Britisch-altmodisch

Wo Tweed zum Dresscode gehört: Radler auf Nostalgie-Sause

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180 Teilnehmer beim „Tweed Run“

Oldenburg - Von Julia Dutta. Beim „Tweed Run“ wird die britische Lebensart zelebriert: Männer und Frauen radeln in historischer Kleidung durch die Stadt. Am Ende gibt es englisches Gebäck - und natürlich Tee.

Schiebermützen, Tweed-Sakkos und Karomuster, wohin der Blick auch fällt. Dazu historische Zweiräder, die teils aus den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts stammen. So gewandet und ausgerüstet machten sich rund 180 Menschen in Oldenburg auf den 5. „Tweed Run“. Was das ist? Eine historische Fahrradtour durch die Innenstadt. Auf einer Strecke von zehn englischen Meilen ging es am Sonntag bei der Nostalgie-Sause in historischen Kostümen keinesfalls um Tempo, sondern um den besten Stil nach britischem Vorbild. Und vor allem um die Freude an der englischen Lebensart.

So skurril die Szenerie auf den ersten Blick auch wirken mag, sie ist keinesfalls ein verrückter Einfall Einzelner. Die Wiege des „Tweed Run“ steht in Großbritannien, dort wurde die Veranstaltung geboren, und die Tradition ist in London vor wenigen Jahren wiederbelebt worden. In Oldenburg haben Einzelhändler und Gastronomen, die sich zu „Oldenburgs beste Adressen“ zusammengeschlossen haben, die Idee vor fünf Jahren erstmals aufgegriffen. „Wir fanden die Idee charmant und klasse. In der Stadt gibt es genug Leute, die Spaß an etwas Verrücktem haben“, erklärte Organisator Oliver Sklorz.

Der Oldenburger „Tweed Run“ ist nach seinen Angaben bundesweit der wohl teilnehmerstärkste. Weitere Treffen dieser Art gibt es beispielsweise in Berlin oder Stuttgart. Der Oldenburger „Tweed Run“ hat über die Jahre große Strahlkraft entwickelt: Vor der historischen Kulisse des Schlosses gingen etwa Teilnehmer aus Hannover, Hamburg, Schwerin und Wuppertal an den Start. Allen gemein ist die Begeisterung für britische Kultur und Mode. Frauen und Männer jeden Alters radelten mit und legten bei Zweirad und Outfit größten Wert auf Stiltreue. Über die Liebe zu alten Fahrrädern ist Thomas Pahl aus Hildesheim zum „Tweed Run“ gekommen. In Oldenburg ist er schon mehrfach an den Start gegangen.

„Das hier ist meine Art des Punk-Seins“, sagte der 48-Jährige, der auch alltags gerne Tweed trägt, über seine Passion. Die alten Räder, mit denen er startet, findet er meistens aus dem Internet, die passende Kleidung holt er vom Fachhandel oder lässt sie schneidern. Inspiration holen sich die Teilnehmer vor allem bei Gleichgesinnten. „Hier gibt es so viele tolle Sachen zu entdecken. Es geht doch auch ums Sehen und Gesehenwerden“, meinte der 33 Jahre alte Florian Bochnig aus Hannover.

Vorbei an den historischen Gebäuden, die die fahrradfreundliche ehemalige Residenzstadt zahlreich zu bieten hat, sollte die Tour die Teilnehmer zum Abschluss zu einem typisch britischen „High-Tea“ mit Tee, Limonade und Scones, dem traditionellen englischen Teegebäck, führen. Preise werden beim „Tweed Run“ auch vergeben, allerdings keinesfalls für die beste Zeit. Prämiert werden stattdessen das originellste Kostüm oder das schönste historische Fahrrad. Tempo ist nicht immer Trumpf.
dpa

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