. Das gehe innerhalb kürzester Zeit, dann sei unser Immunsystem gegen den Erreger wieder abwehrbereit.

Von Gregor Hühne

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