Stadt Vechta will Parkplatz-Prostitution stoppen

Der mobilen Liebe droht das Aus

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Blaue Stunde: Die Abendstimmung mit Rotlicht kann den desolaten Zustand des Fahrzeugs an der B69 nicht kaschieren.

Vechta - Von Matthias Niehues. Die rot leuchtende Lichterkette lenkt bei Dämmerung etwas vom Erscheinungsbild des Fahrzeuges ab. Zwei platte Reifen auf zerbeulten Felgen, die Windschutzscheibe zersprungen, hinter einer geflickten Fahrertür hockt eine spärlich bekleidete Frau, die mit allerlei Beleuchtung auf sich aufmerksam macht. Das in Cloppenburg zugelassene Wohnmobil ist nicht mehr verkehrssicher, steht aber seit etlichen Wochen als mobiles Bordell auf dem Parkplatz an der Bundesstraße B69 in Vechta.

Und das Geschäft mit dem schnellen Sex scheint sich zu lohnen. Immer wieder halten Auto- und Lkw-Fahrer an. Einige Männer werden mit der Frau handelseinig, andere wenden sich wieder ab, vor allem, nachdem sie das Innere des Wagens gesehen haben.

„Drinnen sieht es meistens sehr speckig und wenig einladend aus“, weiß Carsten Meinardus aus Erfahrung. Vor allem die hygienische Situation sei oft sehr problematisch. Der Polizeioberkommissar überprüft im gesamten Oldenburger Münsterland das Rotlichtmilieu, auch die mobile Prostitution.

Vor rund fünf Jahren seien erstmals im Kreis Cloppenburg Lovemobile aufgetaucht, seitdem nehme das zu. Die meisten Wohnmobile und Campingwagen stehen demnach im Bereich den Bundesstraße 72 und 401 bis hoch zur A 28.

Nach Erkenntnissen der Polizei sind es vor allem Frauen aus Bulgarien, die tätig sind. Die Beamten versuchen, bei Überprüfungen mit den Prostituierten ins Gespräch zu kommen, um sich auch über Hintergründe und Strukturen zu informieren. Einen Nachweis von Ausbeutung und Menschenhandel habe es aber noch nicht gegeben. „Wenn Betroffene nicht mit uns sprechen, kommen wir da nicht weiter“, beklagt Meinardus.

Eine, die regelmäßig mit Sex-Arbeiterinnen in Kontakt kommt, ist Dorothee Türnau von der Prostituierten-Beratungsstelle Phoenix in Hannover. Der Kontakt zu den Bulgarinnen halte der Verein über eine bulgarische Kollegin, die aufgrund eigener Rotlicht-Berufserfahrung sehr gut Vertrauen zu den Frauen aufbaue. Dies sei umso wichtiger, wenn wirklich Menschenhandel im Spiel sei. Das größere Problem seien aber die rechtlichen Bestimmungen. Gerade Roma-Frauen, hätten, wenn sie nicht lesen und schreiben könnten, Probleme bei der Ausübung der selbstständigen Tätigkeit. Die sexuelle Dienstleistung sei zwar kein Gewerbe, jede Prostituierte brauche aber eine Steuernummer. Schwierig sei es auch, die komplexen Bestimmungen vom Baurecht bis zu den Ordnungswidrigkeiten zu vermitteln.

Der Stadt Vechta ist das schrottige Lovemobil bereits ein Dorn im Auge. „Wir prüfen gerade, ob hier eine Gewerbeausübung vorliegt“, bestätigt Stadtsprecher Herbert Fischer. Wenn ja, liege eine nicht gestattete Sondernutzung vor. „Der Parkplatz ist aber zum Parken da und sonst nichts“, erklärt er. Dann habe der Halter eine Verfügung zu erwarten. „Notfalls schleppen wir ab“, sagt er.

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