Raubtier überwand als sicher eingestuften Zaun: Nun droht Abschuss

Experte: „Ich würde die Wölfin opfern“

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Tino Barth, der in Goldenstedt Morrschnucken hält, ist entsetzt über das Verhalten der Wölfin. Das Tier überwand einen 1,40 Meter hohen Zaun und verletzte oder tötete zahlreiche Tiere.

Goldenstedt - Von Matthias Niehues. Der Schrecken durchfuhr Tino Barth, als er am Montagmorgen die Weide mit seinen Moorschnucken in Goldenstedt aufsuchte. Ein Muttertier lag tot am Boden, bei weiteren Schafen war die Wolle am Hals blutrot gefärbt, andere hinkten. Kurze Zeit später bestätigten ihm die Wolfsberater Dr. Torsten Schumacher und Bernd Eilers die schlimmsten Befürchtungen. „Alle Spuren deuten auf einen Wolf hin. Das kann kein anderes Tier so verursacht haben“, war sich Tierarzt Schumacher sicher.

Die Wolfsberater hatten zuvor Trittsiegel im geschnürten Schritt auf dem Acker entdeckt, offensichtlich Fußabdrücke eines Wolfes, die direkt zum Zaun führen. Die Spuren zeigen, dass das Raubtier an dieser Stelle die rund 1,40 Meter hohe und unter Strom gesetzte Begrenzung übersprungen hat.

Auch die Bissspuren an den Tieren waren wolfs-typisch. Bei zwei Tieren war der Brustraum aufgerissen, bei einem konnten die Männer das Schlagen des Herzens erkennen. Die Bilanz: Ein totes Tier, zwei verletzte und drei schwer verletzte, die eingeschläfert werden müssen.

Erst am Morgen hatte Schafhalter Barth erfahren, dass beim letzten Riss auf einer Weide am Hartensbergsee mit 16 betroffenen Tieren ein Wolf als Verursacher genetisch festgestellt wurde. Die Herde galt als wolfs-sicher eingezäunt.

Nach dem Vorfall, bei dem in Niedersachsen erstmals ein Wolf eine als sicher geltende Einzäunung überwunden hatte, schickte das Wolfsbüro Material, um den Zaun abermals zu erhöhen. Damit waren nun auch die Moorschnucken geschützt.

Den Zaun hatte erst vor wenigen Tagen Frank Faß, Leiter des Wolfcenters Dörverden, besichtigt und als „mehr als vorbildlich“ eingestuft. „Wenn der darüber springt, ist der Wolf über“, hatte er gesagt. Dazu steht Faß auch heute. „Einen Zaun von 1,40 Meter Höhe hat auch in Sachsen noch kein Wolf übersprungen. Ich würde die Wölfin opfern“, sagt der Experte.

Gleicher Meinung ist auch Ernst-Ingolf Angermann. Der CDU-Landtagsabgeordnete reiste extra aus Celle an, um sich vor Ort ein Bild zu machen. „Bei der Anhörung am 4. Oktober hatte Staatssekretärin Kottwitz gesagt, es muss erst mehr passieren, bevor der Wolf entnommen wird. Dann muss sie jetzt zur ihrem Wort stehen und Taten folgen lassen“, betonte er.

Da sich das Raubtier aus Tierschutzgründen nicht in einem Gehege halten lasse, komme nur ein Abschuss in Betracht. Wenn der Wolf mit der Tierhaltung laut Angermann nicht verträglich sei, habe dieser nach seiner Auffassung keine Berechtigung. Auch für die Akzeptanz des Wolfes allgemein sei es besser, das rissauffällige Tier zu entnehmen.

Sowohl Faß als auch Angermann zeigten sich enttäuscht, dass trotz mehrfacher Bitten niemand von Wolfsbüro oder Umweltministerium nach Goldenstedt gekommen war, um die Situation in Augenschein zu nehmen.

Dafür trudelten im Laufe des Montags gleich fünf Kamerateams ein. Die auffällige Wölfin erzeugt inzwischen bundesweites Medieninteresse.

Tino Barth, der wie kein anderer Schafhalter in Niedersachsen Herdenschutz betreibt, machte seinem Ärger Luft: „Es gibt weniger Moorschnucken als Wölfe in Europa. Diese Schafrasse ist vom Aussterben bedroht. Ich mache alles, um sie zu erhalten, war dreimal hintereinander mit dieser Herde Bundessieger. Ich kann nicht verstehen, dass ein grüner Umweltminister es zulässt, dass die Arterhaltung von einem einzigen Wolf kaputt gemacht wird.“

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