Oldenburger Fachtagung zur Situation mobiler Beschäftigter

Olaf Lies fordert schärfere Grenzkontrollen

+
Der Minister und seine mobilen Beraterinnen: Olaf Lies lobte Mariya Krumnova (links) und Daniela Reim für ihr Engagement für Werkvertragsbeschäftigte im Raum Oldenburg.

Oldenburg - Von Matthias Niehues. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) ist überzeugt, dass bei der Bekämpfung von Werkvertragsmissbrauch noch viel Arbeit investiert werden muss. Das machte er am Mittwoch während einer Fachtagung zur Situation mobiler Beschäftigter in Oldenburg deutlich. Dabei gibt es bereits eine Beratungsstelle, an die sich Werkarbeiter bei Problemen wenden können.

Einblicke in ihre Arbeit vermittelten vier Mitarbeiterinnen der drei Beratungsstellen für mobile Beschäftigte in Oldenburg. Rund 4000 Beratungsgespräche führte demnach die seitens des Landes unterstützte Einrichtung, deren Ziel es ist, Werkvertragsarbeiter zu beraten und zu helfen. Zu den Referentinnen gehörten auch die beiden Beraterinnen für das Oldenburger Münsterland, Daniela Reim und Mariya Krumnova, die mit der Schilderung von erlebten Einzelschicksalen deutlich machten, in welche Abhängigkeit sich oftmals osteuropäische Arbeitskräfte begeben und welcher Willkür sie ausgesetzt sind.

Reim sagte: „Die Angst gehört zum System.“ Sie ist diejenige, die dem Rumänen Stefan Decebal dabei hilft, seine Entschädigung zu bekommen, nachdem er bei der Arbeit in einer Schlachterei in Cappeln schwer an der Hand verletzt wurde (wir berichteten).

„Sie machen einen tollen Job“, lobte Olaf Lies das Engagement der Beraterinnen. Das helfe, einen reales Bild der Situation zu bekommen. Als es 2010 erste Hinweise im Landtag zu Werkvertragsmissbrauch gegeben habe, sei von Einzelfällen die Rede gewesen.

Die Gesamtsituation habe sich dann aber ganz anders dargestellt: „Das ist etwas, wofür wir uns in Deutschland auch schämen müssen.“ Die Beratungsgespräche spiegelten oft die nach wie vor unzumutbaren Arbeits- und Lebensbedingungen wider. Probleme gebe es zudem bei der Krankenversorgung und bei der Unterbringung. Der Wirtschaftsminister forderte dazu auf, weiter verschärft zu kontrollieren und bei Verstößen hart durchzugreifen. Die versprochene Personalaufstockung beim Zoll auf 1600 Stellen müsse zügig umgesetzt werden, die Kommunikation von Zoll und Behörden verbessert werden.

Beim zu hohen Anteil von Werkvertragsbeschäftigten sieht Olaf Lies aber weiterhin das Kernproblem. „Unsere Forderung ist, dass das Verhältnis der Stamm- zu Werkvertragsbeschäftigten von derzeit manchmal 20 Prozent zu 80 Prozent umgekehrt wird – und das nicht irgendwann, sondern möglichst innerhalb der nächsten drei Jahre“, machte er deutlich.

Er sagte aber auch: „Im Kampf gegen den Missbrauch von Werkverträgen haben wir schon viel erreicht.“ Niedersachsen nehme hier bundesweit eine Vorreiterrolle ein. „Aber wir sind noch nicht am Ziel“, betonte er.

Mehr zum Thema:

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

Meistgelesene Artikel

Entenschlachterei am Westring fällt im Ausschuss durch

Entenschlachterei am Westring fällt im Ausschuss durch

Vater wird aus Sorge um kranke Tochter zum Betrüger

Vater wird aus Sorge um kranke Tochter zum Betrüger

Spascher Sand wächst und möchte es warm haben

Spascher Sand wächst und möchte es warm haben

Meister Langhorst wollte kleinen Pöks nicht einstellen

Meister Langhorst wollte kleinen Pöks nicht einstellen

Kommentare