Lebensgefährliche Attacke kostet den Täter 30000 Euro – aber ins Gefängnis muss er nicht

Türsteher greift Gast mit Bierflasche an

Vechta/Oldenburg - Weil er den Besucher einer Bar in Vechta mit einer Bierflasche lebensgefährlich verletzt hat, muss ein Türsteher 30000 Euro Behandlungskosten zahlen und ist wegen gefährlicher Körperverletzung zu anderthalb Jahren Haft verurteilt worden.

Nur ins Gefängnis muss der 45-Jährige aus Vechta nicht mehr. Das Oldenburger Landgericht setzte gestern nach der Neuverhandlung des Falles die Vollstreckung der Strafe zur Bewährung aus. Damit milderte die Berufungskammer ein erstes Urteil des Amtsgerichtes in Vechta ab. Das hatte dem einschlägig vorbestraften Angeklagten eine Bewährung noch versagt.

Fünf Jahre lang hatte der 45-Jährige als Türsteher in der Bar gearbeitet. Am Tattag war es dann den Feststellungen zufolge aus nichtigem Anlass zu der lebensgefährlichen Attacke gekommen. Das spätere Opfer hatte sich darüber beschwert, dass ein Spielautomat nicht den erzielten Gewinn von neun Euro ausgespuckt hatte. In der Hand hatte der Gast eine Bierflasche gehalten. Eine Bedrohung war aber nicht auszumachen gewesen. Gleichwohl nahm der Angeklagte dem Gast die Bierflasche ab und schubste ihn zu Boden.

Dabei war der Angeklagte selbst zu Boden gegangen, in der Hand noch immer die Bierflasche haltend. Die schleuderte er dann mit voller Wucht in Richtung des Gastes und traf diesen oberhalb der Augen an der Stirn. Das Opfer zog sich dadurch schwerste Gesichtsverletzungen zu. Im ersten Prozess vor dem Amtsgericht in Vechta hatte der Angeklagte von einer Bedrohung durch das spätere Opfer gesprochen.

Allerdings hatte eine Überwachungskamera die Szene aufgezeichnet. Auf dem Video konnte das Gericht keinerlei Drohgebärden des späteren Opfers erkennen.

Gestern erklärte der Verteidiger des Angeklagten, dass der 45-Jährige alle Geldforderungen nebst Schmerzensgeld in Höhe von 4000 Euro bezahlen werde. „Mauern wir ihn ein, bekommt keiner was, weil der Angeklagte dann nicht mehr arbeiten kann“, so der Anwalt gestern. Aber das war nicht der ausschlaggebende Punkt für das Gericht, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Die Taten hatte der 45-Jährige als Türsteher begangen. Nun aber habe sich der Angeklagte aus dem Milieu gelöst, so der Richter.

wz

Rubriklistenbild: © dpa

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