Landesmuseum Oldenburg

Ausstellung widmet sich Herkunft von NS-Raubgut

Oldenburg - Die neue Sonderausstellung im Landesmuseum Oldenburg beschäftigt sich mit der Herkunft von möglichem NS-Raubgut in Museen.

Unter den Nationalsozialisten sind viele Juden zwangsenteignet oder zum Verkauf von Kunstwerken gezwungen worden, sagte der Direktor des Oldenburger Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Rainer Stamm. Zahlreiche Gemälde, Skulpturen, Münzsammlungen, Geschirr und auch Möbel seien in Privatbesitz gelangt oder in die Sammlungen von Museen eingegangen. 

Die Schau läuft von heute an bis zum 25. Februar unter dem Titel „Herkunft verpflichtet! Die Geschichte hinter den Werken“. Sie zeigt erstmals, wie die sogenannte Provenienzforschung, die sich mit der möglichst lückenlosen Rekonstruktion der Eigentümerfolge und -verhältnisse beschäftigt, funktioniert und mit welchen Problemen sie zu kämpfen hat, heißt es in der Ankündigung. 

Der Kurator der Schau, Marcus Kenzler, ist einer von nur zwei hauptberuflichen Provenienzforschern in Niedersachsen. Etliche Gegenstände ließen sich aufgrund noch vorhandener Quittungen zwar sehr schnell als Raubkunst einordnen, doch dann beginnt die anstrengende Suche nach den letzten Besitzern“, sagte er. Diese seien meist nicht namentlich in den Unterlagen aufgeführt. 

Suche ist Detektivarbeit

Außerdem sind insbesondere die jüdischen Vorbesitzer zur Flucht gezwungen oder in den Konzentrationslagern getötet worden. Oft gäben Markierungen oder Notizen auf der Rückseite von Gemälden einen Hinweis für die weitere Suche, sagte Kenzler. Ein Großteil der Arbeit sei jedoch die Familienforschung bei der Recherche nach Nachkommen der ursprünglichen Besitzer.

Dies kann durchaus skurril sein: In einem Fall habe er versucht, mit einer 22-jährigen US-Amerikanerin als möglicher Erbin Kontakt aufzunehmen. Sie habe geantwortet, dass sie zu Hause ihre Unterlagen nach ihren Vorfahren durchsuchen wolle. Allerdings müsse sich Kenzler noch drei bis vier Jahre gedulden – sie verbüße derzeit leider eine Haftstrafe.

In einem anderen Fall konnte Kenzler nachweisen, dass der damalige Museumsdirektor Walter Müller-Wulckow im August 1942 in den besetzten Niederlanden ein katalanisches Apothekengefäß von dem jüdischen Kunsthändler Mozes Mogrobi kaufte. Dieser Kauf sei zunächst nicht als ungewöhnlich aufgefallen, da das Oldenburger Museum seit dem Ende der 1920er-Jahre mit Mogrobi regelmäßig gehandelt habe. 

Allerdings stand Mogrobis Geschäft seit 1941 unter der Kontrolle eines deutschen Verwalters. Mogrobi musste 1943 mit seiner Familie untertauchen und wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Nachdem Kenzler die Erben gefunden hatte, gab das Museum ihnen das Gefäß aus dem 18. Jahrhundert im Jahr 2014 zurück und erwarb es erneut für das Museum.

Stücke zeigen persönliche Schicksale

Zu den Exponaten zählt auch eine Waschkommode aus Mahagoni-Holz aus dem 18. Jahrhundert. Sie gehörte Kenzler zufolge der Witwe Rosalie Israels aus dem ostfriesischen Weener. Als im Februar 1940 alle Juden aus Ostfriesland ausgewiesen wurden, quartierte man die Witwe an der Achternstraße 38 in Oldenburg ein. 

Ihr Besitz wurde von den Nazis versteigert und das Museum erwarb die Kommode für 250 Reichsmark. Rosalie Israels kam 1942 im KZ Theresienstadt ums Leben. „Trotz jahrelanger intensiver Suche habe er bis heute keine überlebenden Erben finden können“, sagte Kenzler.

Im Jahr 2000 hatten die ersten öffentlichen Einrichtungen in Deutschland damit begonnen, ihre Bestände auf entzogene Kulturgüter während des NS-Regimes zu untersuchen. Das Oldenburger Haus forscht auf dem Feld seit bereits sieben Jahren und zeigt nun erstmals in einer Schau, wie die Detektivarbeit hinter den Kulissen abgelaufen ist.

Die Ausstellung hat dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene sechs und Kinder vier Euro.  J epd/dpa

Rubriklistenbild: © Landesmuseum Oldenburg

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