Mohamed aus Syrien ist beim Workshop „Wir drehen einen Film“ dabei

Mohamed hatte auf dem kleinen Boot tüchtig Angst

Ein erster Probedreh: Lina Zacher eklärt Mohamed die Kamera. Er zeigt großes Interesse an der Technik. - Foto: Dejo

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Der 13-jährige Mohamed kann es kaum abwarten, bis es endlich losgeht. Er ist eines der Kinder, die sich im Wildeshauser Jugendzentrum „Jott-Zett“ an dem fünftägigen Workshop „Wir drehen einen Film“ beteiligen. Unter der Leitung der Kunstpädagogik-Studentin Lina Zacher und der Flüchtlingsberaterin der Diakonie, Julia Gunder, geht bis Sonnabend eine integratives Filmprojekt über die Bühne.

„Ich studiere in Halle an der Saale. Vor einem Jahr habe ich mit einer Freundin den Verein ,Mio‘ gegründet“, erzählt Zacher. Dieser Verein beschäftige sich mit dem Kulturaustausch: „Wir bieten interkulturelle Projekte an, um die Kulturen miteinander zu verbinden.“ Aus diesem Grund gehörten geflüchtete Kinder ebenso zur Mannschaft wie deutsche: „Unser Ziel ist es, die Sonderheiten der verschiedenen Kulturen heraus zu arbeiten sowie aufzuzeigen und damit dazu anzuregen, dass jeder den Anderen auch verstehen sollte.“

Sehr interessiert an den Kameras zeigt sich Mohamed, der vor knapp einem Jahr mit seiner Familie und einigen Verwandten nach Wildeshausen gekommen ist. Noch sehr gut kann er sich an die strapaziöse Flucht aus Syrien erinnern: „Wir sind mit einem Boot mit 36 Menschen von der Türkei nach Griechenland gefahren.“ Die Familie habe ihr Zuhause wegen des Krieges verlassen: „Mein Onkel ist dort gestorben.“

Und der aufgeweckte Junge macht keinen Hehl daraus, dass er auf dem besagten Boot tüchtig Angst hatte: „Es war sehr viel Wind, sodass das Schiff stark schaukelte. Da hatte ich schon Angst, dass etwas passiert.“ Von Griechenland aus ging es zunächst mit dem Bus und dem Zug weiter: „Dann mussten wir nochmal auf ein großes Schiff. Diese Fahrt war aber gut, dabei hatte ich keine Angst.“ Mit dem Bus seien sie dann nach Deutschland und schließlich nach Wildeshausen gefahren.

In dem Projekt, dass aus mehreren kleinen Filmen besteht, möchte sich der 13-Jährige als Fußballer im VfL Wittekind präsentieren. „Es macht viel Spaß in dem Verein, die sind alle sehr nett zu mir. Da ist niemand, der etwas Schlechtes über Flüchlinge sagt. Ich fühle mich hier wirklich sehr wohl.“

„Genau das ist unser Bestreben, wir möchten den Kindern und Jugendlichen eine Plattform bieten, sich vorzustellen und zu erzählen, was sie am liebsten machen oder wie die Kultur in ihrem Heimatland aussieht“, betont Zacher. Dabei könne es sich von der Kochkultur bis hin zur Freizeitgestaltung mit den landestypischen Tänzen um alles handeln: „Nur so ist es möglich, anderen Kindern die fremden Kulturen näher zu bringen, damit sie lernen, diese auch zu verstehen.“ Das sei ein sehr wichtiger Punkt für ein gesundes Miteinander: „Die Teilnehmer können selber und spontan entscheiden, was ihnen am wichtigsten ist und was sie präsentieren möchten.

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