Augen und Ohren essen mit: Experten testen Eis

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Lebensmittellaborantin Imke Ortgies serviert den Prüfern im Testzentrum der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Oldenburg Eis am Stil. 19 Tester überprüfen binnen zwei Tagen 135 Eisprodukte aus allen wichtigen Eissorten sensorisch auf ihre Qualität.

Oldenburg - Eis schleckt jeder gerne. Ob Vanille, Joghurt oder Kirsche - das ist Geschmackssache. Doch woran erkennt man eigentlich gutes Eis? In Oldenburg haben Experten 135 Produkte getestet, darunter auch neue Trends wie Chili-Eis.

Oldenburg (dpa/lni) - Alexander Schuldt taucht seinen Löffel in das Vanille-Eis. Vorsichtig zerteilt er die kalte Masse in kleine Stücke und zermatscht sie ein wenig. Dann schiebt er sich den Löffel in den Mund. Für einen kurzen Moment schließt er die Augen. „Im Großen und Ganzen ganz gut“, urteilt der Eistester. „Die Struktur ist aber etwas zu bröckelig, es fehlt die Cremigkeit.“ Auf einem Zettel macht sich der Experte einige Notizen. Noch einen kleinen Schluck Wasser, und schon ist die nächste Portion dran.

135 verschiedene Produkte werden Schuldt und seine 18 Kollegen am Dienstag und Mittwoch im Auftrag der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Oldenburg unter die Lupe nehmen. Eis am Stiel, Hörnchen mit Schokosoße, knallbuntes Wassereis oder schwarze Johannisbeere mit Mascarpone im Becher. Rund 50 Proben muss jeder von ihnen während der zwei Tage verkosten. „Ihren persönlichen Geschmack müssen sie dafür zur Seite stellen“, sagt DLG-Projektleiter Inka Scharf.

Eisprüferin Sylvia Funk probiert ein Stracciatella-Eis

Die Fachleute bewerteten nicht nur das Aussehen und den Geschmack der kalten Versuchung, sondern auch wie sie sich im Mund anfühlt. „Sie prüfen das Eis mit fast allen Sinnen“, erläutert Scharf. Sogar mit den Ohren. Christoph Gremme braucht dafür ein Messer. Behutsam zerschneidet er damit eine Waffel in zwei Hälften. Laut knackend bricht das Gebäck. „Es ist wichtig, dass die Waffel kross ist“, betont er. „Und dass sie das ist, hört man.“ Er steckt sich einen Bissen in den Mund. „Und man schmeckt's auch.“

Nun ist der Inhalt dran. Nacheinander löffelt er sich Schoko-, Vanille-Eis und Soße in den Mund. „Gut“, sagt Gremme und nickt zufrieden. Auf einem Bewertungsbogen verteilt er Punkte für die Qualität. Was gefällt, erhält eine 5. Was nicht, eine 1. Danach wandert das kaum angerührte Eis in den Mülleimer. Gemme nimmt einen großen Schluck Wasser und beißt in ein Weißbrot - zur Neutralisation. Dann geht es an den nächsten Testkandidaten.

„Das ist Akkordarbeit“, meint Gemme, der in der Qualitätssicherung einer Eisfirma in Dortmund arbeitet. Viel Eisessen gehört zu seinem Job. Sich daran überessen, ist für ihn undenkbar. „Na ja, heute vielleicht schon, ansonsten nicht.“ Alle 19 Experten kommen aus der Industrie oder von Qualitätsüberwachungsinstituten. Damit der Test wirklich unabhängig ist, nehmen Laboranten die Produkte vorher aus der Verpackung. Die Prüfer sehen nur den Inhalt.

Etwa 7,7 Liter Eis schleckte jeder Deutsche nach Angaben der DLGim vergangenen Jahr. „Neue Trends in diesem Jahr sind Eis mit Chili oder Balsamico“, sagt Scharf. „Die liebsten Sorten sind aber nach wie vor Vanille, Erdbeere und Schokolade.“ Neben dem Geschmackstest macht die DLGauch mikrobiologische Untersuchungen in den Laboren. Außerdem überprüfen die Experten, ob Zutaten wie der Fettgehalt richtig auf der Eis-Verpackung deklariert sind. Die Ergebnisse wird die DLGim Juli im Internet veröffentlichen.

dpa

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