Kuh-Frisuren-Wettbewerb in Oldenburg

Kuh Lou hat die Haare schön

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Tabea Kramer arbeitet beim Bundesclippingwettbewerb an ihrer Kuh Lou.

Oldenburg - Jungrind Lou steht ruhig an ihrem Platz und lässt sich von Tabea Cramer frisieren. Die 17-jährige Jungzüchterin fährt mit einem größeren Rasierapparat das schwarze Fell der Kuh entlang.

„Noch fünf Minuten“, ruft Preisrichterin Erica Reineveld. Die Bewegungen der rund 20 Jungzüchter werden teilweise etwas hektischer. Dann sind die zwei Stunden Frisierzeit beim Bundesclippingwettbewerb der Jungzüchter in Oldenburg um.

Rund 40 junge Rinderzüchter der Rasse Holstein müssen hier im Rahmen der Deutschen Holstein Schau zeigen, wie sie ihre Kuh am perfektesten stylen. Durch den Wettbewerb können sich die Jungzüchter auf die Schau der Älteren vorbereiten, bei der die schönste Kuh aus rund 2,5 Millionen Holstein-Rindern in Deutschland gekürt wird.

Ein professioneller Kuhfitter rasiert bei der Deutschen Holstein-Schau den Euter einer Kuh.

„Manchmal hat Lou ein bisschen rumgezickt, aber eigentlich ging es ganz gut“, sagt Tabea erleichtert, ihre Hände sind noch schwarz vom Kuhspray. Die junge Frau aus der Nähe von Leer in Ostfriesland ist eigentlich routiniert. Sie nimmt seit sie sieben Jahre alt ist an Vorführwettbewerben teil. Bei der Deutschen Holstein-Schau war sie schon mehrmals und auch bei einer europäischen Schau in Italien hat sie ihre Frisierkenntnisse bewiesen. Dieses Mal hatte sie allerdings einen schlechten Start. Denn für ihre Kuh gab es keinen Stand mehr.

Verbesserungspotenzial bei der Toplinie

„Das Problem ist, dass die Kuh ohne Stand zur Seite weglaufen kann“, erklärt Tabea. Das erkennt Preisrichterin Reineveld bei der Bewertung auch an. „Das hast du trotzdem ganz gut gemacht“, sagt die erfahrene Kuh-Friseurin. Nur bei der Toplinie, wie die Haare auf der Rückenlinie der Kuh genannt werden, sieht Reineveld noch Verbesserungspotenzial.

„Die Toplinie ist das schwierigste“, weiß Dorothee Warder vom Deutschen Holstein Verband, die die Jungzüchter betreut. Das Tier muss ganz gerade stehen, damit die Linie perfekt frisiert werden kann. Nicht alle Jungzüchter bekommen dies hin. Für die Besten unter ihnen gibt es als Preis ein Spermapaket für die Nachzucht zu gewinnen. Was für andere Jugendliche wohl etwas befremdlich klingt, ist für Tabea normal. „Es geht ja darum, die besten Kühe zu züchten“, sagt sie.

Tabeas Schwester Lisa Cramer ist am anderen Ende des Zeltes mit ihrer Kuh Tadema beschäftigt. Tadema hebt den Schwanz und Lisa hält schnell einen Eimer darunter. Die Sauberkeit des Arbeitsplatzes ist nämlich auch ein Bewertungspunkt, wie auch die Arbeitssicherheit.

Sicherheitsschuhe gegen Tiertritte

Manchmal treten die Tiere nach ihren jungen Stylisten. Daher trägt Lisa wie die meisten anderen Teilnehmer Sicherheitsschuhe. Der Deutsche Tierschutzbund hält Zuchtschauen und Clippingwettbewerbe für eine große Belastung für die Tiere. Der Transport, die ungewohnte Umgebung und laute Geräusche würden Stress und Ängste auslösen.

„Ich habe eine gute Bindung zu ihr aufgebaut, dadurch ist sie entspannt“, sagt Lisa. Manchmal würden die Kühe auch treten, weil ihnen langweilig ist, oder sie extrem kitzelig sind, sagt die 19-Jährige. Während des zweistündigen Wettscherens war Lisas Kuh ganz ruhig. „Berühmte Oma“, sagt sie über Tadema. „Das ist eine Weltsiegerkuh.“

dpa

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