Diskussion über Bahnprojekt

„Wunderline“ zwischen Bremen und Groningen: Kommunen sind gefragt

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Im Kreishaus in Wildeshausen debattierten die Ausschussmitglieder über die „Wunderline“.

Landkreis - Von Katia Backhaus. Die Diskussion des Struktur- und Wirtschaftsausschusses des Landkreises Oldenburg zur „Wunderline“, der grenzüberschreitenden Bahnlinie zwischen Bremen und dem niederländischen Groningen (wir berichteten), hatte einen einmütigen Tenor: „Ein Projekt, das gut für die Menschen ist“, fasste Landrat Carsten Harings am Dienstagabend zusammen.

Projektleiter Tjeerd Postma war aus den Niederlanden angereist, um den Ausschussmitgliedern gemeinsam mit Strategieberaterin Bettina Fabich den geplanten Ausbau vorzustellen. Zahlreiche positive Effekte benannten die Vertreter aller Fraktionen: weniger Autoverkehr, umweltfreundlicheres Fortkommen, ein gutes Angebot für Studierende und junge Leute.

Doch Postma kam nicht nur, um zu informieren: Die Kommunen entlang der Bahnstrecke - im Landkreis sind das Hude, Ganderkesee, Wardenburg und Hatten - sollen eine Absichtserklärung unterzeichnen, in der sie sich verpflichten, das Projekt „Wunderline“ voranzutreiben. Konkret geht es um Verbesserungen der Anschlussmobilität an den Bahnstationen, die bis Ende 2024 umgesetzt werden sollen. Dann soll die erste der drei Bauphasen der „Wunderline“ abgeschlossen sein.

Marion Daniel (FDP) kommentierte, dass letztendlich nur ein einziger Bahnhof im Landkreis - Hude - an der „Wunderline“ liege. Postma verwies darauf, dass auch Ganderkesee, Wardenburg und Hatten durch Bus- und Nahverkehrsanschlüsse von der schnelleren Verbindung in die Niederlande profitieren könnten.

Bisher habe er das Projekt immer ideell unterstützt, sagte Landrat Harings, „jetzt aber wird es ein bisschen verbindlicher“. Deutlich wurde das am Beispiel Hude, das Postma in seiner Präsentation vorstellte. Bei einer Untersuchung aller Bahnhöfe entlang der Strecke aus dem vergangenen Jahr zeigte sich, dass die Anschlussmöglichkeiten für Reisende in Hude nicht optimal sind - weder zu Fuß, mit dem Rad oder Auto noch mit dem öffentlichen Nahverkehr. Auch die Aufenthaltsqualität sei wichtig, sagte Postma: „Kann ich dort einen Kaffee trinken?“ Warteräume, Toiletten und die allgemeine Sauberkeit seien weitere Aspekte eines attraktiven Bahnhofs.

Rund 1 000 Euro pro Gemeinde

Es gehe aber nicht darum, vorzugeben, wie das Ergebnis der Verbesserungen aussehen soll, betonte Postma. Ein loser Zusammenschluss der betroffenen Kommunen soll als Forum für den Austausch über Maßnahmen dienen - und außerdem die Möglichkeit bieten, Fördergelder, etwa bei der EU, zu beantragen. In diesem „Grenzüberschreitenden Netzwerk Anschlussmobilität“, so die Idee der Projektleiter, sollen die Fachbeamten der Bereiche Verkehr und öffentlicher Nahverkehr sitzen. In sechs bis acht Treffen über zwei Jahre sollen sie Optionen zur Verbesserung der Bahnhöfe und Anschlussmobilität ausloten. Durch die Einbindung der Mitarbeiter soll die Kontinuität der Arbeit gestärkt werden, der Zusammenschluss aber zugleich ein lockerer bleiben. Die Kosten für das Netzwerk liegen bei rund 1 000 Euro pro Gemeinde, rechnet Postma vor.

Dass der Ball beim Thema „Wunderline“ nun also hauptsächlich bei den Kommunen liegt, stellte auch Harings noch einmal heraus. Für den Landkreis sehe er eher wenige Aufgaben - nichtsdestotrotz war in der Sitzungsvorlage eine Positionierung zum Projekt „Wunderline“ angekündigt. Harings bat die Mitglieder um ein Stimmungsbild für den Kreisausschuss und erhielt eine einstimmige Antwort: Das Gremium empfehle dem Landrat, die Absichtserklärung zum Projekt „Wunderline“ zu unterzeichnen.

Etwas missverstanden wurde im Anschluss der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, die die Einrichtung eines Solarkatasters für die Planung von Photovoltaikanlagen auf kommunalen Liegenschaften erörtern wollten. „Unser Eindruck ist, dass wir im Bereich regenerative Energien mehr machen könnten“, begründete Reinhold Schütte den Antrag seiner Fraktion. Manuela Schöne, Klimaschutzbeauftragte des Landkreises, erläuterte, dass in den kommenden Monaten eine aktuelle Energie- und CO2-Bilanz erstellt werde. Die Vertreter der anderen Fraktionen plädierten daraufhin dafür, auf diesen Bericht zu warten, um auf dessen Grundlage über weitere Maßnahmen nachzudenken.

Ob es - wie von den Grünen beantragt - ein Solarkataster geben soll, um das „Potenzial der kreiseigenen Liegenschaften auszuloten“ (Eduard Hüsers, Grüne), blieb aufgrund der mangelnden Vorbereitung der Ausschussmitglieder auf das Thema vorerst offen. Die Grünen zogen ihren Antrag zurück.

Das Projekt „Wunderline“

Die Bahnfahrt zwischen Bremen und Groningen soll schneller werden - bereits ab Ende 2024 (Abschluss Bauphase 1) soll sie nur noch zwei Stunden 24 Minuten dauern, am Ende der Bauphase 2 im Jahr 2030 zwei Stunden und elf Minuten. Einen Kooperationsvertrag über die ersten beiden Bauabschnitte haben unter anderem Niedersachsen und Bremen sowie die Provinz Groningen vor einer Woche unterzeichnet. Die Kosten dafür liegen bei rund 128 Millionen Euro.

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