Landwirtschaftskammer Niedersachsen schlägt Alarm

Viele Bauern existenzbedroht

Oldenburg - Unter den Bauern ist die Stimmung schlecht. Wegbrechende Einnahmen lassen viele Betriebe in die roten Zahlen rutschen. Besserung scheint nicht in Sicht.

Drastisch sinkende Erzeugerpreise setzen die Bauern in Niedersachsen zunehmend unter Druck. „Die derzeitigen Verhältnisse sind für viele Betriebe existenzgefährdend“, warnte der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Gerhard Schwetje, am Donnerstag in Oldenburg. Alle Erzeugerpreise seien gesunken, zum Teil um bis zu 30 Prozent unter das Vorjahresniveau. „Rote Zahlen sind auf vielen Betriebskonten bittere Realität“, so Schwetje.

Haupterwerbsbetriebe erzielten den Angaben zufolge im Wirtschaftsjahr 2014/2015 im Durchschnitt ein Unternehmensergebnis von 43 700 Euro. Damit lägen die im Testbetriebsnetz der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ermittelten Zahlen um 45 Prozent unter Vorjahresniveau. Das Netz besteht aus 950 Landwirtschaftsbetrieben, deren Jahresabschlüsse ausgewertet werden.

Die „miserable Stimmung“ auf vielen Höfen liegt aber aus Sicht der Kammer nicht nur an den schlechten Zahlen. Auch angesichts des gesellschaftlichen und politischen Drucks, der auf der Landwirtschaft laste, „denken immer mehr Betriebsleiter ans Aufhören“, sagte Schwetje. Auch um den Nachwuchs sorgt sich der Kammerchef. Viele der jungen Generation wendeten sich anderen Wirtschaftsbereichen und Berufsfeldern zu.

Finanziell unter Druck sieht sich auch die Kammer selbst, die nach Zuweisungskürzungen des Landwirtschaftsministeriums in Hannover 2016 erstmals in ihrer Geschichte mit einem Fehlbetrag in ein Haushaltsjahr startet. Der Etat sieht ein Gesamtvolumen von 181 Millionen Euro vor. Das Defizit zwischen Einnahmen und Ausgaben liegt bei rund 3,5 Millionen Euro.

Diese Situation sei ein große Herausforderung, denn rund drei Viertel der Kammerausgaben seien Personalkosten. Einschnitte in diesem Bereich könnten deshalb nicht ausgeschlossen werden, warnte Schwetje. Die Junglandwirte im Landesbauernverband baten Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) ausdrücklich, die geplanten Kürzungen der Landesmittel für die Kammer noch einmal zu überdenken.

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Hans-Joachim Janßen, bezeichnete die Kritik dagegen als überzogen. „Mit einer Kürzung des Haushalts um lediglich knapp eine Million Euro sind wir der Landwirtschaftskammer sehr weit entgegen gekommen, die Überzahlungen der letzten Jahre hätten weitaus höhere Etatkürzungen gerechtfertigt“, argumentierte Janßen. dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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