Gebürtiger Oldenburger tauschte Namibia gegen Husum

Watt statt Savanne

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Der Geschäftsführer der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer, Harald Förster (l), seine Frau Birgit (3.v.l) und zwei Helfer untersuchen im Jahr 2005 in Namibia einen betäubten Geparden.

Husum - Von Birgitta von Gyldenfeldt. Harald Förster ist ein großer, ruhiger Mann, durchaus norddeutsch. Der Geschäftsführer der Schutzstation Wattenmeer sitzt in einem Restaurant auf Amrum.

Kurze Pause auf einer langen Wattwanderung von Dagebüll über Langeneß und Amrum nach Föhr anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Nationalparks schleswig-holsteinisches Wattenmeer. Der gebürtige Oldenburger unterhält sich mit einigen Mitwanderern, kurz vorher hat er unter anderem Umweltminister Robert Habeck (Grüne) auf der Hallig Langeneß die Arbeit der Schutzstation erklärt.

Jetzt sucht Förster irgendetwas in seinem Handy, bleibt bei den gespeicherten Fotos hängen. Doch zu sehen sind keine Seehunde oder Miesmuschelbänke, sondern Geparden und Kinder, die neben einer betäubten Hyäne auf einem Land Rover sitzen. Das sieht nicht nach Schleswig-Holstein aus, sondern nach Afrika. Genauer gesagt, Namibia, denn hier hat Förster lange Jahre gearbeitet, bevor er 2008 ins rund 12.000 Kilometer entfernte Husum zog.

„Ich habe immer geträumt, ich gehe mal nach Afrika“, erzählt Förster. Daher hat er nach einer Gärtnerlehre und dem Studium der Forstwissenschaften noch tropische Forstwirtschaft studiert. Für seine Magisterarbeit ist er nach Namibia gegangen, dabei standen dann nicht Pflanzen, sondern Tiere im Vordergrund seiner Arbeit: Ihm wurde kurzerhand ein Blasrohr in die Hand gedrückt - Zeit zum Leoparden fangen, erinnert er sich.

Zurück in Deutschland machte er sein Referendariat und arbeitete unter anderem bei Cottbus in einem ehemaligen Braunkohlerevier. Doch er vermisste Afrika. Als er eine Stellenanzeige sah, in der ein „Tierarzt/Biologe“ für den Aufbau einer Wildfarm in Namibia gesucht wurde, bewarb er sich. Das war Anfang 1997. Doch bereits wenige Wochen später stellte sich heraus, „es war ein riesiges Desaster“. Auf der Farm lebten auch drogenabhängige Jugendliche - für den Umgang mit ihnen waren weder Förster, noch seine jetzige Frau Birgit ausgebildet, die dort ein Praktikum machte. Sie verließen die Farm. Vorher kauften sie noch zwei Löwenbabys frei. „Da standen wir nun, keine (umgerechnet) fünf Euro in der Tasche, kein Zuhause, keine Arbeit, aber mit zwei Löwen“, erinnert sich Förster.

Doch nach Deutschland zurückkehren kam für das junge Paar nicht infrage. Stattdessen bauten sie eine eigene Forschungsstation auf, die Okatumba Wildlife Research. Sie wollten möglichst umfassend den Lebensraum Farmland untersuchen und zusammen mit einigen Farmern einen Wildtierbewirtschaftungsplan erstellen. Försters Frau - „die eigentliche Forscherin“ - zog also los in den Busch, beobachtete Leoparden, Geparden und Antilopen, stattete sie mit Peilsendern aus. Er kümmerte sich um die Studenten, die bei verschiedenen Studien mithalfen, baute Netzwerke auf und kümmerte sich um die verschiedenen Projektpartner und die Finanzierung. Auch ihre zwei Kinder wurden in Namibia geboren.

Doch mit der Zeit kamen Probleme, die Wilderei nahm zu, der Besitzer der Farm, auf der ihre Forschungsstation lag, wechselte und der Sohn der Försters sollte zur Schule - die es in der Nähe nicht gab. Nach elf Jahren Namibia hieß es: „Wir gehen zurück“, sagt Förster. Er suchte über „greenjobs“ nach einer Stelle in Deutschland und fand das Angebot der Schutzstation. „Ich kam ja von der Küste und dachte, warum nicht.“ Er bewarb sich. Die Försters kratzten das letzte Geld zusammen für ein Flugticket zum Bewerbungsgespräch. Seit 2008 lebt die Familie nun in Husum.

„Wir haben gut Fuß gefasst.“ Das Leben sei gar nicht so unterschiedlich, der Kulturschock fiel relativ klein aus - auch weil Namibia in vielen Bereichen noch recht deutsch geprägt ist, wie der 51-Jährige findet. Und auch seine Arbeit unterscheide sich nicht wirklich von der in Afrika. Förster kümmert sich um die Studenten und Jugendlichen, die ein freiwilliges Jahr in einer der 20 Stationen der Schutzstation machen, baut Netzwerke auf, kümmert sich um Projektpartner und Finanzierung.

Seine Frau wollte nach dem Umzug erst einmal eine Auszeit; ganz für die Familie beim Aufbau des neuen Lebens in Nordfriesland da sein. Inzwischen arbeitet sie in einem Umweltplanungsbüro, die Kinder gehen auf ein Gymnasium. Manchmal vermissen die Försters Namibia. Es sei ein einmaliges Privileg gewesen, dort zu leben, sagt Förster. Seine damals dreijährige Tochter habe sich am schwersten getan, Afrika zu verlassen. Sie erinnere sich sehr oft an die schönen Erlebnisse in Namibia. Beispielsweise daran, wie sie zwischen betäubten Löwen gespielt hat.

dpa

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