Junge Europäer sollen im Nordwesten eine Ausbildung absolvieren – und bleiben

Neue Wege auf der Suche nach Fachkräften

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Betriebe in der Region und Auszubildende aus Europa sollen gleichermaßen von „MobiPro-EU“ profitieren.

Oldenburger Land - Von Karsten Tenbrink. Immer mehr Betriebe beklagen den Nachwuchsmangel, viele Ausbildungsplätze in der Region sind noch unbesetzt. In anderen europäischen Ländern herrscht dagegen eine hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen, von denen viele eigentlich das Zeug zu künftigen Fachkräften hätten. Die Kreishandwerkerschaft Leer/Wittmund versucht nun mit Hilfe eines Programms des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, diese zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Insgesamt 60 junge Menschen aus Spanien, Kroatien, Ungarn, Irland und den Niederlanden haben am Montag ein Praktikum bei verschiedenen Betrieben in Oldenburg, Ostfriesland und umzu begonnen. Jeder von ihnen soll nach Möglichkeit ab August beziehungsweise September eine duale Ausbildung bei diesen Unternehmen beginnen. Die Organisation hat die Gesellschaft „bbf sustain“ mit Sitz in Oldenburg übernommen, finanziert wird das Projekt mit Mitteln aus dem Programm „MobiPro-EU“.

So genannte „Feel-good-Manager“ betreuen die jungen Europäer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren, erläutert Torben Böhle, Geschäftsführer von „bbf sustain“. „Woanders sagt man ‚Kümmerer‘, aber das klingt ein bisschen kümmerlich.“ Passend sind beide Begriffe: Von der Beschaffung einer Unterkunft über Behördengänge bis hin zur Eröffnung eines Bankkontos und der Anschaffung einer Sim-Karte fürs Handy bekommen die jungen Menschen Unterstützung. Gleichzeitig seien die „Feel-good-Manager“ aber auch Ansprechpartner für die Betriebe, erklärt Detlef Greek, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Auch hier gelte: „Die Qualität muss stimmen.“

Die Teilnehmer haben sich einem Auswahlverfahren unterzogen. „Besonders groß war die Resonanz in Spanien und Kroatien“, berichtet Böhle. Partner vor Ort hätten eine Vorauswahl getroffen, doch allein aus den Regionen Andalusien, Barcelona und Madrid seien 200 der zuvor rund 2000 Bewerber in Betracht gekommen. 36 haben es am Ende geschafft. Zu ihnen zählen Lorena Benitez Garrido, Claudia Diaz Rios und Ismael Montoya Benitez. Sie absolvieren ihr Praktikum bei der Oldenburger Firma „Büfa“. „Wir hoffen natürlich, dass sie nach ihrer Ausbildung hier bleiben“, sagt Rainer Krause, Leiter des Personalmanagements bei dem Unternehmen. Lorena und Claudia streben beide eine Lehre zur Produktionsfachkraft Chemie an, Ismael möchte zum Fachlageristen ausgebildet werden. Zu ihrer Motivation, die Heimat zu verlassen, erklärt Lorena: „Es gibt keine Arbeit für mich in Spanien und ein Studium ist zu teuer.“ Das Deutsch der 21-Jährigen ist schon ziemlich gut. Denn im Gegensatz zu ihren beiden Landsleuten hat sie nicht nur vorab einen mehrmonatigen Sprachkurs absolviert, sondern hatte schon zuvor einige Grundkenntnisse.

Aber auch die anderen machen schnell Fortschritte, berichtet Greek: „Das ist toll mitanzusehen: Abends sitzen Spanier und Kroaten zusammen und sprechen deutsch miteinander.“ Trotzdem ist klar: „Das erste Jahr wird richtig hart“, sagt Böhle – vor allem mit Blick auf den schulischen Teil der Ausbildung.

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