Gericht geht von Notwehr aus 

„Tödliche Schüsse waren gerechtfertigt“

Oldenburg - Die tödlichen Schüsse an der Nadorster Straße in Oldenburg auf einen 65-Jährigen am 27. Juli und die schwere Attacke auf dessen fünf Jahre jüngeren Bruder waren gerechtfertigt.

Die Oldenburger Schwurgerichtskammer hat am Freitag den 38-jährigen Angeklagten nur wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen und zu einer Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Rechtlich gesehen seien zwar die Tatbestände Totschlag, versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung erfüllt, die Taten seien aber aufgrund einer Notwehrlage gerechtfertigt gewesen. Der Angeklagte, der in Haft bleibe, müsse nun aber damit leben, einen Menschen getötet zu haben. Dreh- und Angelpunkt des ganzen Dramas ist das spurlose Verschwinden eines Deutsch-Kurden. Der 29-Jährige wird seit dem 3. Juli vermisst.

Die Familie des Verschwundenen ist der Überzeugung, dass der Angeklagte – Mitinhaber einer Trockenbaufirma an der Nadorster Straße – und zwei seiner Geschäftspartner mit dem Verschwinden des Ex-Rockerclub-Mitglieds zu tun haben. Der Überlebende des Geschehens vom Tattag ist der Vater des 29-Jährigen, der Getötete der Onkel.

Am Tattag sollte der Beschuldigte in den Geschäftsräumen der Trockenbaufirma zur Rede gestellt werden. Der 60-jährige Vater des Verschwundenen, der eine Waffe dabei hatte, hatte ihn zu einem letzten Gespräch gedrängt, seinen Bruder hatte er gleich mitgenommen. Die Situation eskalierte. Die spätere Notwehrlage des Angeklagten wurde durch mehrere Indizien belegt. Einen Tag vor dem tödlichen Ereignis hatte der 38-Jährige der Polizei gemeldet, von der Familie des Verschwundenen ständig unter Druck gesetzt zu werden. Auch am Tattag, als die Situation eskalierte, hatte der Angeklagte versucht, die Polizei anzurufen. Der Hörer wurde ihm aber aus der Hand geschlagen.

Den Feststellungen zufolge hatte der später Getötete den Angeklagten dann mit einem Messer bedroht. Dieser wich zurück, zückte seine Waffe und gab zwei Warnschüsse in den Boden ab. Der 65-Jährige sei allerdings immer näher gekommen. Er war nur noch 50 bis 80 Zentimeter entfernt, da schoss der Angeklagte das Magazin leer. Er traf den vermeintlichen Angreifer tödlich. Auf den Vater des Verschwundenen schlug er anschließend mit der Waffe ein, weil dieser zu seiner eigenen Waffe greifen wollte.

Der Richter kritisierte am Freitag scharf, dass alle Beteiligten wie selbstverständlich bewaffnet seien. Man werde das in Oldenburg nicht dulden. Kehrt nach diesem Urteil nun endlich Frieden ein?. Mitnichten. Der Vater des Verschwundenen sagte zu dem Angeklagten: „Du bist der Mörder meines Bruders und meines Sohnes. Ich werde dich 100 Jahre lang verfolgen.“  

wz

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