Über Nacht zum Internet-Bestseller

Netz-Aktion für todkranken Autor aus Oldenburg

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Buch von Kai-Eric Fitzner

Oldenburg - Von Irena Güttel. Die Geschichte beginnt wie ein Märchen: Ein Autor wird todkrank, seine Familie plagen Geldsorgen. Dann wird sein fast zehn Jahre alter Roman zum Verkaufsschlager, Menschen spenden Tausende Euro. Doch ein richtiges Happy-End steht noch aus.

Dass sein Buch einmal zum Internet-Bestseller wird, hätte Kai-Eric Fitzner wohl nie gedacht. Doch es ist eine Tragödie, die ihm diesen Erfolg brachte. Fitzner ist ein Oldenburger Schriftsteller, der nach einem Schlaganfall im Koma liegt. Seine Frau Raja und die drei Kinder standen vor Geldproblemen, in ihrer Not wandte sich übers Internet an die Öffentlichkeit. Das berührte Tausende. Sie kauften den Roman oder spendeten Geld - und halfen der niedersächsischen Familie.

Auf Fitzners Facebook-Profil bedankt sich seine Frau Raja jetzt für die Hilfsbereitschaft und das Mitgefühl: „Ich denke, von hier an schaffen wir es selber weiter.“ Ihr Aufruf in dem sozialen Netzwerk löste in der vergangenen Woche eine „Welle der Menschlichkeit“ aus, wie sie schreibt. In dem Eintrag schildert sie, wie ihr Mann einen Tag vor seinem 45. Geburtstag ins Krankenhaus kam. Dass die Ärzte nicht sagen können, ob er überleben wird. Dass ihr Mann sich gerade selbstständig gemacht hat. Dass sie wieder studiert, dass Kredite abzuzahlen sind.

Es beginnt am 19. Mai: Über Facebook bittet Raja, das Buch ihres Mannes „Willkommen im Meer“ zu kaufen, darüber zu schreiben und ihr Posting zu teilen. „Helft mir es bekannt zu machen!“, appelliert sie an die vielen Follower ihres Mannes. Über Twitter verbreitet sich ihr Aufruf unter dem Hashtag #einbuchfuerkai. Über Nacht stürmt der 2006 fertiggestellte und im Februar im Selbstverlag veröffentlichte Roman - eine Geschichte über einen Lehrer an einem Oldenburger Gymnasium - die Amazon-Bestsellerliste: von Platz 60755 an die Spitze. Der Onlinebuchhändler verzichtet wegen des Schicksals von Fitzner auf die Erlöse, macht aber keine Angaben zur Höhe der Summe, die an die Familie geht. Innerhalb weniger Tage gehen außerdem mehr als 12000 Euro auf ein Spendenkonto ein, das der Bochumer Blogger Johannes Korten ins Leben gerufen hat. Er hatte Kai-Eric Fitzner vor drei Jahren auf einer Konferenz kennengelernt und beschreibt ihn als einen warmherzigen, inspirierenden Menschen.

Die große Unterstützung der Netzgemeinde verblüfft selbst Korten, der seit zehn Jahren im Online-Marketing arbeitet. Er erklärt sich das unter anderem mit der persönlichen Betroffenheit der Spender: „Viele sind selbst Freiberufler mit Familie und können sich mit dem Thema identifizieren.“ Spendenaktionen können über das Internet Tausende Nutzer erreichen und sogar zu einem Massenphänomen werden. Prominentestes Beispiel dafür ist der Ice Bucket Challenge, bei dem sich im vergangenen Jahr weltweit Menschen für den guten Zweck Eiswasser über den Kopf gossen. Doch auch kleinere Initiativen, bei denen zum Beispiel für ein krankes Kind gesammelt wird, machen immer wieder die Runde. Solche Aktionen könnten viele Menschen mobilisieren, weil sie den Spendern das Gefühl gäben, etwas konkret bewirken zu können, erläutert Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI).

Voraussetzung sei, dass das Ganze glaubwürdig wirke. Im Durchschnitt geben Spender nach Angaben des Experten zwischen 20 bis 30 Euro. Fitzners Familie kann man etwa mit 12,99 Euro für das Taschenbuch und 5,99 für die Online-Edition helfen - und bekommt dafür auch eine Gegenleistung. „Spannende Lektüre“, „gut geschrieben“, „tolles Buch“, schreiben Kommentatoren auf Twitter und in den Kundenrezensionen von Amazon. Andere finden es schade, dass es erst dieses traurigen Anlasses bedurfte, damit das Buch bekannt wurde.

Den Spendenaufruf hat Initiator Johannes Korten inzwischen gestoppt. Die größten finanziellen Schwierigkeiten seien überwunden, schreibt Fitzners Frau Raja am 24. Mai auf Facebook. „Was wir weiterhin gerne annehmen, sind eure guten Wünsche für Kai und uns als Familie.“ Denn der Zustand des Autors ist immer noch kritisch. Korten: „Er ist noch nicht über den Berg.“
dpa

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