Holzüberdachungen sollen vor herabfallenden Teilen schützen

Zwei Millionen Euro für eine Übergangslösung

Etwa 80 der klotzigen Betonsockel, die jeweils einen der Holzträger für die hölzerne Dachkonstruktion halten, stehen auf einem Bahnsteig. Und das vermutlich noch eine ganze Weile. - Fotos: Eilers

Oldenburg - Von Klaus Eilers. Rund zwei Millionen Euro gibt die Deutsche Bahn insgesamt für die massiven Holzüberdachungen über den Bahnsteigen des Oldenburger Hauptbahnhofs aus. Das teilte der Projektleiter des Unternehmens für die Gleishalle, Andreas Mixa, gegenüber unserer Zeitung mit. Der Konzern hatte die Holzkonstruktionen unterhalb des sanierungsbedürftigen Daches errichten lassen, um Reisende vor herunterfallenden Teilen zu schützen.

Wer in diesen Tagen am Oldenburger Hauptbahnhof die Treppe zum Bahnsteig hinauf steigt und nach oben schaut, blickt auf eine massive Holzwand. Oben angekommen, stellt der Reisende fest, dass es sich um eine Überdachung handelt – getragen von Holzpfeilern, die mit meterdickem Beton ummantelt sind. Rund 80 dieser klotzigen Sockel, an denen die Reisenden Koffer und Fahrräder vorbeischieben, stehen auf jeweils einem Bahnsteig. „Das sieht hässlich aus – wie zugepflastert“, urteilt Fahrgast Gaby Sauer aus Hude. „Gerade für Reisende mit Koffern stellen die Betonsockel eine Behinderung dar“, meint Jana Flocken, die täglich von Leer zur Universität nach Oldenburg pendelt.

Bislang stehen die massiven Konstruktionen an zwei der vier Bahnsteige. Weitere sollen folgen: „Wir nehmen unsere Verkehrssicherungspflicht wahr, indem wir die Schutzkonstruktion auf allen Bahnsteigen herstellen“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Der Konzern befürchtet, dass die Dachkonstruktion der sanierungsbedürftigen Gleishalle der Windlast nicht standhält.

Hintergrund: Um die historische Gleishalle hatte es heftigen Streit zwischen der Stadt Oldenburg und der Deutschen Bahn gegeben. Letztere wollte den Jugendstilbau abreißen. Eine Renovierung sei mit 50 Millionen Euro zu teuer. Die Stadt, die die Gleishalle für sanierungswürdig hält, protestierte und gab ein Gutachten in Auftrag. Das kam zu ganz anderen Ergebnissen: Der Schadensumfang sei nur gering bis mäßig. „Mit vertretbarem Aufwand“ erscheine eine Sanierung möglich.

Die heftigen Proteste fruchteten offenbar, denn die Deutsche Bahn zog den Planfeststellungsantrag zurück, der den Abriss der Gleishalle vorsah. Nun will der Konzern die Kosten und Machbarkeit erneut ermitteln: „Wir haben nochmals umfangreiche statistische Gutachten und Materialprüfungen angestoßen. Ergebnisse liegen voraussichtlich Mitte des Jahres vor“, so Bahnsprecher Meyer-Lovis in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung. Es gehe um die Untersuchung verschiedener Varianten.

Die Deutsche Bahn wolle mit den Gutachten eine Aussage zur Sanierungsfähigkeit erhalten, sagt Projektleiter Mixa. Hintergrund: Im Vorfeld waren neben einer Sanierung zwei weitere Varianten im Gespräch, die einen vorherigen Abriss der Gleishalle nötig machen: zum einen standardisierte Einzelüberdachungen – dazu wäre es wohl nach den ursprünglichen Plänen der Deutschen Bahn gekommen –, zum anderen ein Nachbau nach historischem Vorbild.

Mittlerweile scheint sich das Verhältnis zwischen den zerstrittenen Parteien zu entspannen: „Die Deutsche Bahn und die Stadt Oldenburg wollen eine Kooperationsvereinbarung schließen“, teilt Mixa mit.

„Wir befinden uns in der Endabstimmung“, sagt Arend Bewernitz, Fachdienstleiter für Bauordnung und Denkmalschutz bei der Stadt, auf Nachfrage nach dem Fortschritt der Vereinbarung. „Dort ist geregelt, wie wir künftig miteinander arbeiten wollen. Unter anderem geht es darum, die Aufgabenstellung der Gutachten abzustimmen“, erklärt die Baudezernentin der Stadt Oldenburg, Gabriele Nießen.

Und wie geht es weiter? „Ende 2017 kann über weitere Schritte der Erneuerung des Hallendachs entschieden werden“, so Mixa. Wie lange die Beton-Holzkonstruktionen auf den Bahnsteigen noch stehen werden, scheint unterdessen ungewiss.

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