Mourad Önder und Lena Papapitsilis: Polizisten mit ausländischen Wurzeln

Vermittler zwischen den Kulturen

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Polizeianwärter Mourad Önder (r.) lässt sich eine Gasspürpumpe erklären.

Oldenburg - Von Irena Güttel. Dass ihn Menschen auf der Straße befremdet anschauen, das kennt Mourad Önder. Dunkle Haare, dunkle Augen - seine arabischen Wurzeln sind dem 18-Jährigen eindeutig anzusehen. Er selbst ist zwar in Deutschland geboren worden. Sein Vater stammt aber aus der Türkei, seine Mutter aus dem Libanon.

Polizeianwärterin Lena Papapitsilis.

„Blicke kann man nicht verhindern. Das lässt aber schnell nach, wenn man sich unterhält“, sagt er. Miteinander zu reden sei ebendas beste Mittel gegen Vorurteile und Missverständnisse. Diese Erfahrung will der junge Mann aus Hildesheim jetzt bei der Polizei einbringen. Im Oktober beginnt er mit dem Studium an der niedersächsischen Polizeiakademie. Fast 1100 künftige Kommissare stellt die Polizei in diesem Jahr neu ein - so viele wie seit 35 Jahren nicht mehr. Und auch der Anteil der Nachwuchskräfte mit Migrationshintergrund steigt. „Eine Polizei kann nur so gut sein wie sie in Teilen ein Spiegel der Gesellschaft ist“, sagt Innenminister Boris Pistorius (SPD). Flüchtlinge und andere Zuwanderer strömen nach Deutschland, die Gesellschaft wird vielfältiger. Die Bürger sprechen zunehmend unterschiedliche Sprachen und sind geprägt durch andere Kulturen - was auch eine Herausforderung für die Ordnungshüter ist.

Seit einigen Jahren wirbt die Polizeideshalb gezielt um junge Menschen wie Önder. Im vergangenen Jahr hatten etwa 13 Prozent der Polizeianwärter ausländische Wurzeln, 2007 waren es noch rund 4 Prozent. Zur Polizei zu gehen war für Önder schon immer ein Kindheitstraum. Als Mittler zwischen den Kulturen sieht er sich zwar nicht in erster Linie. Aber er ist sicher, dass ihm seine Herkunft gerade wegen der vielen Flüchtlinge bei der Arbeit helfen wird: „Viele kommen aus dem Raum, wo ich die Kultur und die Sprache kenne.“ Neben Deutsch spricht Önder Arabisch, Türkisch, Englisch und Französisch - damit ist er quasi der Inbegriff von Multikulti.

Auch Lena Papapitsilis wollte von klein auf Polizistin werden. „Ich habe ein großes Gerechtigkeitsempfinden“, sagt die 18-Jährige aus Buchholz. Schon in der Schule war sie Streitschlichterin. Zu vermitteln, Kompromisse zu suchen und auf andere zu zugehen hat sie bereits zuhause gelernt. Ihr Vater stammt aus Griechenland. Dort verbringt sie regelmäßig ihren Urlaub, um die vielen Verwandten zu treffen. „Es ist schon eine Bereicherung, wenn man gelernt hat, andere Kulturen zu verstehen und Rücksicht auf sie zu nehmen.“

Das bestätigt der Leiter der Polizeiakademie, Dieter Buskohl. Polizisten mit Migrationshintergrund könnten bei ihren Kollegen für mehr Verständnis für fremde Kulturen werben und im Einsatz für Entspannung in schwierigen Situationen sorgen. Manche Zuwandererempfänden es als befremdlich, wie die deutsche Polizei arbeite, sagt Buskohl. Im Gegensatz zu den Ordnungshütern in anderen Ländern setze diese vor allem auf Deeskalation. „Das führt natürlich dazu, dass es mehr Akzeptanzprobleme gibt.“

In Niedersachsen sind nach Angaben des Innenministeriums zurzeit rund 720 Polizisten mit ausländischen Wurzeln im Dienst, was einem Anteil von3,6 Prozent entspricht. Damit will sich die Polizei aber nicht zufrieden geben- und wirbt gleich auf mehreren Kanälen um Nachwuchs mit Migrationshintergrund: etwa in sozialen Medien, mit Flyern, in fremdsprachigen Zeitungen,in Moscheen und mit jugendlichen „Polizei-Scouts“.

Bei Önder und Papapitsilis gab das am Ende jedoch nicht den Ausschlag. Es waren persönliche Kontakte. Önder überzeugte ein Freund, der bereits an der Polizeiakademie in Nienburg studiert. Bei Papapitsilis war es die Schwester, die dort ebenfalls die dreijährige Ausbildung absolviert.

dpa

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