Jobcenter lässt Computerspiel zur Suche von Arbeit und Ausbildung entwickeln

Virtuelle Hilfe bei Jobsuche

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Mit der Gestaltung eines eigenen Charakters beginnt das Rollenspiel. Screenshot: Wallbaum

Oldenburg/Landkreis - Von Karsten Tenbrink. Das Jobcenter des Landkreises möchte einen Teil seiner Klienten künftig dort abholen, wo sie ohnehin viel Zeit verbringen: Am heimischen PC und vor dem Smartphone. In einem Pilotprojekt haben arbeitslose junge Menschen mit fachkundiger Unterstützung ein Computerspiel entwickelt, von dem andere Betroffene profitieren sollen.

Die Idee sei aus der Erfahrung heraus entstanden, welche Rolle die modernen Medien im Leben der jungen Leute spielen, sagte Sabine Behrens, Leiterin der Abteilung Arbeitsmarktintegration beim Jobcenter. Und das in einem teilweise bedenklichen Ausmaß: Manche würden wegen der Beschäftigung mit Computerspielen und sozialen Netzwerken nicht zu Terminen erschienen, hätten ihren Tagesrhythmus ganz auf die virtuelle Welt eingestellt. Das ginge bisweilen soweit, dass ein Interesse an Arbeit und Ausbildung völlig fehle.

Zusammen mit der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) und der Forschungseinrichtung Offis – Institut für Informatik in Oldenburg wurde das Projekt auf den Weg gebracht. Gestern präsentierten sie die Arbeitsschritte und das Ergebnis in Oldenburg.

„Work-Star“ nennt sich die Browser-basierte Anwendung für Computer und Smartphones, die in den vergangenen rund anderthalb Jahren entwickelt wurde. Das Pilotprojekt namens „Back 2 Work“ sei „soweit ich weiß bundesweit das erste dieser Art“, sagte Behrens. Zwei Gruppen mit je sechs bis zwölf arbeitslosen Teilnehmern haben sich über einen Zeitraum von jeweils neun Monaten daran beteiligt. Die LEB begleitete das Projekt pädagogisch, das Offis-Institut war für die technische Umsetzung zuständig.

Herausgekommen ist eine Art Rollenspiel, bei dem ein Charakter erstellt und in seinen Eigenschaften und Fähigkeiten nach und nach weiterentwickelt wird, erklärte Torben Wallbaum, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Offis. Dazu muss nicht nur die virtuelle Figur, sondern vor allem der Mensch vor dem Bildschirm Aufgaben lösen, sich beispielsweise über Unternehmen in seinem Umfeld informieren und sich dort vorstellen. Die Gestaltung dieser so genannten Quests seien flexibel, so Wallbaum. Sie könnten beispielsweise an Vorbedingungen und zeitliche Vorgaben geknüpft oder nur bestimmten Nutzern zugewiesen werden.

Die Anwendung selbst liefert hilfreiche Funktionen, wie etwa eine digitale Landkarte mit darin verorteten Unternehmen, deren Profile sich aufrufen lassen. Rund 80 Firmen aus Stadt und Landkreis Oldenburg seien berücksichtigt worden, erarbeitet und integriert von den Projektteilnehmern. Weitere könnten folgen, man wolle die Anwendung aber auch nicht mit dieser speziellen Funktion überfrachten. Schließlich gebe es ein solches Angebot bereits vom Jobcenter. Auch Links zu weiterführenden Informationen finden sich in dem Spiel.

„Die Intention ist, dass sie rausgehen und sich informieren“, bringt es Behrens auf den Punkt. Das Jobcenter und das Offis-Institut überlegen nun, wie sie die Anwendung künftig auf dem Laufenden halten. Im Januar, so eine momentane Schätzung von Behrens, könne die Anwendung an den Start gehen.

Den Arbeitslosen, die an der Entwicklung des Spiels beteiligt waren, habe das Projekt allein schon deshalb geholfen, weil sie dabei an einen Arbeitsalltag von bis zu 30 Stunden pro Woche gewöhnt wurden.

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