Angeklagter droht mit Suizid

Lieber Selbstmord als Gefängnis

Cloppenburg/Oldenburg - Wenn er ins Gefängnis müsse, werde er sich das Leben nehmen. Das hat gestern ein Familienvater aus dem Landkreis Cloppenburg während einer Berufungsverhandlung vor dem Oldenburger Landgericht erklärt.

Dort wollte der 49-Jährige ein Urteil des Cloppenburger Amtsgerichtes ungeschehen machen. Das hatte ihn in einem ersten Prozess wegen Betruges zu einer Geldstrafe von 600 Euro (40 Tagessätze zu je 15 Euro) verurteilt. Das Amtsgericht war davon überzeugt gewesen, dass der Angeklagte das Cloppenburger Jobcenter betrogen hatte. Eine Arbeitsaufnahme habe der 49-Jährige zu spät gemeldet, sodass es für ein bis zwei Monate zu einer Überbezahlung gekommen sei, so die Feststellungen. Doch das wollte der Angeklagte nicht akzeptieren. Er sieht viele andere schuldig, nur nicht sich selbst. Das Landgericht reduzierte zwar die Geldstrafe auf nunmehr 350 Euro (35 Tagessätze zu je zehn Euro), von der Schuld des Angeklagten ging aber auch die Berufungskammer aus.

Der 49-Jährige ahnte schon vor der Urteilsverkündung, was ihm blühte. Jedenfalls sprang er plötzlich auf und verkündete, dass er sich das Leben nehme, wenn die Polizei komme, um ihn abzuholen. Sprach‘s und verließ während der laufenden Verhandlung den Sitzungssaal. In seiner Abwesenheit wurde dann zu Ende verhandelt. Der Familienvater ist ein gebrochener Mann. Sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Leben hat er den eigenen Angaben zufolge Schiffbruch erlitten. Er hat sehr hohe Schulden und leidet an Depressionen. Derzeit lebt er von Hartz IV. Die Geldstrafe, die gegen ihn verhängt worden ist, kann und will er nicht bezahlen. Weigert er sich hartnäckig, muss er Ersatzhaft antreten. Nach dem gestrigen Urteil sind das 35 Tage Gefängnis.

wz

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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