Schwalben im Hühnerstall, Käfer im Bett

Frösche im Eisfach: Nabu berichtet von abstrusen Fällen

Oldenburg - Dass den Nabu manch kurioser Anruf erreicht, ist den Mitarbeitern des Naturschutzverbands bewusst, allerdings verzeichnen sie in den vergangenen Jahren einen besorgniserregenden Trend.

„Das Unwissen zu Wildtieren wächst enorm in Teilen der Bevölkerung. Die Folge ist eine fast schon unglaubliche Vermenschlichung, die aus guten Motiven heraus an den Tag gelegt wird, aber die Tiere oft das Leben kosten kann“, berichtet Rüdiger Wohlers, der als Bezirksgeschäftsführer in der Oldenburger Nabu-Geschäftsstelle viele Anfragen und Anrufe entgegennimmt, in einer Pressemitteilung.

„Während noch vor Jahren die ersten besorgten Anfragen wegen untergewichtiger Igel im Dezember kamen, ist das jetzt mitunter schon Anfang August der Fall – in diesem Jahr sogar schon am 14. Juli, also dem vergangenen Freitag. Allen Ernstes berichten dann Anrufer, sie machten sich um freilaufende Igel wegen des ‚anstehenden Winters‘ Sorgen – purer Unsinn.

Mehrere Igel eingesammelt

Eine Anruferin hatte sogar schon mehrere Igel eingesammelt, und wir konnten sie nur mühsam dazu bewegen, diese schnellstmöglich wieder auszusetzen“, so Wohlers. „Igel sind Wildtiere, und nur in äußersten Notsituationen – bei Verletzung oder Krankheit – dürfen sie ausnahmsweise vorübergehend aufgenommen werden, und sollten auf jeden Fall einem Tierarzt vorgeführt werden.“ Wer gesunde Igel einsammelt, riskiere ihren sicheren Tod und verstoße sowohl gegen Naturschutz- als auch Tierschutzrecht.

Nicht weniger abstrus ist der Fall, der einen weiteren Nabu-Mitarbeiter erreicht haben soll: Ein Bürger hatte in dem guten Willen, etwas für die Frösche in seinem Teich zu tun, diese herausgenommen und ins Eisfach des Kühlschranks gelegt. „Was wie ein Aprilscherz klang, war bittere Wahrheit. Er fragte uns im späten Frühjahr, ob nun noch Fröste drohten, oder ob er sie aus der ‚Überwinterung‘ nehmen könne“, erinnert sich Wohlers entsetzt.

Marienkäfer mit ins Bett genommen

Aber nicht nur Säugetiere und Amphibien stehen im Mittelpunkt vieler Anfragen, auch Insekten sind mitunter betroffen: „Ich werde nie den Anruf einer älteren Dame vergessen, die uns an einem Herbsttag bat, vorbeizukommen und 30 Marienkäfer abzuholen, ,damit sie ein warmes Quartier finden‘. Sie selbst habe sie schon mehrere Tage ,am Fußende im Bett‘ gehabt“, so Wohlers.

In einem anderen Fall hatte ein älterer Herr mit einem großen Kescher Mehl- und Rauchschwalben im Herbst eingefangen und diese kurzerhand in seinen Hühnerstall gesperrt. Dem verdutzten Nabu-Mitarbeiter, den er anrief, um nach Schwalbenfutter zu fragen, erklärte er, warum: „Damit sie nicht im Süden gegessen werden!“ Wohlers‘ Kollege erreichte, dass die Tiere sofort wieder freigelassen wurden.

Der Bezirksgeschäftsführer ruft dazu auf, „weniger Vermenschlichung und mehr Naturwissen“ an die Tagesordnung zu legen. „Das Beste, was man für Wildtiere im eigenen Umfeld tun kann, ist die Gestaltung eines naturnahen Gartens. Der Nabu gibt dazu gern Tipps und hält Materialien bereit“, lässt er wissen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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