Ein Gespräch über Streitkultur, Kreisverkehre und Schulen

Nach 40 Jahren verlässt Bode die politische Bühne

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28 Jahre saß Ernst-August Bode im Dötlinger Rat, 25 Jahre im Kreistag. Nun möchte er kürzer treten. 

Ostrittrum - Von Tanja Schneider. Kommunalpolitik ohne Ernst-August Bode? Für manch einen im Landkreis Oldenburg ist dies schwer vorstellbar. Immerhin mischt der Liberale seit vier Jahrzehnten mit. 28 Jahre lang saß er im Dötlinger Gemeinderat. Seit 1991 gehört Bode dem Kreistag an. „Nun ist es genug“, sagt der Ostrittrumer, der am Sonnabend seinen 77. Geburtstag feiert. Bei der Kommunalwahl am 11. September tritt er nicht wieder an. Es sei an der Zeit, kürzer zu treten und Aufgaben abzugeben.

Auf die vergangenen 40 Jahre blickt er mit gemischten Gefühlen zurück. Es gab Entscheidungen, über die er sich sehr gefreut habe, aber auch solche, die ihn richtig gewurmt hätten. „Insgesamt gesehen, war es eine schöne Zeit“, sagt Bode, dessen Steckenpferde immer die Bildungspolitik sowie der Straßen- und Radwegebau waren. Bei seinen politischen Mitstreitern ist er unter anderem für seine Hartnäckigkeit, hitzige Diskussionen und seine Vorliebe für Kreisverkehre bekannt. „Von Letzteren bin ich wirklich ein Fan. Wir haben im Landkreis viel zu wenige“, bestätigt er. Auch eine gesunde Streitkultur sei nicht zu verachten. „Sie hat sich leider im Laufe der Zeit verändert. Das beklage ich.“ Gerne erinnert er sich an Jahre, in denen es während der Sitzungen noch hitzige Debatten gab. „Mit Manfred Rebensburg und Linda Vietor im Kreistag ging das früher besonders gut. Nun muss man schon selbst eine Diskussion anzetteln, sonst passiert nichts“, sagt er. „Heutzutage wird leider viel im Vorfeld abgesprochen. Ein Großteil, wenn nicht sogar 95 Prozent der Entscheidungen sind einstimmig“, berichtet er.

„Man darf sich nicht unterkriegen lassen.“

Ohnehin habe die Politik früher zu Zeiten der Eingleisigkeit, als es noch keinen haupt-, sondern einen ehrenamtlichen Bürgermeister gab, größeren Einfluss gehabt. „Mittlerweile gibt die Verwaltung ja viel vor, und so einiges wird von der Politik nur abgehakt“, bemängelt er. Sein Tipp für künftige Rats- und Kreistagsmitglieder lautet deshalb: „Man darf sich nicht unterkriegen lassen, auch nicht von der Verwaltung.“ Die Politik müsse ihren Gestaltungsspielraum nutzen. In diesem Zusammenhang wäre auch mehr Bürgernähe wünschenswert.

Gut kann sich Bode noch an seine erste Sitzung als Dötlinger Ratsherr im Jahr 1976 erinnern. „Da ging es gleich ans Eingemachte. Wir mussten den ehrenamtlichen Bürgermeister wählen“, blickt Bode zurück. Die FDP bildete seinerzeit eine Gruppe mit der SPD. Um sich gegen die CDU durchsetzen zu können, sicherte man sich noch die Stimme des damaligen NPD-Abgeordneten. „Das war schon ein heißes Eisen“, so Bode über seine erste Ratserfahrung. Es führte aber zum Erfolg – Otto Flege wurde Bürgermeister.

Eines der großen Streitthemen während seiner Zeit im Gemeinderat sei die Ansiedlung der BEB gewesen. Der Erdgasporenspeicher stieß nicht bei allen auf Gegenliebe. „Die dadurch eingenommene Gewerbesteuer kam letztlich aber der gesamten Gemeinde zugute“, weiß der Ostrittrumer, der aus einem durch und durch liberalen Elternhaus stammt. Schon im Alter von 16 Jahren trat er den Jungdemokraten bei, 1959 folgte der FDP-Beitritt. „Zwei oder drei Jahre später habe ich erstmals bei einer Kommunalwahl kandidiert“, erinnert sich der in Hohenkirchen (Landkreis Friesland) geborene Bode. Damals wollte er in den Oldenburger Stadtrat. Nach seiner Heirat 1967 verschlug es ihn nach Ostrittrum. Fünf Jahre später startete er seinen ersten Versuch, in den Dötlinger Gemeinderat einzuziehen – und scheiterte knapp. „Wegen Stimmgleichheit musste gelost werden“, erinnert sich Bode, der den Kürzeren zog. Vier Jahre später klappte es dann. Fast drei Jahrzehnte lang gestaltete er die Geschicke der Kommune mit, ehe er kurz vor Ablauf der Ratsperiode sein Mandat niederlegte. Jüngere sollten ran, er konzentrierte sich auf die Arbeit im Kreistag.

Bode ärgerst sich über langsamen Schulausbau

Und dort gab und gibt es so einige Themen die ihm am Herzen liegen. „Neben dem Umwelt- und Naturschutz ist es vor allem die Bildungspolitik“, sagt Bode, der in diesem Zusammenhang etwas ungeduldig ist. „Der Ausbau der kreiseigenen Schulen geht mir einfach zu langsam. Das sind Dauerbaustellen“, kritisiert er. „Ich sage immer: Es ist schön, dass wir keine Schulden machen, aber wir machen uns schuldig, wenn wir dem Nachwuchs keine optimalen Unterrichtsmöglichkeiten zur Verfügung stellen.“ Noch mehr könnte sich der Liberale beim Thema „Windkraft“ ärgern. „Unser Antrag im Kreistag auf 1 000 Meter Abstand zwischen Anlagen und Wohnhäusern ist bis heute nicht behandelt worden“, moniert er. Positiv haben sich seiner Meinung nach der Radwegebau und die Wirtschaft entwickelt.

Der FDP bleibt Bode erhalten. So manches Thema wird er weiterhin verfolgen. Ansonsten freut sich der zweifache Opa, nun mehr Zeit mit der Familie, im Garten, auf dem Rad und auf dem Hochsitz verbringen zu können. „Vielleicht fange ich auch an zu schreiben“, überlegt er. „Es gibt viele Dinge, die es wert sind, festgehalten zu werden.“

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