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100 Jahre Graf-Anton-Günther-Schule: Ungewöhnlich, erfolgreich

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Von: Gero Franitza

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Ein junger Mann und eine junge Frau.
Johannes Möller und Louisa Dauskardt moderierten. © Franitza

Oldenburg – Der Landkreis Oldenburg unterhält eine Schule in der Stadt Oldenburg. Und das ist nicht das Einzige, was die „Graf-Anton-Günther-Schule“ (GAG) anders macht, als andere Gymnasien. Mit einem Festakt hat „das“ GAG am Mittwoch seine Gründung vor – auf den Tag genau – 100 Jahren gefeiert. Dazu waren einige Hundert Lehrer und Schüler, ehemalige wie aktive, Bürgermeister und Schulleiter aus dem Landkreis zusammengekommen – und nicht zuletzt Gäste der europäischen Partnerschule.

Gastredner waren der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) und Landrat Christian Pundt. Die Schule übertrug die Feier, die von einigen Musikstücken und Videos durchzogen war (in der das GAG auf seine Schwerpunkte wie Kunst und Wissenschaft einging) live über die Videoplattform „Youtube“. Dort konnten nicht nur die restlichen Schüler die Feier verfolgen, sondern auch die europäischen und amerikanischen Partnerschulen. Um zumindest den Rahmen besser verständlich zu machen, moderierten die Schüler Johannes Möller und Louisa Dauskardt den Festakt auf Deutsch und Englisch.

Soweit, so ungewöhnlich. Dieses Nicht-Gewöhnliche –es zog sich wie ein roter Faden nicht zuletzt durch die Redebeiträge. Es hat beim GAG Methode und das schon seit der Gründung im Jahr 1922. So sei sie die erste koedukative Schule in Oldenburg gewesen, sagte Schulleiter Wolfgang Schoedel: Zielgruppe für diese Einrichtung seien junge Frauen und Männer der damals als bildungsfern angesehenen Landbevölkerung gewesen, die hier gemeinsam ihr Abitur (damals „Matura“) ablegen konnten. Der Unterricht sei der Weimarer Reformpädagogik gefolgt und habe schon damals Schwerpunkte im Bereich der deutschen Sprache und der musischen Erziehung gesetzt – während andernorts noch antike Sprachen Rang und Ansehen genossen. „Die Skepsis hielt bis zum ersten Abitur 1928 an“, so Schoedel. Über die folgenden Jahre sei es zusehends gelungen, die Zweifel an der Gleichwertigkeit des GAG-Abiturs zur zerstreuen.

Ein Mann an einem Podium.
Dank, Lob, Schelte: Schulleiter Wolfgang Schoedel. © Franitza

Heute sei das Gymnasium eine Einrichtung, an der Schüler eine möglichst schöne Schulzeit erleben können – und dabei Kompetenzen erwerben, um das eigene Leben in die Hand nehmen zu können. Lehrer könnten hier sicher sein, den richtigen Beruf gewählt zu haben: an einem Ort, der von Pädagogik und Teamgeist geprägt sei. Jeder aber könne sich mit seinen „Stärken und Schwächen“ in das GAG einbringen. Und das mache es insgesamt zu einer durch und durch außergewöhnlichen Schule. Das GAG verfüge über „die tollste Schulgemeinschaft, die ich mir als Schulleiter vorstellen kann“, befand Schoedel. Sein Dank gelte allen, die zum Gelingen der Bildungseinrichtung beitragen.

Harsche Kritik an der Landespolitik

In seiner Aufzählung nannte Schoedel dann unter anderem auch die Schulsekretärinnen, die sich insbesondere während der Corona-Zeit als „besonders systemrelevant“ erwiesen hätten. Täglich nähmen sie diverse Aufgaben wahr, die weit über ihren Status und ihre Bezahlung als bloße „Schreibkräfte“ hinausgingen. Von der Landesregierung propagierte „konkrete Entlastungen“ dürfe es nicht nur für Lehrer geben, sondern auch für diese Mitarbeiterinnen. Sie gehörten tariflich deutlich höher eingestuft. Diese gesamte Situation sei „ein Versagen der hierfür politisch Verantwortlichen“, kritisierte Schoedel scharf.

Ein Mann an einem Podium.
Festredner: Kultusminister Grant Hendrik Tonne. © Franitza

Minister Tonne ging in seiner Rede nicht darauf ein. Er verließ den Saal kurz nach seiner Rede und machte sich still auf den Weg zum nächsten Termin. Schule solle ein Lernort, aber auch ein Lebensort sein, hatte er zuvor ausgeführt – und Schule solle Spaß machen. Das habe das GAG mit seinen aktuell 1 100 Schülern erreicht. Doch leiste es noch mehr. Als eine der ersten „Europaschulen“ im Bundesland trage es mit seinem „abwechslungsreichen Schulleben“ einen wesentlichen Beitrag zu Völkerverständigung, Friedensbildung und zum Demokratieverständnis bei. Dass diese Begriffe hier „getragen und gelebt“ werden, beweise das GAG „eindrucksvoll“. In die Zukunft blickend sagte Tonne, dass es unterschiedliche Wege zum Bildungserfolg gebe. Veränderungen sollten nicht „mit der Gießkanne“ vorgenommen werden. „Vergleichbarkeit darf nicht zum Fetisch werden.“

Ein Mann an einem Podium.
Landrat Pundt sicherte weitere Unterstützung zu. © Franitza

Landrat Pundt lobte abschließend die Leistung und den Ruf des GAG. Es könne sich auch weiterhin der Unterstützung des Landkreises sicher sein. Eines der Zukunftsthemen sei die Digitalisierung, dabei sei auch das Land gefragt. Seine für den Minister vorgesehenen Anmerkungen überging er. „Aber er kriegt ‘ne Mail von mir“, so Pundt unter dem Applaus der Anwesenden.

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