Interessengemeinschaft Simmerhausen/Rundebusch fordert größere Abstände zu Wohnhäusern ein

Windparkpläne oder: Wann wird‘s unerträglich?

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Claudia Kolloge (Mitte) überreichte die gesammelten Unterschriften an Herwig Wöbse (r.).

Rundebusch/Simmerhausen - An die rund zwei Kilometer entfernten Windräder in Uhlhorn haben sie sich gewöhnt. Was die Samtgemeinde Harpstedt (im Flächennutzungsplan) und die Gemeinde Prinzhöfte (demnächst in einem Bebauungsplan) auf den Weg bringen, beunruhigt die Bürger aus Simmerhausen und Rundebusch weit mehr.

Neue Windenergieanlagen (WEA), die in ihrer Größe bisher Dagewesenes in den Schatten stellen könnten, drohen ihnen nahe zu kommen – sehr nahe. Zwischen Wohnhaus und Turm verblieben womöglich nur 550 Meter. Dagegen setzt sich nun eine Interessengemeinschaft, die IG Simmerhausen/Rundebusch, zur Wehr. 50 gesammelte Unterschriften überreichte Claudia Kolloge am Dienstagabend an Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse.

Die A1 in Hörweite, Stallbauten vor der Nase, Fluglärm und Geräuschemissionen aus dem Gewerbegebiet in Simmerhausen – all das nehmen die Bürger bereits hin. Und nun auch noch zusätzlich ein großer Windpark nördlich der A1? Wie viel Lärm ist auszuhalten? Ab wann leidet die Lebensqualität einfach zu sehr? Solche Fragen beschäftigen die Bürger. Mit den Windrädern kämen auch Schattenwurf und „blinkende Leuchtfeuer“. Nicht zu vergessen der Infraschall – für Harm Kolloge „die große Unbekannte“, denn die zu befürchtenden Anlagen stellten eine ganz neue Dimension dar.

Jens Schäfer denkt auch an die Eingriffe in die relativ intakte Fauna der Klein Henstedter Heide. „Hier wird Biolandwirtschaft betrieben und kein Gift gespritzt. Dadurch siedeln sich viele Tiere an“, weiß er. Fledermäuse seien ebenso anzutreffen wie Bussarde. Vor allem aber geht es der IG um größere Abstände von WEA zu Wohnhäusern. Ein guter halber Kilometer wäre aus ihrer Sicht keineswegs hinreichend. Diesbezüglich konnte Herwig Wöbse, der zusagte, die Unterschriften an die Politik weiterzuleiten, den Bürgern allerdings keine großen Hoffnungen machen.

Hintergrund: Die Samtgemeinde Harpstedt hat sich entschlossen, die Privilegierung durch Ausweisung neuer Windpark-Sonderbauflächen weiterhin auszuhebeln, und dazu das 16. F-Plan-Änderungsverfahren angestrengt – letztlich eine politische Entscheidung. Das heißt aber auch, die im Zuge einer aufwendigen Standortsuche auserkorenen Konzentrationsflächen in einem relativ starken Maße für die Windkraft vorhalten zu müssen. Zu viele Beschränkungen würden die Planung juristisch angreifbar machen. Hinsichtlich der Abstände zu Wohnhäusern lässt das Baurecht relativ wenig Spielraum. Können die Vorgaben der TA Lärm nicht eingehalten werden, müssten die Windräder entweder weiter von den Häusern abrücken oder optional in bestimmten Zeiten, nachts etwa, abgeschaltet werden. Wöbse nahm sich viel Zeit für die Bürger, diskutierte sachlich mit ihnen, erklärte Zusammenhänge. Nur eines vermochte er nicht – den Anwohnern zu sagen, was sie hören wollten.

boh

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