Niedersächsisches Umweltministerium führt Pilotprojekt durch

Esel zum Schutz von Schafherden vor Wölfen?

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Zusammen mit Esel-Dame „Zora“ passt „Molly“ (unser Bild) auf rund 100 Schafe an der Hunte auf. Für Schutz sorgt zudem ein doppelter Elektrozaun.

Goldenstedt - Von Matthias Niehues. Die Szenerie wirkt zuerst sehr ruhig. Rund hundert Schafe und Lämmer grasen zusammen mit zwei Eseln auf einer Naturschutzfläche des LandkreisesVechta an der Hunte in Einen. Plötzlich richtet ein Esel seinen Kopf hoch, spitzt die Ohren und brüllt laut „I-ah“ im „Dauerfeuer“. Erst wenig später wird ein Hund sichtbar, der sich der Weide nähert und erschrocken stehen bleibt.

Vor wenigen Tagen hat Schäfer Tino Barth seine erste von drei Herden in die Natur gebracht. Nach den vielen Wolfsrissen im Bereich Goldenstedt und Barnstorf war er der erste Nutztierhalter in der Region, der sich Esel zum Schutz vor Wölfen zulegte.

Noch fördert das Land Niedersachsen bei Herdenschutzmaßnahmen aber nur die Anschaffung bestimmter Hunderassen. Esel sind bisher nicht vorgesehen. Als Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz Anfang des Jahres Goldenstedt besuchte, ließ sie sich auch Barths Esel zeigen. Nach anfänglicher Skepsis entschied sie sich für ein Pilotprojekt, um die Wirksamkeit dieser Tiere beim Schutz vor Wölfen zu untersuchen.

Durchgeführt wird das Projekt jetzt mit den beiden Schäfern Tino Barth und Werner Olschewski, die beide ihre Tiere im Raum Goldenstedt weiden lassen. Ein erstes Treffen in Hannover hat es vor kurzem gegeben. Bald sollen auch geeignete Esel für Olschewski angeschafft sein, damit der Startschuss fallen kann. Tino Barth ist jedenfalls schon vor Projektbeginn von seinen Tieren angetan und von der Wirksamkeit überzeugt. Über die Wintermonate hatte er die Esel mit den Leitböcken der Schafherden zusammengebracht, damit sich die Tiere aneinander gewöhnen können. „Eingesetzt werden nur Eselinnen, weil die gegenüber den jungen Lämmern zurückhaltender sind“, erklärt Barth. Gezeigt habe sich, dass gerade die jungen, noch verspielten Lämmer den Herdenverband förderten. „Die gehen auf die Esel zu und stupsen sie spielerisch an“, so Barth. „Wenn die beobachtenden Muttertiere sehen, dass den Kleinen nichts passiert, fügt das Esel und Schafe zusammen.“ Grundsätzlich schütze der Esel aber nicht die Schafherde, sondern das eigene Territorium. Er reagierte vor allem auf alles Hundeartige. Während Schafe lautlos wegliefen und dadurch den Jagdinstinkt eines Hundes oder Wolfes auslösten, gehe der Esel direkt auf den Eindringling zu und vertreibe ihn mit lauten „I-ah“-Rufen. Erst wenn das nicht helfe, würden die Langohren auch zutreten. Barth setzt auf Hausesel mit vorhandenen Urinstinkten, damit die Tiere anschlagen. Schwere Großesel hält er für weniger geeignet, weil sie wegen ihres Gewichts den Boden zu sehr schädigten.

Wie eindrucksvoll die Langohren ihr Territorium verteidigen, durfte jetzt ein Fernsehteam erleben. Die Esel gingen nach Schilderung des Schäfers zum Angriff über. Die Leute hätten gerade noch rechtzeitig sich selbst und die Kamera in Sicherheit bringen können.

Allein auf Esel zum Schutz vor Wölfen setzt auch Tino Barth nicht. Er hat sich gut informiert und gleich zwei Elektrozäune im Abstand von 50 Zentimetern hintereinander aufgestellt. Der erste besteht aus vier Litzen, eine davon als Untergrabschutz knapp über dem Boden; der zweite steht dicht hinter dem anderen, damit der Wolf die Abstände für einen Sprung nicht einschätzen kann. „Zusammen mit dem Eselgeschrei verwirrt ihn das so sehr, dass sich der Wolf nicht an die Herde traut“, ist sich Barth sicher.

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