Handwerkskammerpräsident sieht Sprachprobleme aber auch Einsatzwillen

HWK: Übergang vom Flüchtling zum Lehrling schwierig

Manfred Kurmann (links) und Heiko Henke (rechts) stellten die Situation des Handwerks dar. Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider hielt einen Vortrag. - Foto: Eilers

Oldenburg - Von Klaus Eilers. Wegen mangelnder Schulbildung und fehlender Deutschkenntnisse sieht der Präsident der Handwerkskammer (HWK) Oldenburg, Manfred Kurmann, große Schwierigkeiten, Flüchtlinge auf dem Ausbildungsmarkt unterzubringen. Das sagte er am Donnerstag während der Vollversammlung der HWK in Oldenburg in Gegenwart des niedersächsischen Finanzministers Peter-Jürgen Schneider. Letzterer sprach im Anschluss über „aktuelle Herausforderungen niedersächsischer Finanzpolitik“.

„Überall hakt es an Sprache. Wir kommen da nicht weiter“, beschwerte sich Kurmann. Viele Flüchtlinge seien entweder Analphabeten oder hätten nur drei bis vier Jahre die Schule besucht. Gleichzeitig sieht er auch ihre hohe Motivation: „Die sind heiß darauf, etwas zu unternehmen.“ Und er glaubt an die Fertigkeiten der Asylbewerber: „Ich weiß, dass oftmals handwerkliches Geschick vorhanden ist.“

Seit einem halben Jahr bringt sich die HWK auf diesem Gebiet stark ein. Mit dem Projekt Ihafa (Integrationsprojekt handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber) soll der Sprung vom Flüchtling zum Lehrling gelingen. „Insgesamt wurden schon 80 Flüchtlinge betreut und gefördert“, sagte der HWK-Präsident.

Drängendstes Problem im Handwerk ist der Fachkräftemangel. „Bereits jetzt können 37 Prozent der Betriebe in Niedersachsen ihre angebotenen Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen, und 78 Prozent beobachten einen Rückgang bei den Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze“, verdeutlichte Kurmann. Die jüngste Entwicklung beim Nachwuchs im Kammerbezirk Oldenburg sieht unterdessen rosiger aus: „Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist erfreulicherweise um 5,2 Prozent gestiegen“, sagte Kurmann, der neben Flüchtlingen mehr junge Frauen und Studienabbrecher für das Handwerk gewinnen will.

Insgesamt ist der HWK-Präsident mit der Situation hochzufrieden: „Es läuft rund im oldenburgischen Handwerk.“ Der Geschäftsklimaindex habe mit 58 Punkten den zweithöchsten Wert im Zehnjahresvergleich der Frühjahrsumfragen erreicht. Allerdings: „Die Befragten des Zulieferer-Handwerks beurteilten Lage und Erwartungen im Vergleich zum Gesamtwert zum zweiten Mal in Folge unterdurchschnittlich.“

Als „nicht von Pappe“ bezeichnete der niedersächsische Finanzminister Peter-Jürgen Schneider während der Vollversammlung die finanzpolitischen Herausforderungen, die infolge der Flüchtlingskrise auf das Land zukommen. Er rechnet mit einem Anstieg der Kosten auf 1,7 Milliarden Euro für 2017.

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