Aus Kolumbien direkt nach Oldenburg

Die Kaffeerösterei „La Molienda“ importiert direkt von der eigenen Plantage

 Adrianna Trzeszczkowska-Trujillo berät Kunden in ihrem Geschäft „La Molienda“.
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Normalen Espresso, oder lieber die dunklere Variante? Adrianna Trzeszczkowska-Trujillo berät Kunden in ihrem Geschäft „La Molienda“.

Zuerst haben sie Kaffee für Freunde und Bekannte mitgebracht, dann wurde es zu einem Familienprojekt. Adrianna Trzeszczkowska-Trujillo und Ehemann Juan José Trujillo importieren Kaffee von der eigenen Familienplantage in Kolumbien. Mittlerweile betreiben die beiden in Oldenburg an der Würzburger Straße ihre eigene, kleine Kaffeerösterei „La Molienda“ und wollen sich damit für fairen Kaffeehandel stark machen.

Oldenburg – „Angefangen haben wir 2014“, erzählt Adrianna Trzeszczkowska-Trujillo. Ihr Schwiegervater Luis Guillermo beschäftige etwa sechs bis zehn Mitarbeiter auf einer Plantage in Kolumbien, die auf etwa 1 400 Metern Höhe liegt. Von dieser wird der Rohkaffee bezogen, dann nach Deutschland importiert und hier geröstet und verkauft. „Zu Beginn hatten wir auch wirklich Bedenken“, so die 40-Jährige. Nachdem der erste Kaffee für Freunde mitgebracht wurde und für gut befunden war, kam kurze Zeit später die erste, 140 Kilogramm schwere Charge in Oldenburg an. „Die Angst war anfänglich schon da, dass wir den nicht verkauft bekommen. Wer soll das denn alles trinken? Wir wussten am Anfang ja auch nicht, wie gut das hier angenommen wird.“

Die Angst war anfänglich schon da, dass wir den Kaffee verkauft bekommen. Wer soll das denn alles trinken?

Adrianna Trzeszczkowska-Trujillo

Aber nachdem das Ehepaar merkte, dass es durchaus Abnehmer für den Kaffee gab, war die Idee eines eigenen Kaffeebetriebs geboren. „Dabei wollten wir schon immer einige Dinge anders machen.“ Ihr Ziel ist sozial nachhaltige Kaffeewirtschaft zu betreiben, um so den Kaffeehandel zu verbessern. Dafür werde auch rund ein Fünftel mehr als üblich gezahlt, um die Arbeiter auf Guillermos Plantage zu unterstützen.

Es werde zwar mehr gezahlt, aber auch mehr verlangt, erklärt die 40-Jährige. „Die Krux an dem Kaffee ist folgende: Wer guten Kaffee hat, kann ihn ganz einfach schlechter machen. Wer schlechten Kaffee hat, kann ihn nicht mehr verbessern.“ Deshalb liegt der Fokus beim Anbau auf der Qualitätssicherung. Im Prozess des Erntens werde mehrfach mit Hand sortiert. „Das ist wichtig, da die Kaffeekirschen nicht gleichzeitig reifen.“ Auch nach dem Trocknen werden noch einmal die besten Kirschen herausgepickt.

Das Konzept der nachhaltigen Wirtschaft sei gerade jetzt wichtig, so Adrianna. „Der Kaffee muss auch vor Ort wirtschaftlich bleiben, der Anbau muss sich lohnen.“ Die Erde sei auf vielen Feldern zu schlecht über die Jahrzehnte behandelt worden und nun nicht mehr nahrhaft. Zudem komme es häufiger durch extremes Wetter zu Ernteausfällen und der günstige Kaffeepreis mache die Mühe nicht mehr profitabel. „Genau deshalb ist es wichtig, eine Wertschöpfungskette zu schaffen, von der die Bauern wirklich etwas haben.“, so Adrianna, die Wirtschaftswissenschaften studierte und ihre Masterarbeit über fairen Kaffeehandel schrieb.

Aus einer Bohne drei Kaffeesorten

Der nächste Schritt der beiden Kaffeeverkäufer sei der einer eigenen Röstmaschine. Dafür wurde auch schon eine geeignete Halle gefunden, so die 40-Jährige. Der Rohkaffee aus Kolumbien werde momentan in Eversten in einer Maschine geröstet, für die sie stundenweise zahlt. Mit einer Aushilfe zusammen werde dort auch der Kaffee verpackt und etikettiert. „Interessant ist besonders, was alles aus einer einzelnen Sorte gemacht werden kann“, erzählt Trzeszczkowska-Trujillo. Drei verschiedene Röstungen sorgen für verschiedene Aromen. So bietet „La Molienda“ unter anderem Filterkaffee, Espresso und dunklen Espresso an, die aus der gleichen Bohne gewonnen werden.

Stehen vor der Kaffee-Plantage in Kolumbien: Juan José Trujillo mit seinem Vater Luis Guillermo

Und diese werden auch von den Oldenburgern gut angenommen. „Letztes Jahr haben wir so etwa sechseinhalb Tonnen verkauft. In diesem Jahr werden es wohl acht bis neun werden.“ Das läge aber auch daran, dass der Kaffeekonsum während Corona gestiegen sei. So hätten auch die Trujillos einen großen Kundenzuwachs zu verzeichnen. „Mehr Personen sind im Homeoffice und möchten sich bei der Arbeit auch mal etwas gönnen. Wir können uns also nicht beschweren“, räumt die 40-Jährige ein. Mittlerweile betreibt sie „La Molienda“ hauptberuflich. Juan arbeitet als promovierter Ingenieur in der Windenergiebranche.

Werbung für den kolumbianischen Kaffee werde nicht gemacht. „Unser Ziel war es immer langsam zu wachen.“ Und für die Zukunft? Das große Ziel der neuen Röstmaschine ist bald erreicht. „Danach möchten wir uns erst einmal weiter auf die Arbeit an der Wertschöpfungskette des Kaffees konzentrieren“, so Trzeszczkowska-Trujillo. Damit faire Löhne erreicht werden, müsse nämlich noch einiges getan werden.

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