Sechseinhalb Jahre Haft für Messer-Attacke

Gericht reduziert Gefängnisstrafe

Oldenburg/Delmenhorst - Im Prozess gegen den 32 Jahre alten kurdischen Familienvater, der in Delmenhorst während einer kurdischen Hochzeit einem Landsmann ein Messer sieben Zentimeter tief in den Kopf gerammt hatte, ist der Angeklagte gestern wegen versuchten Totschlags zu einer Gefängnisstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt worden. Damit änderte die 4. Große Strafkammer des Oldenburger Landgerichtes unter Vorsitz von Richterin Judith Blohm ein früheres Urteil der Oldenburger Schwurgerichtskammer nur geringfügig.

Wie berichtet, hatte die Schwurgerichtskammer den 32-Jährigen im August vergangenen Jahres zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Dieses Urteil war in Teilen aber vom Bundesgerichtshof (BGH) wieder aufgehoben worden. Die Kammer hatte nach Ansicht des BGH im schriftlichen Urteil nicht ausreichend begründet, warum sie nicht von einem minder schweren Fall des versuchten Totschlags ausgegangen ist. Im jetzigen Prozess hat die 4. Große Strafkammer diese Frage noch einmal geprüft und war zu dem gleichen Ergebnis gekommen wie die Schwurgerichtskammer.

Der Angeklagte habe einem Verwandten beistehen wollen, der auf der Hochzeit in eine Schlägerei verwickelt gewesen sei. Die Tat, die nicht lange geplant gewesen sei, tue ihm sehr leid. Der Angeklagte habe sich auch entschuldigt. Er sei besonders haftempfindlich, führe sich im Gefängnis aber gut. Die Tat sei zudem nicht „vollendet“ worden. „Und trotzdem ist es kein minder schwerer Fall eines versuchten Totschlags“, sagte die Vorsitzende Richterin gestern.

Sie wies in diesem Zusammenhang auf die gravierenden Folgen für das Opfer hin. Das sei durch den Vorfall ein gebrochener und hilfloser Mann. Er zittere heute noch vor Angst, könne nicht mehr schlafen und habe sein Kurzzeitgedächtnis verloren. „Die Schäden sind massiv“, stützte die Richterin die Sichtweise der Schwurgerichtskammer.

Im Vergleich zum ersten Urteil gab es gestern aber ein halbes Jahr weniger Strafe. Im Gegensatz zum ersten Prozess wertete das Gericht nicht mehr strafverschärfend, dass die Hochzeit damals durch die Tat vorzeitig beendet werden musste und die Brautleute nicht mehr alle Geschenke bekommen hatten.

wz

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