Für die Weihnachtsgeschichte reicht eine Kugel

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Louis Pfeiffer hält eine von ihm beschriftete Weihnachtskugel in der Hand. Seit sieben Jahren gestaltet der Rentner Weihnachtskugeln auf diese Weise.

Oldenburg - Von Irena Güttel. Basteln heißt jetzt „Do it yourself“ - und ist zu Weihnachten besonders angesagt. Das ist aber nicht der Grund für Louis Pfeiffers Hobby:Er schreibt die Weihnachtsgeschichte auf Christbaumkugeln. Einfach nur so, weil es ihm Spaß macht.

Louis Pfeiffer kennt die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel in- und auswendig. Jeden Tag schreibt er sie einmal auf. Nicht auf Papier, sondern auf eine Weihnachtskugel in Standardgröße, das ist die Herausforderung. Seit sieben Jahren gestaltet der Oldenburger Rentner Christbaumschmuck auf diese Weise - und liegt damit voll im Selbermach-Trend, der gerade zu Weihnachten Hochsaison hat. Handgefertigte Deko und Geschenke sind ein Statement gegen den Konsumterror und gelten als besonders exklusiv. Die weißen Lackstifte für Pfeiffers Tageswerk liegen auf dem Wohnzimmertisch schon griffbereit.

Der 66-Jährige schüttelt einen kräftig, pumpt zweimal und kritzelt etwas auf einer rauen Pappe herum, um getrocknete Farbe zu lösen. Dann nimmt er eine rote Weihnachtskugel in die Hand und fängt langsam an zu schreiben. Einen winzigen Buchstaben nach den anderen, gut lesbar in akkurater Blockschrift. Eineinhalb Stunden braucht er pro Kugel - wenn er sich nicht verschreibt oder mit seinem Daumen das hauchdünne Glas zerstößt. „Man braucht eine ruhige Hand und eine Grundgelassenheit“, sagt Pfeiffer und grinst. „Natürlich fallen immer nur die fertigen Kugeln runter.“ Worüber sich der 66-Jährige aber nicht sonderlich aufzuregen scheint. Schließlich ist das Ganze nur ein Hobby - und dazu noch eins, zu dem er eher zufällig kam. Denn Pfeiffer ist noch nicht einmal in der Kirche.

 Eine Bekannte hatte ihm vor ein paar Jahren eine Christbaumkugel mit der Weihnachtsgeschichte drauf geschenkt. Beim Lesen stellte er aber fest, dass ganze Sätze fehlten und auch das Ende anders war. „Ich hab' gedacht, das muss doch vollständig draufpassen. Da hat mich dann der Ehrgeiz gepackt.“ Seine Kugeln verkauft Pfeiffer für ein paar Euro auf Adventsmärkten in der Region. Gerne erfüllt er auch Sonderwünsche, schreibt persönliche Widmungen auf die Kugeln oder fertigt diese sogar ganz nach den Vorstellungen der Kunden an - was heutzutage zunehmend gefragt ist, wie Trendforscher Andreas Steinle erläutert. „Jeder möchte besonders sein und umgibt sich deshalb gerne mit Unikaten. Und Selbstgemachtes ist immer ein Unikat.“

Do it yourself - kurz DIY - nennen Anhänger die Bewegung, mit der sie sich der Massenproduktion widersetzen wollen. Basteln und Handarbeit sind längst nicht mehr nur was für Kinder oder Mauerblümchen. Es wird wieder leidenschaftlich gekocht, gestrickt, gezimmert und gegärtnert. Befördert wird das Ganze durch das Internet, wo DIY-Fans ihre neusten Kreationen bewundern lassen und auf Online-Marktplätzen wie Dawanda verkaufen. „Do it Yourself ist für viele zur Lebenseinstellung geworden“, sagt Dawanda-Gründerin Claudia Helming. Damit unterstreicht man, was einem wichtig ist, wofür man sich also bewusst Zeit nimmt statt es schnell irgendwo zu kaufen. Für Weihnachtsbaum und Adventskranz heißt das: eigene Kreationen statt quietschbunte Plastikkugeln und Lametta vom Discounter um die Ecke.

Bei den Selbermachern seien in diesem Jahr vor allem natürliche Materialien wie Holz, Eicheln, Zapfen und Walnüsse, geometrische Formen und minimalistisch gestaltete Weihnachtskugeln angesagt, sagt Helming. Seine Kugeln im Internet an einen noch größeren Kundenkreis zu verkaufen, daran hat Louis Pfeiffer jedoch kein Interesse. Eine, höchstens zwei beschreibt er pro Tag, keine mehr. „Das wäre sonst fabrikmäßiges Abarbeiten. Dazu habe ich keine Lust.“ Auch bei seinem Weihnachtbaum setzt er nicht auf Trends, sondern auf Tradition. „Wir haben von Kindheit an den Baum immer gleich geschmückt. Dabei ist es geblieben“, sagt Pfeiffer. Da haben selbst seine eigenen Kugeln keine Chance.
dpa

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